Tiliscos Kolumne: Pauschal ist plump!
Tiliscos Kolumne

Pauschal ist plump!

Regelmäßig kommentieren Sonja Bähr und Till Isensee von Tilisco Themen aus der Verpackungsbranche. Pointiert, kritisch und immer mit einem Augenzwinkern. Diesmal im Fokus: Das Substitutionspotential von Mehrwegtransportverpackungen.

Es gibt mal wieder eine neue Studie der GVM, diesmal beauftragt vom NABU, mit dem Ziel das Substitutionspotential von Mehrwegtransportverpackungen zu ermitteln. Achtung Spoiler: „Durch den flächendeckenden Einsatz von Mehrweg-Transportverpackungen ließe sich in den analysierten Segmenten Cerealien, TK-Gemüse und Tafelschokolade ein großer Teil des derzeitigen Aufkommens von Transportverpackungen einsparen.“ (Zitat aus dem Fazit).

Wie auch schon in der Studie „Substitution von Kunststoffverpackungen durch papierbasierte Verbunde“, ebenfalls von der GVM im Auftrag des IK erstellt, zeigt sich erneut, dass eine pauschale Berechnung für Verpackungen, um daraus Empfehlungen oder gar rechtliche oder politische Konsequenzen ableiten zu wollen, komplett ungeeignet ist. Zumal in beiden Studien auch noch mit falschen Annahmen gearbeitet wird, die aus verpackungstechnischer Sicht nicht haltbar sind.

Die Komplexität in der Logistik, der Warenverteilung und des Verkaufs im Handel sowie die weiteren zu erfüllenden Aufgaben einer Verpackung, und zwar immer bezogen auf das jeweilige Produkt, müssen berücksichtigt werden und lassen somit keine Pauschalaussagen zu.

Zu diesen wenig differenziert berechneten Werten, kommt noch die verkürzte Darstellung in den Medien, wo in großen Lettern dann gerne die Rede ist von „Versteckten Abfallbergen“ oder „Papierverbunde sabotieren Kreislaufwirtschaft“.

In der aktuellen Studie wird für vier Produktsegmente pauschal das Gewicht der Transportverpackungen -hierzu zählen auch die Regaltrays, die ja gleichzeitig die Funktion des Transports und der Warenpräsentation übernehmen, ins Verhältnis zum Materialgewicht der Primärverpackung gesetzt. Verglichen werden bspw. Cerealien in der Kartonschachtel und im Folienbeutel. Ergebnis: Die PPK- Menge der Transportverpackungen für die in Kunststoff verpackten Produkte ist geringer. Keine Überraschung, denn die Volumenkomponente wurde nicht berücksichtigt. Cornflakes sind leicht, zerbrechlich und benötigen viel Volumen, die entsprechend große Faltschachtel bietet guten Produktschutz. Klar, dass die Transportverpackung entsprechend größer dimensioniert ist und mehr Gewicht auf die Waage bringt. Müsli kann viel kompakter in den Folienbeutel gefüllt werden und bietet eigene Stabilität, ergo weniger Wellpappe außen rum.

Der Vergleich von Äpfeln mit Birnen ergibt ein bestimmtes Ergebnis, das aber auf keinen Fall pauschal auf alles Obst anzuwenden ist. Und schon gar nicht, wenn solche „Studien“ die Grundlage für politische Entscheidungen sein wollen.

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