Deutscher Verpackungsrechtstag 2022: „Es ist ...
Deutscher Verpackungsrechtstag 2022

„Es ist noch nicht abzusehen, ob bestimmte Verpackungsmaterialien verboten werden“

Dr. Carl Dominik Klepper ist seit 2016 geschäftsführender Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt (AGVU), Berlin. Seine Stimme hat in der Branche Gewicht; nicht nur deswegen ist Klepper einer von zahlreichen interessanten Gästen des Deutschen Verpackungsrechtstages am 16. Februar 2022. Drei Fragen, drei Antworten im Vorfeld der Konferenz.

Herr Dr. Klepper, die Leitfragen der Paneldiskussion, an der Sie im Februar beim Deutschen Verpackungsrechtstag 2022 teilnehmen, lauten: Droht ein Verbot von bestimmten Verpackungsmaterialien – kommt die Kunststoffsteuer? Geben Sie uns doch bitte vorab schonmal einen kleinen Einblick in Ihre Gefühlslage: Droht denn aus Ihrer Sicht ein Verbot von bestimmten Verpackungsmaterialien?

Klepper: „Mit Blick auf die aktuellen Brüsseler Arbeiten an den Kernanforderungen an Verpackungen, die sog. ‚Essential Requirements‘, die in der Europäischen Verpackungsverordnung verankert sind, ist noch nicht abzusehen, ob bestimmte Verpackungsmaterialien verboten werden. Meines Erachtens ist es wichtiger, für wirtschaftlich attraktive Anreize zu sorgen, um Rohstoffkreisläufe zu schließen. Preisliche Nachteile für nicht oder wenig recyclingfähige Verpackungen sind beispielsweise bereits in den Lizenzabgaben für die Sammlung und das Recycling gebrauchter Verkaufsverpackungen enthalten. Dieser Hebel sollte wirkmächtiger und transparenter gestaltet werden. Materialien, die die Kreislaufführung hemmen, können damit nach und nach zurückgedrängt werden. Die Einführung einer Plastiksteuer wird im Koalitionsentwurf der neuen Bundesregierung angekündigt.“

Die AGVU hat jüngst eine Aufstockung der Finanzmittel für das Forschungsprojekt des Umweltbundesamtes gefordert, damit belastbare Daten generiert werden können. Wie dringlich sehen Sie dieses Anliegen?

„Eine solide Investition in wissenschaftliche Forschung ist eine wichtige Voraussetzung, um ökologische Optimierungsprozesse sinnvoll gestalten zu können. Das Umweltbundesamt kommt mit der Studie einem Anstoß des Deutschen Bundestages nach, der aber finanziell nicht ausreichend unterfüttert ist. Bei zu starker Verallgemeinerung aufgrund eines zu geringen Budgets werden die Ergebnisse wenig aussagekräftig sein. Um echte Fortschritte bei der ökologischen Optimierung von Verpackungen zu erzielen, ist eine breitere Betrachtung der Verpackungen und Szenarien finanziell zu ermöglichen.“

Zur Bundestagswahl hat die AGVU ihre Visionen für eine umfassende Verpackungs- und Kreislaufwirtschaft benannt. Nach dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen in Berlin: Wie realistisch sind die skizzierten Visionen der AGVU?

„Viele der von der AGVU benannten Visionen finden sich im Koalitionsvertrag wieder. Dass die Koalition der Kreislaufwirtschaft ein eigenes Kapitel widmet, zeigt, dass die Bedeutung des Themas verinnerlicht wurde. Zudem werden Absichten formuliert, die den Vorschlägen der AGVU sehr nahekommen: Senkung des primären Rohstoffverbrauchs durch mehr Rezyklateinsatz, einheitliche EU-Standards, Unterstützung und Förderung von innovativen Systemen und Anreize, um Rohstoffe wieder dem Kreislauf zuzuführen. Es muss nun darum gehen, die Pläne im gemeinsamen Engagement von Politik und Industrie in der neuen Legislaturperiode umzusetzen.“

 

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