DAIS 2022
Das Team rund um den Quarterback

04.04.2022 Am dritten Tag des DAIS – Data Analytics & Insights Salons 2022 wurde die Frage gestellt: Wie wichtig ist Marktforschung für das Packaging – und wie wichtig das Packaging für den Erfolg eines Produkts?

Live aus dem dfv-Studio: der Data Analytics & Insights Salon 2022.
© Foto: Screenshot p&a / dfvcg
Live aus dem dfv-Studio: der Data Analytics & Insights Salon 2022.

Dieser Frage ging Sabine Hedewig-Mohr von planung&analyse gemeinsam mit packREPORT-Redakteur Matthias Laux auf den Grund.

In der Keynote von Karel J. Golta – Designer, Entrepreneur, Business Romantic und Gründer und Geschäftsführer von Indeed – geht es um ein Denken in Kreisläufen. Es geht darum, dass ein Ende kein Ende, sondern ein Schritt voran werden muss. Für die Verpackung heißt das: Weder die Verpackung noch das Produkt nach der Verwendung darf einfach nur Müll und damit sein Ende sein, die Hersteller sollten über Circular Economy nachdenken. Dazu gehört auch Circular Design.

In seinem teilweise interaktiven Vortrag bringt er viele Beispiele, die zum Nachdenken, Nachmachen und im privaten Bereich zum Gebrauchen anregen. So gibt es Loop von Terracycle in den USA – dort werden Mehrwegverpackungen zurückgenommen, ähnlich unserem Mehrwegflaschen-System, nur ausgeweitet auf Verpackungen aller Art. Oder Shiftphones, ein Handy-Hersteller aus Deutschland, dessen Handy fair und nachhaltig ist und modular aufgebaut ist. Wenn es also nach einiger Zeit eine bessere Kamera gibt, dann kann man diese selbst einbauen. Oder per App, die Menschen anregen, nachhaltiger zu leben (Ant Forest by Ali Pay), Markenartikel vom Hersteller zurückkaufen lassen und so dem Second Hand Handel zu führen. Ocean Works – hier wird Müll aus dem Ozean für die Rohstoffgewinnung genutzt. Everdrop – beim Reinigungsmittel wird auf Wasser verzichtet, es kommt komprimiert als Tab oder Pulver, das Wasser wird zu Hause zugeführt, das Verpackungsmaterial eingedampft.

Was man vom American Football fürs Packaging lernen kann

Danach wird Geoffrey Hildbrand, Brand and Innovation Strategist, Mitgründer von Popular Packaging, zugeschaltet. Er hat einen ungewöhnlichen Vergleich für das Auditorium: Was kann man fürs Packaging vom American Football lernen? Und zwar geht es um den Quarterback, der gut gedeckt von seiner Offense-Line, den perfekten, kreativen Pass spielen kann – dazu sind auch die anderen Spieler Experten auf ihrem Gebiet. Auf den richtigen Einsatz von Spezialisten kommt es also an. Wie beim Packaging. Die Produkteinführung klappt mit den Profis aus der Design- und Trendforschung, Insights-Forschung einfach besser. Anhand Joybräu Alkoholfrei zeigt Hildbrand, wie mit einem Umdesign neue Zielgruppen gefunden werden können. Zum Einsatz kamen auch die Spezialisten aus der UX-Forschung.

Beim Better Lunch Project von kitchen guerilla war ein interdisziplinäres Team am Start. Bei Collide war ein qualitatives Team unterstützend. Heutzutage gilt es außerdem zu beachten, dass sich die Shopping-Landschaft verändert hat: Ein Produkt im Regal des LEH muss anders designed sein als im Online-Shop des Produzenten, wo der User sich intensiv mit dem Produkt auseinandersetzen kann. Beispiele sind hier etwa Everdrop und Foamie.

Im Talk zwischen Matthias Laux und Joachim Mann, Ressortleitung Unternehmensmarketing und -kommunikation bei der Seeberger GmbH, kommt die Rede zu Anfang auf die Bedeutung der Verpackung: Mann betont, es gehe in erster Linie um den Produktschutz. Nüsse, Sultaninen & Co. müssen gut geschützt vor Nässe und Sauerstoff zum Kunden kommen, ansonsten riskiert man, dass die Nahrungsstoffe schlecht werden. Wenn der Kunde dann seinen Einkauf entsorgen muss, greift er das nächste Mal zu einer anderen Marke. Der Nachhaltigkeitsgedanke darf dabei dennoch nicht zu kurz kommen. Seit einigen Jahren entwickelt man deshalb bei Seeberger eine Folie aus recyclingfähigem Material. Aktuell kann diese aber nicht für spitze Inhalte wie Pistazien oder etwa Bananenchips eingesetzt werden – dafür ist dieses Material zu dünn, Löcher entstehen. Aber Mann verspricht, dran zu bleiben, denn gerade in einer Branche, die auf Naturprodukte zugreift, ist der Klimawandel allgegenwärtig.

Und so schließt sich der Kreis dieses Thementages: Nachhaltigkeit ist das oberste Gebot.

 

Autorin: Gertrud Wellner

 




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