Nachhaltigkeit im Onlinehandel
„Produkt bestimmt Großteil der Emissionen“

25.04.2022 „Ob ein Einkauf nachhaltig ist, bestimmt an erster Stelle das Produkt, das im Warenkorb landet“, sagt Dr. Nele Kampffmeyer vom Öko-Institut, Berlin.

Öko-Institut: „Die Vernichtung von Retouren darf aus Klimasicht nicht sein.“
© Foto: IMAGO / Geisser
Öko-Institut: „Die Vernichtung von Retouren darf aus Klimasicht nicht sein.“

Der Umsatz im Internet- und Versandhandel wuchs im Jahr 2021 um mehr als ein Drittel gegenüber 2019. Am meisten werden Bekleidung und Schuhe online gekauft. Doch was ist besser fürs Klima: Online bestellen oder einkaufen vor Ort? Darauf antwortet Forscherin Dr. Nele Kampffmeyer in einem aktuellen Podcast des Öko-Instituts, Berlin.

„Ob ein Einkauf nachhaltig ist, bestimmt an erster Stelle das Produkt, das im Warenkorb landet“, fasst Kampffmeyer zusammen. „Das gilt für den Online- und Offline-Handel.“ Die erste Frage, die sich Käuferinnen und Käufer deshalb stellen sollten: „Ist das Produkt nachhaltig hergestellt?“ und als zweites: „Brauche ich es überhaupt?“

Darüber hinaus sind Logistik und Transport für den Klimafußabdruck wichtig: Mit welchem Verkehrsmittel fährt man selbst zum Geschäft im stationären Handel? Wie wird das online bestellte Produkt bis zur Haustür geliefert? Besonders die „letzte Meile“ schlägt hier bei den Emissionen zu Buche. Vor allem, weil dort teilweise wenig ausgelastete Kleintransporter eingesetzt werden.

„Kritisch ist die sogenannte ‚Instant Delivery‘ zu bewerten, das heißt wenn ein Produkt am selben Tag bestellt und ausgeliefert wird“, sagt Kampffmeyer. Denn hier lässt sich eine effiziente Logistik schwer umsetzen. Doch immer häufiger wird für die letzte Meile inzwischen auf Lastenräder gesetzt – hierdurch werden die Logistikemissionen deutlich gesenkt.

Auch das Ladengeschäft oder das Lager der Online-Händler verursachen Emissionen: Wie werden die Räume beheizt? Wie wird der Strom erzeugt? Gibt es eine Kühlung? Im Vergleich dazu fallen Versandverpackungen nicht so stark ins Gewicht. Die ideale Verpackung sei hier Mehrweg, doch bei ihrer Nutzung stehe man in Deutschland leider noch am Anfang.

Retouren: „Pflicht zur Berichterstattung, Vernichtung stoppen“

Ein großer Faktor bei der CO2-Bilanz seien die Retouren. Wie groß das Problem tatsächlich ist, so bemängelt Kampffmeyer, sei nicht bekannt, da es hierzu keine zuverlässigen Daten gebe. Gerade die großen Onlinehändler geben hierzu keine Auskunft. Deshalb plädiert sie für eine Pflicht zur Berichterstattung.

Darüber hinaus werden retournierte Artikel entweder als A- oder B- Ware wiederverkauft oder vernichtet und das aus zwei Gründen: Entweder, weil die Produkte beschädigt sind oder aus hygienischen Gründen, zum Beispiel geöffnete Kosmetika. Oder aus betriebswirtschaftlichen Gründen, etwa, weil die Wiederaufbereitung zu teuer ist – je nach Artikel sind das zwischen fünf und 20 Euro – oder weil es teurer ist, die Lagerkosten zu zahlen, als das Produkt zu vernichten.

„Die Vernichtung von Retouren darf aus Klimasicht nicht sein“, so Kampffmeyer. Jedoch sei die Vernichtung nicht auf den Onlinehandel beschränkt, sondern betreffe auch den stationären Handel, zum Beispiel wenn die textile Saisonware nicht komplett abverkauft wurde. Auch hier müssten die Berichterstattungspflicht und das Kreislaufwirtschaftsgesetz greifen.



 

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