Ein Start-up berichtet
Als Laie im Verpackungsmarkt

28.02.2022 Bereits im November hatte Philipp Riedl, einer der Gründer und Geschäftsführer des Münchner Start-ups „Vetain“, einen Vortrag zum Thema „Als Start-up im Verpackungsdschungel“ vor den Mitgliedern des bdvi-Verpackungsnetzwerks (Bund Deutscher Verpackungsingenieure) gehalten.

Vetain: „Wir konnten nichts machen, außer ruhig abzuwarten.“
© Foto: Vetain
Vetain: „Wir konnten nichts machen, außer ruhig abzuwarten.“

Vetain produziert vegane Proteinpulver und vertreibt diese über den eigenen Onlineshop. Dabei legt das Start-up eigenen Angaben zufolge besonderes Augenmerk auf eine nachhaltige Verpackung und faire Produktion.

Im Interview mit dem packREPORT berichtet Philipp Riedl nun über die Erfahrungen, Probleme und Lösungen in und aus der Verpackungsbranche.

Der Weg zur Nachhaltigkeit – wie ist Vetain zu seiner Verpackung gekommen?

„Mein Freund und ich waren Abiturienten, mit der Idee ein gutes leckeres veganes Proteinpulver zu mixen und zu vermarkten. Wir haben direkt damals bei der Gründung unseres Start-ups beschlossen, unser Unternehmen so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Zum einen verlangt der Konsument/Kunde heutzutage einfach mehr Nachhaltigkeit und Transparenz von Unternehmen, andererseits sind wir auch davon überzeugt, dass wir etwas an unserem Konsumverhalten ändern müssen. Vor allem wir als junge Generation haben die Möglichkeit jetzt nochmal etwas zu verändern. So haben wir diesen Grundsatz auch in unserem Namen „Vetain“ festgehalten, der sich aus „Vegan“ und „retain“ (en. erhalten) zusammensetzt.

Für uns gibt es zwei Säulen der Nachhaltigkeit: Einmal die CO2-Emissionen und natürlich die eingesetztem Verpackungsmittel. Erstes kontrollieren wir durch kurze Lieferwege und unsere Partnerschaft mit Eden Projects (drei gepflanzte Mangroven pro Produkt).“

Welche Packstoffe und -mittel verwendet Vetain?

„Auch bei den Verpackungen haben wir auf recyclebar und kompostierbare Verpackungsalternativen gesetzt. Unsere Primärverpackung ist eine Dose aus Hanffaser, die bis auf den recycelbaren Weißblechdeckel komplett kompostierbar ist. Aufgrund der Stärkebeschichtung im inneren ist die Dose auch für Lebensmittel wie unser Proteinpulver bestens geeignet.

Viele Unternehmen in unserer Branche verwenden eine Papprundhülse, die innen mit Aluminium beklebt ist. So ist es für den Endverbraucher unmöglich die Verpackung dem Recycling-Kreislauf zuzuführen.

Bei der Verpackung unsere Proteinpulvers setzen wir auf einen Karton aus 75 % Altpapier und 25 % Grasfaser. Grasfaser ist in der Verarbeitung deutlich Energieeffizienter und verbraucht viel weniger Wasser und Chemikalien als herkömmlicher Holzzellstoff. Gebrandet haben wir den Karton auf allen Seiten mit Farben auf Wasserbasis. Seit dem Verkaufsstart haben wir nur positives Feedback zum Karton erhalten!

Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern verzichten wir auch auf eine Versiegelung aus Plastik, sondern verwenden einen Sticker aus Papier, um den Deckel auf der Dose zu fixieren. Lange hatten wir uns über diese Komponente Gedanken gemacht; aber manchmal sind es doch die einfachsten Lösungen, an die man erst gar nicht denkt.

Statt Plastikklebeband verwenden wir außerdem ein Klebeband aus Papier, welches mit Kautschukkleber beschichtet ist.“

Wie schwer war es, die passenden Anbieter zu finden?

„Anbieter für Klebeband und Sticker waren schnell gefunden. Für den Karton und vor allem auch die Rundhülsen hat es jedoch deutlich länger gedauert.

Generell war es schwer, hier einen guten Anbieter zu finden. Auch über die Plattform WLW sind nur wenig geeignete Lieferanten zu finden. Was wir uns hier wünschen würden, wäre eine größere Auswahl auf Plattformen wir lieferanten.de oder WLW, da es sehr umständlich ist, nur über Suchmaschinen wie Google den passenden Anbieter zu finden und jeden einzeln anzuschreiben. Auch die Preiskommunikation sowie die Erklärung der Kartontypen könnte klarer gestaltet sein.

Bei unserer Primärverpackung der Rundhülse haben wir sogar über ein halbes Jahr gesucht. Hier hoffen wir auf deutlich mehr Innovation in den nächsten Jahren, um vor allem Food-Primärverpackungen nachhaltiger und plastik-/aluminiumfrei zu gestalten.

Dadurch, dass es zurzeit nur so wenige Anbieter in diesem Bereich gibt, ist man auch extrem abhängig von einem einzelnen Hersteller. So hat sich in unserem Beispiel die Produktion unserer Rundhülsen von 8 auf 16 Wochen verzögert und wir konnten nichts machen, außer ruhig abzuwarten, obwohl wir schon lange im Lieferverzug waren.

In diesem Fall lief auch die Kommunikation mit dem Hersteller absolut nicht auf einer Augenhöhe ab und wir fühlten uns teilweise verarscht, als Fristen aufs Neue nicht eingehalten und verschoben wurden. Lieber direkt am Anfang sagen, dass es nun doch acht Wochen länger dauert, als jede Woche den Liefertermin ein bisschen weiter nach hinten zu schieben. So hatten wir unseren Launch schon bei unseren Kunden angekündigt, konnten den Termin dann aber nicht einhalten. Doppelt ärgerlich.“

Wie haben Sie Abnahmemenge, Preise und Lieferzeiten wahrgenommen?

„Die Lieferzeiten wurden wie bereits angesprochen eigentlich jedes Mal überschritten. Auch wenn ich verstehen kann, dass es in der Pandemie drunter und drüber geht, würde ich mir doch eine offenere Kommunikation wünschen. Die Rohstoffpreise sind natürlich durch die Corona-Krise sowie durch die Suez-Kanal-Vorfälle angestiegen.

Hier mussten wir gezwungenermaßen in den sauren Apfel beißen und hoffen, dass es bei unserer nächsten Bestellung besser wird.

Die Abnahmemengen sind immens hoch (vor allem bei individuellen Verpackungen). Von unseren Dosen mussten wir direkt am Anfang 10.000 Stück erwerben, von den Kartons auch 5.000. Insgesamt haben wir für die Verpackungen mehr Geld ausgelegt als für die gesamten Rohstoffe der ersten Produktcharge. Als bis dahin eigenfinanziertes Start-up ist das natürlich extrem happig und wir sind froh, dass wir in unserer Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter 16.000 € sammeln konnten.

Wahrscheinlich hätten wir bei den Kartons auch viel Geld sparen können, hätten wir auf das Branding verzichtet. Das ist aber für die Kundenbindung und Wachstum extrem wichtig.“





 

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