Absprung des Investors
Baden Board stellt Insolvenzantrag

29.09.2021 Die Baden Board GmbH, mittelständischer Karton- und Verpackungsspezialist aus dem baden-württembergischen Gernsbach, hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Baden Board GmbH: Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
© Foto: IMAGO / CHROMORANGE
Baden Board GmbH: Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Das zuständige Amtsgericht in Baden-Baden hat daraufhin den Rechtsanwalt und Sanierungsexperten Marc Schmidt-Thieme von der bundesweit tätigen Kanzlei Hoefer I Schmidt-Thieme zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Der Insolvenzantrag ist erforderlich geworden, nachdem ein Investor, Fiskeby Board, der die Baden Board GmbH Anfang dieser Woche vollständig übernehmen wollte, trotz Erfüllung aller vertraglichen Vollzugsbedingungen und intensiven Übergangsvorbereitungen auf allen operativen Ebenen völlig überraschend und ohne irgendwelche Anzeichen vom Unternehmenskaufvertrag zurücktreten war. Der Käufer war im Rahmen eines umfassenden internationalen M&A-Prozesses im Frühjahr 2021 gefunden worden und wollte als strategischer Partner für die nachhaltige Finanzierung und die langfristige Weiterentwicklung des Geschäftsbetriebs der Baden Board GmbH sorgen.

Der Geschäftsbetrieb wird vollständig aufrechterhalten

Aufgrund insolvenzrechtlicher Vorgaben ist nun Marc Schmidt-Thieme als gerichtlich bestellter vorläufiger Insolvenzverwalter mit seinem Team von Experten um Rechtsanwältin Saskia Streicher und Rechtsanwalt Sascha Schönwald vor Ort in Gernsbach und wird sich die wirtschaftliche Ausgangslage des Unternehmens genau anschauen. „In den nächsten Tagen und Wochen werden wir Gespräche mit allen wesentlichen Beteiligten aufnehmen und alle uns zur Verfügung stehende Sanierungsoptionen überprüfen“, erläutert Rechtsanwalt Schmidt-Thieme die anstehenden Schritte. Der Geschäftsbetrieb von Baden Board wird derweil vollständig aufrechterhalten. Produktion, Termin- und Liefertreue sind auch während des vorläufigen Insolvenzverfahrens weiterhin gewährleistet.

Eine große Herausforderung sieht Schmidt-Thieme allerdings bereits jetzt in dem enormen Anstieg des Gaspreises von beinahe 230 Prozent seit Anfang dieses Jahres, der für das Unternehmen in dieser Größenordnung nicht vorhersehbar war und eine große Belastung darstellt. Mit aktuell rund 74 Euro pro Megawattstunde ist das für die Produktionsprozesse der Baden Board erforderliche Erdgas so teuer wie noch nie in Deutschland. Ein Ende dieser problematischen Preisentwicklung, unter denen Industrie und Verbraucher gleichermaßen leiden, ist Experten zufolge derzeit nicht in Sicht.

Die rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gernsbach hat der vorläufige Insolvenzverwalter heute unter Berücksichtigung der erforderlichen coronabedingten Hygienevorschriften über den aktuellen Stand und das weitere Vorgehen informiert.

Hintergrund:

Die Baden Board GmbH war im vergangenen Jahr im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens erfolgreich durch die Covid-19 Pandemie navigiert und restrukturiert worden. Das Unternehmen wurde auf diese Weise neu aufgestellt. Alle Arbeitsplätze konnten erhalten werden. Der für alle überraschende Rückzug des Investors und die nicht zu erwartende, belastende Entwicklung am Energiemarkt haben den Insolvenzantrag jetzt erforderlich gemacht.

Die Baden Board GmbH ist ein Hersteller von Recyclingkarton und Anbieter von Verpackungslösungen. Im Betriebsteil „Baden Karton“ werden jährlich rund 150.000 Tonnen Faltschachtelkarton für die Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie aus 100 Prozent Altpapier gefertigt. Der Betriebsteil „Baden Packaging“ ist Verpackungsspezialist und Hersteller von innovativen Verpackungslösungen aus Karton. Jährlich werden rund 60.000 Tonnen Faltschachtelkarton zu bedarfsgerechten Verpackungen für Kunden der Food-, Non-Food und Getränkeindustrie verarbeitet. Im baden-württembergischen Gernsbach sind 283 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (davon fünf Zeitarbeitnehmer) beschäftigt.


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