Vom Nice-to-Have zum Must-Have
Actega feiert 10 Jahre Provalin

26.05.2021 Actega setzt schon seit Jahrzehnten auf PVC- und Weichmacher-freie Dichtmassen für Getränke- und Lebensmittelverpackungen. Bereits seit Anfang der 1980er Jahre für Kronkorken und Aluminiumverschlüsse, seit 2006 für Metall-Verbundverschlüsse, 2011 für Twist-Off-Verschlüsse und 2016 für P/T-Verschlüsse.

Wichtig bei Babynahrung: Eine Migration von Schadstoffen aus Verschlüssen in das Lebensmittel darf nicht stattfinden.
© Foto: Actega DS
Wichtig bei Babynahrung: Eine Migration von Schadstoffen aus Verschlüssen in das Lebensmittel darf nicht stattfinden.

Für P/T-Verschlüsse wurden mit Provalin und Actgreen Provalin die jeweils weltweit ersten Alternativen ohne PVC und Phthalate in den Markt gebracht, die den strengen EU-Vorschriften entsprechen und damit eine hohe Lebensmittelsicherheit garantieren. Heute blickt Provalin auf eine 10-jährige Markengeschichte zurück, die sich zwar erst Schritt für Schritt entwickeln musste, heute jedoch definitiv von Erfolg geprägt ist.

Ein Rückblick

Klima- und umweltfreundliches Handeln, die bewusste Entscheidung für nachhaltige Verpackungen steigen in der Wichtigkeitsskala weiter nach oben und bilden entscheidende Kaufkriterien. So sollten umweltbelastende Herstellungs- und Entsorgungsprobleme bei der Produktion von Verpackungsmaterialien minimiert und kritische Bestandteile, die daraus auf Lebensmittel oder andere Füllgüter übergehen könnten, eliminiert werden.

Auch wenn der Bedarf an PVC-freien Lösungen für Metall-Vakuum-Verschlüsse schon lange vorhanden war und es im Hause schon umfangreiche Erfahrungen mit PVC-freien Materialentwicklungen gab, bestand die Herausforderung darin, eine solche Lösung für Twist-Off-Verschlüsse zu finden. Anders als bei PVC-freien Kronkorken oder Aluminiumverschlüssen hätten speziell für diese PVC-freien Verschlüsse neue Anlagen konzipiert werden müssen. Die klassischen PVC Plastisol-Maschinen waren für die neu entwickelten PVC-freien Materialien nicht geeignet. Spätestens hier war klar, dass die Entwicklung mit hohen Investitionen seitens der Verschlusshersteller verbunden sein würde und viele haben damals davon abgeraten. Das war eine der Hürden, die nicht die reine Produktentwicklung betraf, sondern das Umfeld, um überhaupt kommerziell erfolgreich sein zu können. Trotzdem war man sich sicher, dass das die Zukunftslösung ist. Gerade für den Bereich Lebensmittelkonserven, für den die Metall-Vakuum-Verschlüsse eingesetzt werden, war der Einsatz von PVC- und Weichmacher-freien Dichtungsmaterialien, aufgrund der Problematik Weichmachermigration in Lebensmittel von größter Bedeutung. Das spiegelte sich in der zunehmenden Verschärfung von EU- und Lebensmittelbedarfsgegenstände-Verordnung wider. Bedingt dadurch war klar, dass allein durch die Verschärfung der Migrationsgrenzen langfristig nur Weichmacher-freie Systeme Erfolg haben werden. Unabdingbar war somit der Schutz der Provalin-Technologie durch die Patentanmeldung, die 2007 eingereicht wurde.

Kooperation mit Initialpartnern

Mit einem interessierten Kunden – Pano – und einem Abnehmer – Dittmann – lag eine perfekte Kombination zugrunde, wie sie für die Einführung neuer Produkte notwendig ist. Auf der einen Seite das Know-how und die benötigten Anlagen in der Verschlussherstellung, auf der anderen die Markenartiklersicht. Mit diesen Initiativpartnern gab es den benötigten Technologieschub und Marketpull, um so eine langwierige und komplexe Entwicklung zu einem dauerhaften und nachhaltigen Erfolg zu führen. Auch die Zusammenarbeit mit Actega, Grevenbroich hat dazu beigetragen. Denn ein Twist-Off-Verschluss besteht nicht nur aus der Metallhülle und dem Dichtungsmaterial, sondern u.a. auch aus Haft-Innenlacken und Außenlacken. Es musste erst einmal mit vielen Rohstoffen getestet werden, wie sich die Lacksysteme zueinander verhalten. Und es galt auch, BPA-freie Materialien zu entwickeln. Eine weitere Herausforderung, insbesondere hinsichtlich der Resistenz gegenüber sauren Füllgütern. Heute stehen diese BPA-freien Haftlacke zur Verfügung.

Die entwickelten Materialrezepturen müssen umfangreich u.a. hinsichtlich ihrer Verarbeitbarkeit und Funktionalität getestet und überprüft werden. Da stand anfänglich nur eine Labormaschine zur Verfügung, die den Compound vollflächig (heute Ringliner-Technologie) in leere Shells einklebte, die anschließend zum Anrollen an Pano und dann wieder zurück geschickt wurden. Mit der Entwicklung eines Handtools konnten diese langwierigen Entwicklungswege etwas abgekürzt werden, waren jedoch noch nicht optimal. Heute kann sich das Actega Team auf eine neue Sacmi-Anlage freuen, die noch in 2021 zur Verfügung stehen wird. Das ermöglicht es, noch schneller, effektiver und zielgerichteter auf die Marktbedürfnisse zu reagieren. Außerdem stehen komplette Dampf-Vakuum-Verschließmaschinen und Pasteurisationskammern zur Verfügung, um den gesamten Prozess der Verschlussherstellung über das Abfüllen, Verschließen und Wärmebehandeln abbilden zu können. Das ermöglicht, auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, die PVC-freien Dichtungen der jeweiligen gesetzgeberischen oder Marktlage noch schneller anzupassen. Die großen Investitionen und damit der Aufbau des umfangreichen Know-hows, das sich in innovative Produkte und besten Kundenservice umsetzen lässt, sind die Schlüssel für langfristigen Erfolg.

Ölhaltige Produkte machen den Anfang

Der erste Einsatzbereich waren ölhaltige Produkte im Feinkostbereich, z.B. Peperoni in Öl. Ein Nischenstart quasi. Bald kamen auch kalt abgefüllte Produkte hinzu, wie z.B. Käsewürfel in Öl. Das stellte noch einmal eine neue Herausforderung dar, weil eben in der Kälte abgefüllt. Es musste ein neuer Compound, der dicht bleibt und nach der Lagerung im Kühlschrank leicht zu öffnen ist, für diese Anwendung entwickelt werden. Auch die Frage nach Sterilisation kam schon früh auf, die man z.B. für Oliven, klassische Würstchen etc. benötigt. Das wiederum rückte die Frage der Stapelfähigkeit der Gläser in den Fokus. Fragen nach den Verschließergebnissen auf schnell laufenden Anlagen mussten ebenso eine Antwort finden, wie die nach besonders weichen Materialien, die weniger Dampf benötigen und trotzdem gleichwertig verschließen. Andere Anforderungen, die aus dem Markt aufkommen, werden nach intensiver Prüfung in Optimierung umgesetzt. So ist bereits das vorhandene Portfolio stets verbessert worden und wird auch weiter optimiert werden.

Was als Nischenprodukt begann, ist heute aus dem Markt nicht mehr wegzudenken. Aber der Markt steht nicht still. Es können ständig neue Herausforderungen auftreten. Z.B. vonseiten der Abfüllindustrie, wo etwa das Thema Sterilisation schon seit einiger Zeit in der Diskussion steht, nämlich die Temperatur zu erhöhen, um die Sterilisationszeit zu verkürzen. Oder von gesetzgeberischer Seite, wenn z.B. Materialien wie Additive im Lebensmittelkontakt von FDA oder EU neu bewertet werden oder sich Migrationsgrenzen verschieben. Oder das Glas, das derzeit seine Renaissance erfährt, wird zukünftig durch Gefäße aus PET oder Polycarbonat ersetzt.  Das alles sind Schlüsselreize für Innovationen, für Neuentwicklungen, die dem Abfüller Benefits geben, wie bessere Handhabbarkeit, breitere Einsatzmöglichkeiten, die Elimination von Fragezeichen, das Regulatorische betreffend, und vieles mehr.

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