Corona-Impfstoffproduktion
Verschlussstopfen für Impfampullen

28.01.2021 Sie sind genauso wichtig wie die Glasampullen. Doch wie werden Verschlusstopfen eigentlich gefertigt? Und was müssen sie können? Der pfälzischer Maschinenbauer Wickert hat die Antworten.

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Keine Corona-Impfung ohne Verschlussstopfen, die die hochreinen Ampullen steril verschließen und überwiegend auf Pharmapressen des pfälzischen Maschinenbauers Wickert gefertigt werden. Mittlerweile sind die ersten Anlagen im Einsatz und arbeiten auf Hochtouren.

Bereits im Frühjahr 2020 hat der Hidden Champion aus Landau einen Großauftrag von Zulieferern der Pharmaindustrie bekommen. Innerhalb weniger Monate sollen mehrere Milliarden Impfampullen produziert werden. Jede Wickert-Presse vom Typ WKP 10.000 S kann mit einem Pressenhub bis zu 2.000 Verschlussstopfen herstellen.

Um die Lieferzeiten zu verkürzen, arbeitet der Maschinenbauer seit Monaten unter Hochdruck. Hierzu hat er die Produktion beschleunigt und die ersten acht Pressen auf Kundenwunsch mit der Antonov 124, einem der größten Transportflugzeuge der Welt, an die verschiedenen Produktionsstandorte fliegen lassen. Alle acht Pressen produzieren inzwischen unter voller Auslastung pharmazeutische Verschlussstopfen.

Momentan werden weitere Pharmapressen unter hohem Zeitdruck gefertigt, um die große Nachfrage nach Verschlüssen für Impfampullen bedienen zu können.

Lieferzeit von zehn auf sechs Monate verkürzt

Wickert ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Reinraum- und Pharmapressen und einer der großen Arbeitgeber in der Südpfalz. Neben Verschlussstopfen werden auf seinen Pharmapressen unter anderem Spritzenkolben für Einwegspritzen und Nadelschutzkappen hergestellt.

„Ohne unsere Pressen kann der Impfstoff nicht abgefüllt werden. Deswegen geben unsere Mitarbeiter seit Monaten ihr Bestes, damit baldmöglichst viele Menschen einen wirksamen und sauber verschlossenen Impfstoff bekommen. Fachkräfte-Teams haben regelmäßig Zusatzschichten am Wochenende eingelegt“, sagt Hans-Joachim Wickert, Geschäftsführer der Wickert Maschinenbau GmbH.

Damit das lebensrettende Medikament zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie möglichst schnell hergestellt werden kann, hat der Maschinenbauer seine Produktionsabläufe umgestellt. Dadurch konnte er die Lieferzeit der jeweils 45 Tonnen schweren Pharmapressen von zehn auf sechs Monate verkürzen. Weitere 25 Tage Einsparung brachte bei Kunden aus Übersee oder Asien der Transport per Flugzeug statt mit Schiff.

Verschlussstopfen werden im Reinraum gefertigt

Auf den Wickert-Pharmapressen werden die Verschlussstopfen unter Reinraumbedingungen gefertigt. Dabei sind strengste Anforderungen an die Sauberkeit einzuhalten, erklärt der Geschäftsführer: „Schon Partikel mit einer Größe von 3,0 Mikrometer, also 0,003 Millimeter, gelten als Verschmutzung.“ Zum Vergleich: Ein feines menschliches Kopfhaar ist mit 0,03 Millimetern etwa zehn Mal so dick.

Auf den Wickert-Pharmapressen werden die Verschlussstopfen unter Reinraumbedingungen gefertigt. © Foto: Wickert
Auf den Wickert-Pharmapressen werden die Verschlussstopfen unter Reinraumbedingungen gefertigt.

Gummistopfen, die zur Verpackung von Impfstoffen eingesetzt werden, benötigen eine Zulassung der zuständigen Behörden. Denn damit sie Milliarden von Impfampullen gleichermaßen sicher schließen, müssen sie über spezifische Eigenschaften verfügen. Zudem sollen sie den Impfstoff bei hohen Plusgraden genauso zuverlässig abdichten wie bei extremen Minusgraden. All diese Anforderungen erfüllen die Verschlüsse, die auf Maschinen aus Landau produziert werden, unterstreicht Geschäftsführer Hans-Joachim Wickert. „Wickert-Pressen sind für die Fertigung von Verschlussstopfen für den Corona-Impfstoff unverzichtbar.“

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