Ökobilanz von Plastiktüten
„Dieser moderne Mythos hält sich allen Studien zum Trotz“

15.09.2021 Das Verkaufsverbot von Kunststofftüten tritt zum 1. Januar 2022 in Kraft. Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen kritisierte im November 2019 diesen Beschluss des Bundeskabinetts scharf. Corona, verändertes Einkaufsverhalten, der Siegeszug der Lieferdienste – wie bewertet die IK das Verbot heute?

IK: „EU-Verbots-Politik und Plastiksteuer-Fantasien kontraproduktiv.“
© Foto: IMAGO / blickwinkel
IK: „EU-Verbots-Politik und Plastiksteuer-Fantasien kontraproduktiv.“

Die Antwort der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, Bad Homburg, auf die Anfrage des packREPORT lautet wie folgt:

„Unsere gemeinsamen Anstrengungen müssen der Klimaschutz und dem 1,5 Grad Ziel gelten. Als kontraproduktiv erweisen sich in diesem Zusammenhang jedoch die EU-Verbots-Politik und Plastiksteuer-Fantasien. Sie befördern das aus der Zeit gefallene Plastikbashing und leisten beispielsweise schlecht bis gar nicht recyclingfähigen Papier-Kunststoffverbunden einen Vorschub. Am Beispiel der Plastiktüte ist das gut nachzuzeichnen: Sie schont viel mehr Ressourcen als gedacht, ihre Ökobilanz ist der von Vergleichsmaterialien weit überlegen. Trotzdem glauben so viele Leute, sie würden grün handeln, wenn sie eine braune Papiertüte wählen. Dieser moderne Mythos hält sich allen Studien zum Trotz. Unser Konsum wird also nicht automatisch nachhaltiger, wenn wir auf Plastikverpackungen verzichten, oft ist sogar das Gegenteil der Fall.

In der Corona-Pandemie und vor allem während der Lockdown-Phasen haben die Menschen die Funktionen von Kunststoffverpackungen übrigens stärker wahrgenommen und auch wertgeschätzt. Für die Gastronomie war das Liefergeschäft ein rettender, zum Glück nicht verbotener Strohhalm. Versorgung, Produkt- und Verbraucherschutz brauchen Verpackungen. Fakten zählen. Das alles wissen die Menschen nun wieder mehr zu schätzen. Hoffentlich erinnern sie sich daran, wenn die Pandemie überstanden ist.“


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