Etiketten
„Verknappung überall in historischer Dimension“

24.11.2021 Klemens Ehrlitzer, Geschäftsführer des Verbandes der Hersteller selbstklebender Etiketten und Schmalbahnconverter (VskE), ist ein Mann, der seine Worte sehr genau abwägt. Der nachdenkt, bevor er redet. Und dem man gerade deshalb gerne und aufmerksam zuhört. Was Ehrlitzer zum Corona-Jahr 2021, dem Knick von 2020, der Gesamtlage der Etikettendrucker, den Kostensteigerungen, Preisen und ganz vielen anderen Themen zu sagen hat, das lesen Sie exklusiv nur bei uns.

VskE-Geschäftsführer Klemens Ehrlitzer
© Foto: VskE
VskE-Geschäftsführer Klemens Ehrlitzer

Statement VskE-Geschäftsführer Klemens Ehrlitzer:

„Zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 stellten sich viele unserer Mitgliedsunternehmen die Frage: Dürfen wir überhaupt noch weiterproduzieren? Dann haben sich bekanntlich mehrere Branchenverbände zusammengetan und an die Bundesministerien geschrieben und gesagt: ‚Ohne Verpackungen und ohne Etiketten, da können wir allesamt einpacken und die Supermärkte etc. dicht machen!‘ Bei diesem Appell war auch der VskE mit dabei. Die ganze Logistik funktioniert ja ohne Informationsetiketten nicht. Der ganze Versandhandel funktioniert ja ohne Etiketten nicht. Oder denken Sie nur an medizinische Geräte! Als das seitens der politischen Entscheidungsträger anerkannt wurde, lief es eigentlich relativ gut. Mir ist nicht bekannt, dass irgendeine Produktion eines Etikettendruckbetriebes aufgrund von Corona geschlossen werden musste. 2021 ließ sich den Umständen entsprechend gut an. Insgesamt hat die weltweite Etikettenindustrie auch zugelegt. Nach dem Knick von 2020 war 2021 für die meisten Etikettendrucker ein vergleichsweise gutes Jahr. Der Vorteil ist oftmals, dass die meisten Unternehmen ein sehr breites Portfolio haben, das sich über verschiedene Marktsegmente erstreckt. Wenn es also in Automotive oder Office Products nicht lief, konnte man das z.B. über Food oder Pharma ausgleichen. Mit der Auftragslage in Summe waren die meisten Unternehmen zufrieden.

Ein riesiges Problem sind nach wie vor die hohen Kostensteigerungen. Da die gesamte Industrie seit Anfang 2021 davon betroffen ist, müssen wir nicht mehr erklären, wo die Ursachen liegen. Teilweise noch dramatischer als die Kostensteigerungen bei den Rohstoffen ist die Verfügbarkeit. Oft ist es schwierig, überhaupt Material mit akzeptablen Lieferzeiten zu bekommen. Das geht querbeet durch alle Materialfraktionen und betrifft PE- und PP-Etiketten genauso wie Papieretiketten. Aber auch Basischemikalien z.B. für Druckfarben. Wenn Sie so wollen Verknappung überall in historischer Dimension.

Die meisten Etikettendrucker erklären, dass sie in der Folge ihre Preise anheben konnten. Ob das zur kompletten Kompensation ausreicht, ist aber eher unwahrscheinlich. Manche Produkte wurden pro Quartal über sieben Prozent teurer. Das ist schon extrem.

Diese Situation wird sich auch zu Beginn 2022 nicht komplett entschärfen, auch wenn die ganz großen Spitzen möglicherweise durch sind. Eventuell wird es sich Mitte 2022 entspannen, wenn in manchen Bereichen der Lieferkette neue Produktionskapazitäten zum Tragen kommen, welche die Verfügbarkeit verbessern sollten. Und das sollte auch Auswirkungen auf die Preise haben.“



 

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