RePack-Mehrwegversandtasche
Teststart vor einem Jahr – eine Bilanz

16.08.2021 Wie ist die Akzeptanz bei den Kund*innen? Schicken sie die Tasche zurück? Und wären die Empfänger*innen sogar bereit, dafür einen Aufpreis zu zahlen?

Tchibo-Onlineshop: „Hohes Interesse am Thema Mehrwegverpackung.“
© Foto: Screenshot tchibo.de
Tchibo-Onlineshop: „Hohes Interesse am Thema Mehrwegverpackung.“

Im August 2020 hat der Versandhändler Tchibo, Hamburg, erstmals nachhaltige Versandtaschen verschickt – alles im Rahmen des dreijährigen praxPACK-Forschungsprojektes. 7.500 RePack-Versandtaschen landeten bei den Tchibo-Kund*innen, die vorher nichts davon wussten.

Die RePack-Mehrwegversandtasche besteht aus recyceltem Kunststoff, kann vom Kunden auf Briefgröße zusammengefaltet und über die Post frei zurückgesendet werden. Dadurch ist sie 20 Mal und öfters im Umlauf. RePack übernahm für Tchibo die Rückführungslogistik, den Reinigungs- und Aufbereitungsservice – außer bei Retouren. Diese gingen direkt an Tchibo zurück.

Bei dem Test ging es Tchibo um folgende Fragen: Wie können wiederverwendbare Versandtaschen in die eigene Logistik eingeführt werden? Sind sie praktikabel? Wie ist die Akzeptanz bei den Kund*innen? Schicken sie die Tasche zurück? Und wären die Empfänger*innen sogar bereit, dafür einen Aufpreis zu zahlen?

Tchibo hat im vergangenen Sommer eigenen Angaben zufolge hauptsächlich Versandaufträge für Textilien innerhalb Deutschlands mit RePack-Mehrwegtaschen verschickt. Die Kund*innen wurden dabei nach einem Zufallsprinzip ausgesucht. Eine parallele Kundenbefragung fand zeitgleich statt.

Von den 7500 verschickten Mehrwegtaschen kamen 6.073 zurück. Die meisten über den Briefkasten, einige über die Warenretoure. 1.427 Tüten sind demnach „verschwunden“. Dennoch: 81 % aller Tüten sind zurückgekommen – „das ist ein sehr positives Ergebnis“, so Tchibo.

Weitere Erkenntnisse:

Tütenpfand: 86 % der Befragten wären dazu bereit, ein Pfand von drei bis fünf Euro zu hinterlegen. Die Kund*innen würden ihr Geld bei der Tütenrückgabe zurückerhalten.

Mehrkosten: 63 % der Kund*innen würden sich an den Mehrkosten beteiligen. Hierbei wären die Kund*innen am ehesten bereit, zwischen 50 Cent und einem Euro zu bezahlen.

Aktuell erklärt dazu Sandra Coy, Sprecherin Unternehmensverantwortung der Tchibo GmbH, gegenüber Packreport:

„Der Test im vergangenen Jahr zeigte das hohe Interesse am Thema Mehrwegverpackung. Und wie viel Potenzial eine Mehrweglösung für den Versandhandel hat, den Verpackungsmüll zu reduzieren und Ressourcen zu schonen. Allerdings wurden auch einige Hindernisse deutlich. Besonders herausfordernd ist die Rückführlogistik der Tüten, die im Pilotprojekt noch nicht effizient genug war. Diese und weitere Themen, wie etwa die Standardisierung des Mehrwegsystems, werden seit April 2021 in einer Arbeitsgruppe aus unterschiedlichen Unternehmensvertretern und Experten (GS1) erarbeitet. Dabei verfolgen wir das Ziel eines Branchenstandards für den Mehrwegversand im Onlinehandel, um so den Einsatz einer Mehrwegtüte aufgrund breiterer Anwendung wirtschaftlich möglich zu machen. Denn nur durch Skalierung ist eine kosteneffiziente Durchführung möglich.“


stats