Peter Lamboy
„Das ist meines Erachtens rein für das Marketing“

04.10.2021 Peter Lamboy ist ein Verpackungs-Fachmann. Ein Experte mit jahrzehntelanger Branchen-Erfahrung. Der Geschäftsführer des Bundes Deutscher Verpackungsingenieure e.V. (bdvi) war auch in Nürnberg auf der Fachpack unterwegs, unter anderem anlässlich der dort stattfindenden bdvi-Mitgliederversammlung. Wir haben mit ihm gesprochen – über Biokunststoffe, Greenwashing und das akute Bedürfnis, sich zu vernetzen.

Peter Lamboy
© Foto: Matthias Laux
Peter Lamboy

Peter Lamboy über…

…die bdvi-Mitgliederversammlung 2021: „Wir haben natürlich alle das Bedürfnis, uns wieder in der ‚echten Welt‘ von Angesicht zu Angesicht zu treffen, man hört und sieht es an ganz vielen Reaktionen. Hier auf der Messe ist es eigentlich voll wie immer. Wir als bdvi haben die Corona-Zeit sehr gut überbrückt, haben sehr viel Engagement in Sachen Online-Seminare registriert. In den vergangenen zwölf Monaten hatten wir ca. 20 Seminare, die allesamt gut besucht waren. Ungewöhnlich: Wir haben in diesem Jahr den größten Mitgliederzuwachs, über 30 neue Mitglieder. Die Leute haben einfach das Bedürfnis, sich zu vernetzen. Das zeigt sich meines Erachtens deutlich. Wir wollen die Online-Formate in gewisser Form auch beibehalten. Wir haben einfach gespürt: Das kommt an.“

…die sich wandelnden Anforderungen an seinen Berufsstand: „Nun, ich kann auf rund 40 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Am Anfang spielte die Sicherheit des Produktes, die Schönheit der Verpackung eine sehr große Rolle. So einen Umwelthype gab es immer mal wieder. Sie erinnern sich vielleicht an den Anfang der 90er Jahre und die FCKW-Diskussion. Das waren zum Teil Greenwashing-Debatten. Heute ist es ernster. ‚Grüne‘ Verpackungsentwicklung funktioniert nur, wenn die Geschäftsführung das tatsächlich will, also nur von oben nach unten. Der Konsument spielt aus meiner Sicht eher die untergeordnete Rolle. Natürlich darf man bei alldem nicht vergessen, dass die Stabilität des Produktes nach wie vor an erster Stelle steht. Das geht oft unter.“

…den Status quo in Sachen Verpackungsentwicklung: „Es muss heute sehr stark drauf geachtet werden, dass es kein Greenwashing ist. Es wird mit der Lügerei aufhören, da bin ich sicher. Es wird immer wichtiger werden: Was ist wie recyclebar? Oder sieht es nur recyclebar aus? Die ganzen ökologischen Materialien, die biologisch abbaubar sein sollen, werden verlieren. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wo Papier ersetzbar ist. So sehe ich das. Papier hat nach wie vor ein sehr gutes Image. Es ist in Sachen Entsorgung kein Problem. Dies ist seit Jahrzehnten bekannt und erlernt. Bio-Kunststoffe, oder bio-basierte Kunststoffe, das ist meines Erachtens rein für das Marketing. Die fallen durch das Raster, was die Bewertungen hergeben im Recyclingbereich. Das gewinnt keinen Blumentopf.“


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