Dätwyler
Investiert in neue Produktionsanlagen

17.08.2021 Im Vergleich zur pandemiegeplagten Vorjahresperiode verzeichnete Dätwyler im ersten Halbjahr 2021 im weitergeführten Geschäft ein dynamisches Umsatzwachstum von 20.8 % auf CHF 590.0 Mio. (Vorjahr CHF 488.6 Mio.).

Der Hauptsitz des Geschäftsbereichs Industrial Solutions.
© Foto: Dätwyler Holding AG
Der Hauptsitz des Geschäftsbereichs Industrial Solutions.

Der Währungseinfluss war nahezu vernachlässigbar. Der Schweizer Konzern konnte beinahe in allen bearbeiteten Märkten ein zum Teil deutlich zweistelliges Umsatzwachstum erzielen. Dank der guten Auslastung und einem strikten Kostenmanagement hat das Betriebsergebnis (EBIT) überproportional um 53.3 % auf CHF 98.9 Mio. (Vorjahr CHF 64.5 Mio.) zugenommen. Entsprechend verbesserte sich die EBIT-Marge um mehr als drei Prozentpunkte auf 16.8 % (Vorjahr 13.2 %). Das Nettoergebnis stieg um 71.3% auf CHF 74.5 Mio. (Vorjahr CHF 43.5 Mio.). Aufgrund der einmaligen negativen Corona-Effekte im ersten Halbjahr 2020 lohnt sich dieses Jahr ein Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2019 und dem zweiten Halbjahr 2020. Unter Berücksichtigung des weitergeführten Geschäfts zeigt der Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2019, dass Dätwyler beim Umsatz und beim Ertrag bereits wieder um 8.0 % respektive um 7.4 % über dem Vor-Pandemie-Niveau liegt. Im Vergleich mit dem zweiten Halbjahr 2020 vermochte das Unternehmen das Umsatzwachstum zu beschleunigen und die Marge zu verbessern. Dabei haben die Business Areas Healthcare Solutions und Industrial Solutions im ersten Halbjahr 2021 eine kombinierte EBIT-Marge von 18.3 % erarbeitet. Mit diesem Wert hat das Kerngeschäft die Ertragskraft des früheren Konzernbereichs Sealing Solutions bereits nahezu wieder erreicht.

Healthcare Solutions steigert EBIT um über 50 Prozent

In der Business Area Healthcare Solutions unterstützt Dätwyler die führenden Impfstoffhersteller in der Bereitstellung von Covid-19-Impfstoffen. Unter anderem werden BioNTech und das Serum Institute of India mit systemkritischen Elastomerkomponenten beliefert. Gestützt durch die zusätzliche Covid-19-Nachfrage hat der Umsatz um 18.7 % auf CHF 238.7 Mio. (Vorjahr CHF 201.1 Mio.) zugenommen. Der Währungseinfluss war vernachlässigbar. Auch im Kerngeschäft für systemkritische Komponenten für hochwertige injizierbare Medikamente verzeichnete Dätwyler ein starkes organisches Wachstum. Durch die neu lancierten NeoFlex-Komponenten konnte das Unternehmen neue Kunden und Medikamentenprojekte akquirieren, was die Basis für langfristiges Umsatzwachstum darstellen wird. Zudem vermochte Dätwyler durch ihre Beteiligung an Covid-19-Impfstoffprojekten ihre Kundenbasis zu erweitern. Dank der hohen Auslastung vermochte Healthcare Solutions das Betriebsergebnis (EBIT) um 60.3 % auf CHF 56.9 Mio. (Vorjahr CHF 35.5 Mio.) zu steigern. Die EBIT-Marge verbesserte sich um rund einen Drittel auf 23.8% (Vorjahr 17.7 %). Dazu beigetragen hat unter anderem eine positive Veränderung des Produktmix mit einem höheren Anteil von margenstarken beschichteten Komponenten aus der FirstLine-Fertigung.

Um zukünftige Kapazitätsengpässe zu vermeiden und die Lieferfähigkeit aufrecht zu erhalten, investiert Dätwyler weiter in den Ausbau der Produktionskapazitäten. Im Verlauf von 2021 fließen CHF 75 Mio. bis CHF 85 Mio. in zusätzliche Produktionsanlagen in den bestehenden sieben Healthcare-Werken auf drei Kontinenten sowie in die zweite Produktionshalle am bestehenden Standort in Indien. Neben dem Ausbau der eigenen Kapazitäten führt die beschränkte Verfügbarkeit von globalen Logistikkapazitäten zu zusätzlichen Herausforderungen. Die Beschaffung der Rohmaterialien verlangt nach erhöhter Aufmerksamkeit, sollte aber sichergestellt sein.

Industrial Solutions mit deutlicher Erholung

Die Business Area Industrial Solutions verzeichnete im ersten Halbjahr 2021 eine deutliche Nachfrageerholung. Der Umsatz des weitergeführten Geschäfts (ohne Civil Engineering) stieg um 23.9 % auf CHF 249.3 Mio. (Vorjahr CHF 201.2 Mio.). Währungsbereinigt entspricht dies einem Wachstum von 23.2 %. Dank der verbesserten Auslastung und dem konsequenten Kostenmanagement stieg das Betriebsergebnis (EBIT) um 50.5 % auf CHF 31.9 Mio. (Vorjahr CHF 21.2 Mio.). Entsprechend verbesserte sich die EBIT-Marge auf 12.8 % (Vorjahr 10.5 %). Insgesamt liegt der Umsatz von Industrial Solutions noch 4.7 % und der EBIT noch 22.2 % unter dem Vor-Pandemie-Niveau von 2019. Insbesondere in den Business Units Mobility und General Industry haben sich die Marktverhältnisse im Vergleich zur pandemiegeplagten Vorjahresperiode wieder mehr oder weniger normalisiert. Allerdings wirkt sich in der Automobilindustrie die allgemeine Verknappung von IT-Komponenten negativ auf die weltweite Produktionstätigkeit aus, was auch die Entwicklung des Dätwyler Mobility-Umsatzes dämpft. Entsprechend liegt der Mobility-Umsatz noch rund 10 % unter dem Vor-Pandemie-Niveau von 2019. Mit dem Transfer der Flüssigsilikon-Produktionstechnologie in die Werke in Mexiko und China etabliert Dätwyler eine globale Produktionsbasis für anspruchsvolle Mehrkomponententeile, welche insbesondere in Elektrofahrzeugen eingesetzt werden. Zudem rüstet das Unternehmen das chinesische Werk mit der Spritzgusstechnologie der nächsten Generation auf.

In der Business Unit Food & Beverage haben der neue Zehnjahresvertrag mit Nespresso und die Belieferung weiterer Kunden das Umsatzwachstum beschleunigt. Der veränderte Produktmix hat wie angekündigt einen negativen Einfluss auf die Marge. Aufgrund der hohen Auftragsbestände in der Business Unit Food & Beverage investiert Dätwyler im Verlauf von 2021 voraussichtlich rund CHF 30 Mio. in neue Produktionsanlagen und in die Automatisierung im Schweizer Werk. Zur Verschlankung der Organisation hat Dätwyler in der Business Area Industrial Solutions die Strukturen weiter optimiert. Unter anderem ist die Business Unit Oil & Gas neu Bestandteil der Business Unit General Industry.

Onlinedistributor Reichelt mit starkem Wachstum

Der Onlinedistributor Reichelt hat auch im ersten Halbjahr 2021 vom beschleunigten Trend zum Onlineeinkauf und vom Zusatzbedarf nach elektronischen Geräten im Home-Office und im Home-Schooling profitiert. Der Umsatz erhöhte sich um 17.2 % auf CHF 105.0 Mio. (Vorjahr CHF 89.6 Mio.). Bereinigt um die Währungseinflüsse ergibt dies ein Wachstum von 14.0 %. Im Verlauf der Berichtsperiode verzeichnete Reichelt ein verlangsamtes Wachstum im Business-to-Consumer-Segment und ein verstärktes Wachstum im Business-to-Business-Segment. Durch die sehr hohe Auslastung und die operative Hebelwirkung nahm das Betriebsergebnis (EBIT) um 36.5 % auf CHF 10.1 Mio. zu (Vorjahr CHF 7.4 Mio.). Die EBIT-Marge verbesserte sich weiter auf 9.6 % (Vorjahr 8.3 %). Reichelt hat in den letzten fünf Jahren die verfügbaren Produkte mehr als verdoppelt und den überdurchschnittlich wachsenden Umsatzanteil außerhalb von Deutschland auf knapp 20 % erhöht. Um die Kunden auch in Zukunft mit kurzen Lieferzeiten zu bedienen, verdoppelt Reichelt mit einem neuen Versandzentrum für rund CHF 10 Mio. die Logistikkapazitäten. Die Inbetriebnahme ist im Verlauf von 2023 vorgesehen.

Optimistischer Ausblick – erhöhte Prognosen

Durch die Pandemie ist der Ausblick unverändert mit Unsicherheiten behaftet. Dank des weltweiten Impffortschritts geht Dätwyler aber davon aus, dass die Rahmenbedingungen in den relevanten Märkten mehrheitlich stabil bleiben. Der Auftragsbestand im Healthcare- und im Food & Beverage Geschäft ist unverändert hoch. Für General Industry ist Dätwyler zuversichtlich, dass die Erholung der Märkte anhalten wird. Die kurzfristige Entwicklung in der Business Unit Mobility hängt wesentlich davon ab, wie sich die allgemeine Verknappung von Elektronikkomponenten auf die Zahl der weltweit produzierten Fahrzeuge auswirkt. Eine zusätzliche Unsicherheit ergibt sich aus der zunehmend schwierigen Beschaffungssituation für gewisse Rohmaterialien in den Business Units Mobility und General Industry. Die steigenden Preise für Rohmaterialien können durch Preisklauseln in den Verträgen in den meisten Fällen mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung an die Kunden weitergegeben werden. Beim Onlinedistributor Reichelt könnte die Bauteileverknappung das sehr hohe Wachstum dämpfen. Dank ihrem attraktiven Preis-Leistungs-Versprechen verfügt Reichelt aber langfristig über eine sehr starke Marktposition. Vor diesem Hintergrund ist Dätwyler zuversichtlich, dass sie für das Gesamtjahr trotz saisonal schwächerem zweiten Halbjahr neu eine Umsatzsteigerung auf über CHF 1’150 Mio. (bisher CHF 1'100 Mio.) und eine EBIT-Marge von über 16 % (bisher 15 %) erreichen kann.



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