Ausweitung der Pfandpflicht
„Hat reibungslos geklappt“

02.03.2022 Zum Jahreswechsel wurde bekanntermaßen die Pfandpflicht für Einweggetränkeverpackungen – auf nahezu sämtliche Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff sowie auf sämtliche Getränkedosen – ausgeweitet. Der packREPORT wollte wissen: Hat alles geklappt? Wie ist es gelaufen? Wo gab es Probleme? Drei bedeutende Player der Branche ziehen exklusiv für uns ein Fazit.

Bisherige Ausnahmen von der Pfandpflicht fielen zum 1.1. weg.
© Foto: M. Laux
Bisherige Ausnahmen von der Pfandpflicht fielen zum 1.1. weg.

Statement Geschäftsführung DPG Deutsche Pfandsystem GmbH:

„Mit der Ausweitung der Pfandpflicht zum 1. Januar gab es keine Probleme: die DPG hat die neuen Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgreich informiert und eingebunden. Der Aufbau des DPG-Systems ist grundsätzlich für eine hohe Anzahl von Verpackungen ausgelegt, deshalb hat die Ausweitung in quantitativer Hinsicht reibungslos geklappt. Für die Qualität des Recyclings haben wir das bestehende System erweitert, um auch künftig die Voraussetzungen für hochwertige Rezyklate zu schaffen. Wir haben neue Materialarten, wie PET mit Nylon, das häufig für Saftflaschen genutzt wird, in unsere Stammdatenbank eingepflegt. Die Rücknahmeautomaten im Handel registrieren diese neuen Daten und ordnen sie den entleerten Verpackungen zu. Im weiteren Sammel- und Sortierprozess können sie nun sortenrein gesammelt, hochwertig recycelt und wieder dem Kreislauf zugeführt werden.

Die laut Studien erhobenen hohen Rücknahmequoten für Einweggetränkeverpackungen von rd. 98 Prozent sprechen dafür, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland mit dem Einwegpfandsystem der DPG gut vertraut sind und es akzeptieren. Natürlich tragen jetzt auch alle neu hinzugekommenen Verpackungen das DPG-Kennzeichen/Logo, damit sie gut und leicht für die Verbraucherinnen und Verbraucher erkennbar sind. Wir gehen deshalb davon aus, dass es bei hohen Rücklaufquoten bleibt und sich dadurch die Menge der Wertstoffe für die Kreislaufwirtschaft, welche über das DPG-System zugeführt werden, erhöht.“

 

Statement Joachim N. Amland, Geschäftsführer Tomra Systems GmbH:

„Die Ausweitung der Pfandpflicht ab dem 1. Januar 2022 und die damit verbundene Rücknahme der neuen Verpackungsarten ist aus der Sicht von Tomra reibungslos verlaufen. Im Vorfeld hatten wir in enger Abstimmung mit der DPG und unseren Handelspartnern die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen und uns technisch vorbereitet – zum Stichtag waren sämtliche Automaten unserer Kunden mit aktualisierter und bei Bedarf kundenindividueller Software ausgestattet. Für die neu hinzugekommenen pfandpflichtigen Gebinde ist somit seit der Umstellung die zuverlässige automatisierte Rücknahme gewährleistet.

Es hat uns besonders gefreut, dass viele Getränkehersteller und auch der Handel bereits deutlich vor dem Stichtag umgestellt hatten. So entstanden ab dem Stichtag in der Pfandrückgabe und beim weiteren Handling keine Probleme. Mit Sicherheit hat zur hohen Akzeptanz unter den Verbrauchern ebenfalls beigetragen, dass der Einzelhandel seine Kunden auf vielfältige Weise informiert und sein Personal entsprechend geschult hat. Insgesamt wird das dazu beitragen, dass noch weniger Abfälle in der Umwelt landen und signifikant mehr Wertstoffen dem Recycling zugeführt werden.“

 

Statement Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand, Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels:

„Als Branchenverband des Getränkefachgroßhandels unterstützen wir die im Verpackungsgesetz festgelegte Mehrweg-Zielquote von 70 Prozent und fordern deren konsequente Umsetzung. Dies insbesondere vor dem Hintergrund des in der Abfallrahmenrichtlinie festgelegten Prinzips der Abfallhierarchie: Wiederverwendung geht vor Wiederverwertung.

Wir begrüßen daher außerordentlich die Änderung des Verpackungsgesetzes mit der Ausweitung der Pfandpflicht bei den Einwegverpackungen. Allerdings ist die Novellierung des Verpackungsgesetzes aus unserer Sicht noch nicht weitreichend genug.

Die Einwegpfandpflicht sollte grundsätzlich alle Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff und Getränkedosen - vollkommen unabhängig vom Inhalt - einbeziehen und sich zukünftig auch auf Getränkekartons erstrecken.

Nur ein durch Bepfandung der Verpackung gestützter Wertstoffkreislauf sichert eine korrekte Entsorgung und Rückführung und bildet die Grundlage für ein bestmögliches Recycling. Das haben u.a. Hersteller und Vermarkter von Mineralwasser und Erfrischungsgetränken seit Einführung des Einwegpfandes für diese Produktenkategorien mehr als unter Beweis gestellt.

Insoweit stellt die aktuelle Ausweitung der Pfandpflicht die Branche auch nicht vor unlösbare Herausforderungen. Mit den entsprechenden Vorlaufzeiten kann und wurde diese problemlos umgesetzt.“

 

 


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