Glasverpackungen
„Es wird bei der Weinflaschenvielfalt Einschränkungen geben“

06.04.2022 „Von Kostensteigerungen bei Energie, Treibstoff, Flaschen, Kartonage ist derzeit aus der gesamten Weinbranche zu hören.“ Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut, Bodenheim, erklärt exklusiv gegenüber dem packREPORT, mit welchen Schwierigkeiten die Winzerinnen und Winzer aktuell zu kämpfen haben.

DWI: „Diese Preissteigerungen werden weitergegeben.“
© Foto: IMAGO / Sven Simon
DWI: „Diese Preissteigerungen werden weitergegeben.“

Statement Ernst Büscher, Deutsches Weininstitut (DWI), Bodenheim:

„Versorgungsengpässe in der Glasindustrie gibt es unter anderem aufgrund von Sanierungen oder auch der Aufgabe von großen Glasschmelzwannen. Mit dem Kriegsausbruch sind außerdem Glaslieferungen aus der Ukraine und Russland weggefallen. Die Coronapandemie hat zuletzt zusätzlich zu Personalengpässen und damit verbundenen Produktionseinschränkungen in den Glashütten geführt. Neben der Rohstoffknappheit treiben gestiegene Energiekosten die Preise in der extrem energieintensiven Glasherstellung. Diese Preissteigerungen werden von den Glasherstellern bzw. -lieferanten an die Weinbranche weitergegeben.

Viele Weinerzeuger haben aber auch aus dem Jahr 2019 gelernt, als es schon einmal ein größeres Versorgungsproblem mit Glasflaschen gab, das damals der großen Weinerntemenge des 2018er Jahrgangs geschuldet war. Sie bestellen und beziehen von daher ihre Flaschen mittlerweile sehr frühzeitig, weshalb nicht mit einer allgemeinen Weinknappheit zu rechnen ist. Wäre die Weinernte EU-weit in diesem Jahr aber nicht so gering ausgefallen, hätten wir hierzulande sicherlich eine noch verschärftere Situation.

Wo es in diesem Jahr sicherlich Einschränkungen geben wird, ist bei der Weinflaschenvielfalt. Sie ist in der Weinbranche traditionell sehr groß, wenn man nur an gängigsten Formen wie die Schlegel-, Burgunder-, Bordeaux- oder die Literflasche denkt, ohne die verschiedenen Farben. Von daher dürften es in diesem Jahr einige Weine in anderen Flaschen als üblich und vom Kunden gelernt geben.

Weinetiketten könnten das nächste große Problem werden. In Papierfabriken von Finnland, wo 80 Prozent des Papiers für europäischen Etiketten herkommt, wird seit Januar und bis mindestens noch zum 2. April gestreikt. Zudem haben auch einige französische Fabriken zuletzt die Produktion eingestellt. Dadurch kommt die Etikettenproduktion auch für Weinflaschen teilweise zum Erliegen oder sie verzögert sich um Wochen. Zudem geht diese Situation ebenfalls mit großen Preissteigerungen für Etiketten einher.

Durch die Engpässe in der globalen Fracht- und Logistikbranche steigen auch die Rohstoff- und Fracht-Preise in anderen Produktionsbereichen.

Die Mehrkosten werden teilweise, und soweit es die individuelle Vertriebsstruktur zulässt, über Preisanhebungen an die Kunden oder den Handel weitergeben.“





 

 

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