Anuga FoodTec 2022
„Verpackungen sind wohl oder übel kein reiner Selbstzweck“

25.04.2022 Der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir, besucht am morgigen Dienstag die Anuga FoodTec in Köln.

Dr. Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin.
© Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler
Dr. Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin.

Nach seiner Eröffnungsrede wird Özdemir im Rahmen eines Messerundgangs unter anderem verschiedenen Ständen von in der Verpackungsbranche bestens bekannten Unternehmen seine persönliche Aufwartung machen. Wir haben im Vorfeld der Anuga FoodTec einer engen Mitarbeiterin Özdemirs, Dr. Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), einige Fragen gestellt.

 

Frau Dr. Nick, auf der Anuga Foodtec ist das Segment Abfüll- und Verpackungstechnik traditionell sehr stark vertreten. Aus der Sicht Ihres Ministeriums: Wie ist im Jahr 2022 die Rolle der Verpackung bezüglich unserer Lebensmittel zu bewerten? Überspitzt gefragt: Warum ist die Verpackung mehr als ein „notwendiges Übel“?

Nick: „Verpackungen sind wohl oder übel kein reiner Selbstzweck: Sie schützen vor vorzeitigem Verderb und vor Krankheitserregern. Und zur Wahrheit gehört auch: Kleine Portionsgrößen sind bei Verbraucherinnen und Verbrauchern gefragt. Was zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung sinnvoll ist, ist mit Blick auf den Verpackungsmüll natürlich ein Problem. Diesen Zielkonflikt wollen und müssen wir im Sinne einer ressourcenschonenden Politik auflösen. Deshalb fördern wir verschiedene Forschungsprojekte, die Lösungen für eine nachhaltigere Lebensmittel-Verpackung, zum Beispiel aus Mikroalgen, erarbeiten.“

Die Verpackungsindustrie ist eine bedeutende Branche in Deutschland. Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf seitens der Unternehmen? Anders gefragt: Welche Aufgaben haben die Verpackungshersteller noch nicht hinreichend gelöst – was muss noch besser werden? Und: Wo haben die Verpackungsproduzenten ihre Hausaufgaben möglicherweise auch schon erledigt – und der Handel ist jetzt am Zug?

Nick: „Das Thema Verpackung, vor allem Verpackungsmüll ist in der Bevölkerung und auch in der Wirtschaft angekommen. Die Bilder von riesigen Plastikmüllteppichen im Meer sind erschreckend. Auch die Zahlen belegen den Handlungsbedarf: Das Aufkommen an Verpackungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Allein 2019 wurden in Deutschland knapp 19 Millionen Tonnen Verpackungen verbraucht. Pro Kopf entspricht dies mehr als 227 Kilogramm Verpackungsabfall pro Jahr.

Die Branche ist also gefordert: Wir brauchen umweltgerechte, innovative und ressourcensparende Lösungen für die Verpackung von Lebensmitteln.

Ganz entscheidend ist dabei, dass die Maßnahmen auf den einzelnen Stufen der Lebensmittelkette ineinandergreifen. Recycling muss zum Beispiel bereits bei der Herstellung der Verpackungen mitgedacht werden. Und am besten ist es, am Anfang der Abfallpyramide zu beginnen und auf Verpackungen zu verzichten – hier sind übrigens auch die Verbraucherinnen und Verbraucher gefragt, einen Beitrag zu leisten.“

Gerade in Corona-Zeiten (Stichwort: Hygiene!) erfuhr die Verpackung an sich von vielen Seiten eine ganz neue Wertschätzung. Teilen Sie diese Bewertung? Wir hören von vielen Marktteilnehmern: „Unverpackt ist keine Lösung.“ Wie stehen Sie dazu?

Nick: „Wie schon erwähnt ist eine der bisherigen, wesentlichen Aufgaben von Verpackung die Lebensmittelsicherheit. Niemand will ernsthaft, dass die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher gefährdet wird. Wir sehen aber an einem von unserem Ministerium geförderten Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau, dass das auch mit „Unverpackt“-Lösungen sichergestellt werden kann. Das Projekt hat einen Leitfaden für verpackungsfreie Supermärkte hervorgebracht. Und die Praxis zeigt: Einige Supermärkte wenden dieses Konzept bereits an – mit Erfolg. Ich würde mir wünschen, dass dieser Ansatz weiter Verbreitung findet.“






 

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