Nicht für Lebensmittel zugelassen
Krebserregende To-go-Verpackungen

02.08.2021 Bambusgeschirr steht bereits seit Längerem in der Kritik. Vor potenziell gesundheitsschädlichem Kunststoffgeschirr und To-go-Artikeln mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern warnen jetzt erneut der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sowie die Verbraucherzentralen.

Geschirr mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern erscheint auf den ersten Blick nachhaltig. Die Verpackungen mit dem grünen Image können jedoch krebsverdächtiges Formaldehyd freisetzen.
© Foto: Imago/Westend61
Geschirr mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern erscheint auf den ersten Blick nachhaltig. Die Verpackungen mit dem grünen Image können jedoch krebsverdächtiges Formaldehyd freisetzen.

Produkte mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern seien nicht für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen, würden aber trotzdem seit Jahren verkauft. Der VZBV und die Verbraucherzentralen fordern daher Behörden und Bundesregierung dazu auf, Verbraucher:innen bundesweit zu informieren und die Produkte zurückzurufen.

„Es ist ein Skandal, dass der Handel Verbraucherinnen und Verbrauchern weiterhin illegales und potenziell krebserregendes Plastik-Geschirr mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern anbietet“, sagt Klaus Müller, VZBV-Vorstand. Spätestens seit Juni 2020 sei der Bundesregierung und den Bundesländern bekannt, dass der Verkauf illegal sei. Bisher gebe es aber weder einen bundesweiten Rückruf der betroffenen Produkte noch klare öffentliche Informationen dazu. „Das ist ein Versäumnis, das die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbrauchern gefährdet“, so Müller.

Verkauf von Kunststoff-Bambus-Geschirr ist illegal

Laut VZBV besteht vermeintlich nachhaltiges Geschirr neben Bambus und anderen Naturmaterialien häufig auch aus Kunststoffen. Ob es sich um reine Naturmaterialien oder Kunststoffgemische handele, könnten Verbraucher:innen oft nicht erkennen.

Von Kunststoffprodukten, denen Bambusfasern zugesetzt werden, sei bekannt, dass sie beim Kontakt mit heißen Getränken und Speisen potenziell krebserregendes Formaldehyd abgeben könnten, so der VZBV. Das Bundesinstitut für Risikobewertung habe Geschirr aus Kunststoff und Bambus deshalb als nicht geeignet für den Kontakt mit heißen Speisen und Getränken eingestuft.

Untersuchungsämter wie das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Stuttgart berichten seit dem Jahr 2014 außerdem regelmäßig über bedenkliche Grenzwertüberschreitungen in Bambus-Kunststoff-Geschirr. Vereinzelt wurden Produkte bereits vom Markt genommen. Allerdings würden die Ressourcen der amtlichen Lebensmittelüberwachung nicht ausreichen, um die Vielzahl an Produkten zu untersuchen und vom Markt zu nehmen, so der VZBV Die Verbraucherzentralen fordern deshalb seit Jahren ein Verbot der gesamten Produktgruppe.

Im Juni 2020 hat eine Expertengruppe der Europäischen Kommission Bambus und andere natürliche Materialien in Kunststoffgeschirr für nicht verkehrsfähig erklärt, unabhängig vom Vorliegen gemessener Grenzwertüberschreitungen. Das bedeutet, dass diese Produkte nicht in den Umlauf gebracht werden dürfen. Ausschließlich dafür zugelassene Stoffe dürfen Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoffen zugesetzt werden. Nur dann könnten Verbraucher:innen davon ausgehen, dass die Produkte grundsätzlich sicher seien und eine Risikoüberprüfung stattgefunden habe, so der VZBV. Eine solche Zulassung lag für Bambus und andere natürliche Materialien nie vor. Produkte aus reinem Bambusmaterial sind hingegen weiterhin zulässig.

Erst Ende des Jahres 2020 haben die meisten Überwachungsbehörden laut VZBV begonnen, die Produktgruppe vom Markt zu nehmen. Umfassend und vollständig sei das bisher nicht erfolgt. Insbesondere im Online-Handel sei weiterhin Kunststoffgeschirr mit Naturfasern erhältlich. 

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