Kunststofffreie Alternativen
Schadstoffe in Verpackungen von To-Go-Produkten

28.06.2021 Ab dem 3. Juli sind viele Einwegprodukte aus Kunststoff in der EU verboten. Doch die Alternativen scheinen nicht besser: Gesundheitlich bedenkliche Schadstoffe ließen sich in Einweggeschirr aus Pappe, Zuckerrohr oder Palmenblättern nachweisen. Dies teilte der Bundesverband der Verbraucherzentrale (VZBV) mit.

Auch die Alternativen zum Einweggeschirr aus Kunststoff scheinen Gefahren zu bergen. Schadstoffe ließen sich in Einweggeschirr aus Pappe, Zuckerrohr oder Palmenblättern finden.
© Foto: Imago/Future Image
Auch die Alternativen zum Einweggeschirr aus Kunststoff scheinen Gefahren zu bergen. Schadstoffe ließen sich in Einweggeschirr aus Pappe, Zuckerrohr oder Palmenblättern finden.

In kunststofffreiem Einweggeschirr aus Pappe, Palmenblättern oder Zuckerrohr stecken häufig gesundheitsgefährdende Schadstoffe. Zu diesem Befund kommt eine Untersuchung von vier europäischen Verbraucherorganisationen, die der europäische Verbraucherschutzverband BEUC veröffentlicht hat. Demnach enthielten mehr als die Hälfte der getesteten Produkte (53 Prozent) ungewünschte Stoffe über dem empfohlenen Richtwert, darunter auch potenziell krebserregende Stoffe sowie sogenannte ewige Chemikalien, die über viele Generationen in der Umwelt verbleiben und die menschliche Gesundheit schädigen können.

Der VZBV fordert daher ein Verbot besonders schädigender Stoffe, ein Zulassungsverfahren für Materialien mit Lebensmittelkontakt sowie mehr Geld und Personal für die Lebensmittelüberwachung. „Es ist gut, dass Einweggeschirr aus Plastik ab Juli verboten ist. Nun muss die Politik aber auch Regeln für die Alternativen aus Papier, Palmenblätter und Zuckerrohr schaffen“, fordert sagt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Schadstoffe hätten im Einweggeschirr nichts zu suchen, gleich, ob in Kunststoff oder Pappe. Aktuell hätten nach Müllers Ansicht Verbraucher keine Chance festzustellen, ob und wie stark kunststofffreie Alternativen kontaminiert seien. Die EU müsse ihre Regeln zu Lebensmittelverpackungen daher dringend nachschärfen, um Umwelt und Verbraucher besser zu schützen.

Kritische Produkte auch auf dem deutschen Markt

Getestet wurden 57 Produkte in Frankreich, Dänemark, Italien und Spanien. In den Produkten wurden unter anderem Rückstände von Pestiziden, die nicht in der EU zugelassen sind, potenziell krebserregende Chlorpropanole sowie per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) gefunden. PFAS werden eingesetzt, um Lebensmittelverpackungen Wasser-, Fett- und Schmutzabweisend zu machen. Sie gelten jedoch als krebserregend und gesundheitsschädigend.

Zwar wurde in der aktuellen Untersuchung kein Produkt aus Deutschland getestet. Doch laut VZBV sind auch in Deutschland problematische Produkte auf dem Markt, wie Analysen der Untersuchungsämter für Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2020 sowie ein im Mai 2021 veröffentlichter Bericht europäischer Umweltorganisationen laut dem Verband belegt haben.

Der VZBV fordert eine grundlegende Überarbeitung der EU-Rahmenverordnung über Lebensmittelkontaktmaterialien. Nötig seien klare Verbote für besonders schädigende Stoffe, ein Zulassungsverfahren für alle Materialien mit Lebensmittelkontakt sowie mehr Personal und Geld für die Lebensmittelüberwachung. „Die Lebensmittelüberwachung muss in die Lage versetzt werden, unsichere Produkte schnell vom Markt nehmen zu können“, sagt Müller. 

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