Getränkedosen
Mythos Aluminium

06.04.2021 Aluminium hat es mit seinem Image mal schwerer, mal leichter. Im Vergleich zu den 1990er Jahren, steht das Leichtmetall derzeit definitiv wieder besser dar. Was ist dran am Mythos Aluminium? Die Redaktion des packREPORT hat nachgefragt bei Claudia Bierth, European Sustainability Manager, Ball Beverage Packaging EMEA.

Bei Getränkedosen aus Aluminium hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Claudia Bierth von Ball Packaging gibt Auskunft.
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Bei Getränkedosen aus Aluminium hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Claudia Bierth von Ball Packaging gibt Auskunft.

Bedingt durch verschiedene Legierungen, lässt sich Aluminium nach dem Recycling nicht mehr für alle Anwendungen einsetzen. Wie sieht dies bei der Pfand-Getränkedose aus?

Getränkedosen werden in Deutschland hauptsächlich über das Pfandsystem gesammelt. Auf diesem Wege werden sie nicht mit anderen Aluminiumschrotten vermengt, und liefern besonders reines Material. Daher ist recyceltes Aluminium aus Getränkedosen ein begehrter Rohstoff. Er ist viel zu wertvoll, als dass er hauptsächlich in minderwertigeren Produkten zum Einsatz kommen könnte. Recyceltes Dosenaluminium fließt wieder in die Produktion von Dosen oder in die Herstellung anderer hochwertiger Aluminiumprodukte – zum Beispiel in der Automobilindustrie, die das sehr leichte Aluminium verwendet, um ihre Klimabilanz zu verbessern.

Wichtig zu wissen ist auch, dass in Deutschland mehr Getränkedosen recycelt als konsumiert werden: Mit den Recyclinganlagen für gebrauchte Aluminiumgetränkedosen der Aluminiumkonzerne Novelis in Nachterstedt und Hydro in Neuss hat Deutschland die größte Recyclingkapazität der Welt. Die Anlage in Nachterstedt kann jährlich etwa 14 Milliarden Getränkedosen recyceln, die Anlage in Neuss circa 4 Milliarden. Gleich neben der modernsten Recyclinganlage für Aluminiumgetränkedosen von Hydro steht in Neuss auch im Joint-Venture-Unternehmen Alunorf von Hydro und Novelis das weltweit größte Werk zum Walzen und Umschmelzen von Aluminium. Hier wird das aus den Getränkedosen recycelte Aluminium wieder in Dosenblech gewalzt und an die Getränkedosenhersteller zur Weiterverarbeitung geliefert. Das ist ein Kreislauf, der sehr effizient funktioniert.

Claudia Bierth, European Sustainability Manager, Ball Beverage Packaging EMEA, gibt Auskunft über den Status Aluminium. © Foto: Ball
Claudia Bierth, European Sustainability Manager, Ball Beverage Packaging EMEA, gibt Auskunft über den Status Aluminium.

Welches Potenzial hat Aluminium nachhaltig zu sein/werden?

Aluminium ist bereits heute nachhaltig, denn es ist ein permanentes Material. Das heißt, dass sich die inhärenten physikalischen Eigenschaften beim Recycling nicht verändern und die Qualität erhalten bleibt. Zudem geht beim Recycling kaum Material verloren und das Aluminium kann nahezu unendlich im Kreislauf verbleiben. Mit anderen Worten: Aluminium ist hervorragend kreislauffähig und diese Eigenschaft muss konsequent genutzt werden. Hinzu kommt, dass die Wiederverwertung von Aluminium rund 95 Prozent der Energie spart, die für die Herstellung von Primäraluminium benötigt wird. Und genau dieses Einsparpotenzial macht das Recycling zum mächtigsten Stellhebel, um die CO2-Bilanz der Getränkedose weiter zu verbessern.

Die Getränkedose ist zwar bereits die am häufigsten recycelte Verpackung der Welt – dennoch ist auch in vielen europäischen Ländern noch Luft nach oben. Was kann also getan werden? Neben der Einführung einer Pfandpflicht auf Einwegverpackungen, die realistische Quoten von mindestens 90 Prozent ermöglicht, sehen wir in Europa zwei weitere Ansätze, um die Recyclingraten von Getränkedosen zu erhöhen: Erstens die Ergänzung konventioneller und hauptsächlich auf Supermärkte konzentrierter Pfandsysteme durch digitalbasierte Rücknahmeinfrastruktur, zum Beispiel sogenannte Smart Bins auf öffentlichen Plätzen, im öffentlichen Nahverkehr und in Parks. Wir brauchen Pfandsysteme für die Realitäten des 21. Jahrhunderts. Und zweitens Kommunikationskampagnen für Verbraucher, die das Warum und Wie von Recycling thematisieren. So können wir die Recyclingraten auch auf nahezu 100 Prozent steigern.

In den 90er Jahren war die Dose fast verpönt. Sie hat aber ihr Comeback erlebt. Wie sieht es mit der Ökobilanz der Getränkedose heute aus?

Die Getränkedosenindustrie hat in den vergangenen Jahren viel geleistet, um die Nachhaltigkeits-Performance der Dose weiter zu verbessern. Wie eine europäische Ökobilanz zur Aluminiumgetränkedose aus dem Jahr 2019 zeigt, konnten die Kohlenstoffemissionen von Aluminiumdosen in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt um 31 Prozent gesenkt werden. Die zentralen Faktoren, die diese Fortschritte ermöglicht haben, sind neben erhöhten Recyclingraten kontinuierliche Verbesserungen in der Dosenherstellung sowie ein verringertes Dosengewicht.

Für eine 330 ml Dose zeigt die Studie für den Zeitraum zwischen 2006 und 2016 eine Reduzierung des Aluminiumbedarfs um zwölf Prozent, eine Senkung des Strom- und Wärmeverbrauchs um 35 Prozent dank effizienterer Dosenherstellungsprozesse sowie eine Verringerung des Gewichts der Dose um vier Prozent. Gleichzeitig stieg die Recyclingquote für Aluminiumgetränkedosen in ganz Europa von 50 auf 73 Prozent im Jahr 2014 – dies entspricht einer Steigerung von nahezu 50 Prozent. Zudem hat die europäische Aluminiumindustrie seit 1990 bei der primären Herstellung ihren gesamten direkten CO2-Ausstoß auf 55 Prozent pro Tonne verringert. Weil die Branche zunehmend auf Recycling und erneuerbaren Strom setzt, sieht die Prognose für 2050 bei den gesamten CO2-Emissionen eine starke Reduzierung von 58 Prozent im Vergleich mit dem Jahr 2014 vor.

 

 

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