Ausblick
Quo vadis, Verpackungsbranche?

05.07.2021 Syntegon, Romaco, Storopack und Thimm – es sind vier bedeutende Player der Verpackungsindustrie, die auf Anfrage von Packreport einen Blick in die Glaskugel werfen.

2. Halbjahr 2021: Was ist zu hoffen, was zu befürchten?
© Foto: IMAGO / Panthermedia
2. Halbjahr 2021: Was ist zu hoffen, was zu befürchten?

Die Frage drängt sich zur Jahresmitte förmlich auf: Was kommt da in der zweiten Jahreshälfte auf die Verpackungsindustrie zu? Mit was rechnen die Marktteilnehmer? Was hoffen sie, was fürchten sie? Wir dokumentieren die Einschätzungen von vier namhaften Unternehmen.

Storopack Hans Reichenecker GmbH, Daniel Arntz, Business Unit Manager Packaging Germany:

Wo geht die Reise hin?

Der Trend zu Produkten aus nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen setzt sich weiter fort und rückt immer mehr in den Fokus der Verbraucher.

Wie entwickeln sich die Geschäfte?

Der positive Trend, den wir seit Mitte 2020 im Bereich Verpackungsfüllstoffe verzeichnen, wird aus unserer Sicht weiterhin anhalten in 2021 und durch die positive Entwicklung im Bereich eCommerce sowie durch den Ausblick auf ein wachsendes Wirtschaftswachstum auch in 2022 fortgesetzt.

Mit was ist zu rechnen?

Trotz guter Auslastung wird 2021 aufgrund der enorm gestiegenen Rohstoffpreise ein herausforderndes Jahr in Bezug auf die Ertragslage.

Was zu hoffen?

Zu hoffen ist eine Beruhigung auf den Rohstoffmärkten um nachhaltig und langfristig Kalkulationssicherheit zu haben sowohl auf Hersteller- als auch auf Kundenseite.

Welche Faktoren werden in den nächsten sechs Monaten entscheidend sein?

Ausreichende Produktionskapazitäten sind sicher ein entscheidender Erfolgsfaktor.

 

Michael Weber, Leiter Corporate Strategie + Marketing der THIMM Gruppe:

Bereits im vergangenen Jahr hat die Nachfrage nach umweltverträglichen Verpackungen stark zugenommen und der Trend wird sich dieses Jahr fortsetzen. Dies gilt insbesondere für den E-Commerce Bereich: Hier stellt die Wellpappe das wichtigste Verpackungsmaterial dar. Aktuelle Studien zeigen, dass die Konsumenten im Onlinebereich großen Wert auf vollständig recyclingfähige Verpackungen legen. Auch im Lebensmittelbereich steigt die Nachfrage nach papierbasierten Verpackungslösungen.

Neben den Trends wird die Branche auch in der zweiten Jahreshälfte die gestiegenen Rohstoffpreise beschäftigen. In beispielsweise Asien oder der USA zieht die Konjunktur bereits wieder vermehrt an, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die interkontinentalen Warenströme langfristig den europäischen Markt beeinflussen werden.

 

Syntegon Technology GmbH (formerly Bosch Packaging Technology):

In seinem Pharmageschäft erwartet Syntegon auch im zweiten Halbjahr Projekte im Rahmen der Impfstoffproduktion. Besonderer Fokus wird darauf liegen, die weltweit ausgelieferten Anlagen schnellstmöglich zu installieren, in Betrieb zu nehmen und zu qualifizieren. Hier werden wir sehr stark auf unser weltweites Servicenetz und unsere Konzepte im Bereich digitaler Services setzen. Nachdem in der Pharmabranche während der Pandemie viele Projekte, die nicht mit COVID-19 verbundenen sind, zurückgestellt wurden, rechnen wir in diesen Bereichen für Ende 2021 mit einer deutlichen Belebung - bspw. in der Onkologieprodukten oder bei sogenannten Orphan Drugs. Unsere vor kurzem vorgestellte, flexible Abfüllplattform Versynta ist hierfür die richtige Lösung.

Im Food-Geschäft spüren wir eine deutliche Nachfrage aus den USA und rechnen im zweiten Halbjahr mit der Belebung weiterer Märkte, die sich von der Covid-Pandemie erholen. Insgesamt hat die Covid-Pandemie den Trend zur Automatisierung befeuert. Dieses Kundenbedürfnis kann Syntegon bspw. mit seiner neu entwickelten, modularen Robotik Pick-and-Place-Plattform, bedienen. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird wieder mehr in den Vordergrund rücken, worauf wir mit flexiblen Lösungen inklusive Neumaschinen, Beratung und Nachrüstung bestens vorbereitet sind.

 

Jörg Pieper, CEO Romaco Group:

Wie entwickeln sich die Geschäfte?

Trotz der Pandemie und ihrer globalen Auswirkungen laufen die Geschäfte bei Romaco sehr gut. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich unsere Zielbranchen auf die „neue“ Normalität eingestellt haben, aber einen wesentlichen Anteil hat in jedem Fall unsere frühzeitige Digitalisierung des Vertriebs und Service-Bereichs. Durch die Möglichkeit, FATs und SATs per Livestream oder Video durchzuführen, können die Maschinen pünktlich ausgeliefert und in Betrieb genommen werden. Und dank unserer digitalen Maschinenpräsentationen erhalten viele Interessenten auch ohne Reisetätigkeit ein exaktes und umfassendes Bild unserer Verpackungs- und Prozesstechnologien. Sie können also aus der Ferne prüfen, ob beispielsweise unsere Blisterverpackungsmaschinen oder Kartonierer zu ihren Anforderungen passen. Das ist Gold wert, denn so sind Corona-bedingte Restriktionen kein Hindernis für Investitionen in diesen Bereichen – und das schlägt sich positiv in unserer Auftragslage nieder.

Nichtsdestotrotz hoffen wir auf eine entspanntere globale Entwicklung mit den einhergehenden Lockerungen. Aktuell planen wir die Teilnahme an verschiedenen Herbstmessen, wo wir dem Fachpublikum unsere Maschinen wieder live präsentieren möchten. Denn der persönliche Austausch ist für Innovationsimpulse, unternehmerisches Wachstum und eine vertrauensvolle Kundenbeziehung ungemein wichtig. Wir freuen uns deshalb sehr über die Aussicht auf Verkaufsgespräche von Angesicht zu Angesicht und selbstverständlich auch auf die unmittelbare Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort.

Wo geht die Reise hin? Mit was ist zu rechnen? Was zu hoffen? Welche Faktoren werden in den nächsten sechs Monaten entscheidend sein?

Ein Thema, dem sich Romaco seit langem verschrieben hat, wird jetzt gerade in allen Branchen immer bedeutender: Nachhaltigkeit sorgt für eine enorme Dynamik in der Gesellschaft und hat auch die Gesetzgebung erreicht. Sie nimmt auf Landes- und europäischer Ebene die Wirtschaft in die Pflicht, ambitionierte Nachhaltigkeitsziele in relativ kurzer Zeit zu erreichen.

Das ist zum einen ausgezeichnet für unser aller Zukunft, stellt viele Unternehmen aber auch vor außerordentliche Herausforderungen – gerade in den Bereichen Pharma und Verpackung. Neue Wege müssen eingeschlagen werden und wir verstehen das als Chance, unsere Kunden dabei zu unterstützen und ihnen mithilfe unserer Technologien zu ermöglichen, nachhaltiger zu produzieren und auf diese Weise entsprechende gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Schon jetzt bieten wir unter anderem die Option, Maschinen wie die Blisterlinien der Unity-Serie von Noack als klimaneutral produzierte Variante zu erwerben. Wir arbeiten an recycelbaren Verpackungslösungen wie den Push Packs aus Polyolefin-Laminat und Blistern aus thermoformbarem Papier. Außerdem haben wir unser Maschinendesign so ausgerichtet, dass daraus eine systematische Reduzierung des Rohstoff-, Energie- und Materialverbrauchs folgt. Und durch die digitale Unterstützung bei Wartung und Reparatur unserer Maschinen verringern wir CO2-intensives Reisen. Aber wir stehen erst am Anfang unserer Nachhaltigkeitskampagne und hoffen, dass sich dabei viele uns und dem Prinzip „Vermeiden vor Reduzieren vor Kompensieren“ anschließen werden.


 

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