Antislip Gluing
75 Prozent weniger Wickelfolie durch Heißleimauftrag

06.07.2021 Die Hafer- und Schälmühle von Swissmill installierte 2020 ein Klebstoff-Auftragssystem von Robatech, um Sammelkartons auf Paletten umweltfreundlich zu stabilisieren. Das Resultat: weniger Kunststoff im Einsatz und ein deutlicher Zeitgewinn.

Zwei Sprühköpfe vom Typ AX Diamond beim Klebstoffauftrag.
© Foto: Robatech/Swissmill
Zwei Sprühköpfe vom Typ AX Diamond beim Klebstoffauftrag.

Bis vor Kurzem setzte die Hafer- und Schäl­mühle von Swissmill zu 100 Prozent Wi­ckelfolie ein, um ihre Paletten für den Transport per Lkw und Bahn zu stabilisieren. Seit 2020 sind es 25 Prozent. In rund acht Monaten entwickelte sich aus der Idee, den Heißleimauftrag direkt auf die Verpackungseinheiten mit Antislip Gluing, zu testen, ein Projekt für die umweltfreundliche Palettierung von Sammelkartons.

Abfüllen, verpacken, palettieren


Swissmill, ein Unternehmen der Coop-Gruppe, ist nach eigenen Angaben die größte Getrei­demühle der Schweiz. Über 200.000 Tonnen Getreide werden am Firmen­sitz in Zürich zu mehr als 100 ver­schiedenen Produkten vermahlen — die Grundlage für Müsliriegel, Cracker, Cerealien und knusprige Brote. Erwin Waldvogel, Leiter der Hafer- und Schälmühle von Swissmill, kümmert sich um die fachgerechte Herstellung und Verpackung von Getreideflocken. An seiner Verpackungslinie werden die Flocken in 500-Gramm-Folien­beutel für Privat Labels abgefüllt und in 12er-Packs in einem Sekundärkar­ton verpackt. Am Ende der Linie sta­pelt ein Palettierroboter 84 Kartons in sieben Lagen über Kreuz auf eine Palette. Je nach Bedarf kann die Pa­lette an einer etwas entfernt stehen­den Wickelstation, die von mehreren Bereichen genutzt wird, mit Folie sta­bilisiert werden. Bevor die Umstellung auf dieses System erfolgte, wurden alle Paletten gewickelt.

Der Spezialist für den industriellen Klebstoffauftrag, Robatech, stellte im Jahr 2019 die Palettensta­bilisierung bei Swissmill vor. Waldvogel sah Einsparpotenzial in dem System. „Ro­batech brachte mir zwei Wochen spä­ter ein Testsystem für den Heißleim­auftrag mit Handpistole. So konnte ich mich schnell davon überzeugen, wie gut der PSA-basierte Schmelz­klebstoff die Sammelkartons auf der Palette stabilisierte“, erinnert sich der Leiter der Hafermühle. Auch die Depalettierung der Kartons sein ein­fach gewesen. Kurz danach testeten die Lo­gistikpartner die Transportsicherheit der Paletten und gaben grünes Licht.  Wenig später entschied sich Swiss­mill für den Kauf einer vollautomati­schen Palettenstabilisierung. Martin Berli, Gebietsverkaufsleiter Schweiz bei Robatech, zeigt sich überzeugt: „Mit den Testsystemen erleichtern wir unse­ren Kunden Investitionsentscheidungen. Gleich ein neues System zu kaufen, ist nicht so schnell durchsetzbar. Wenn Antragsteller jedoch positi­ve Testergebnisse vorweisen kön­nen, sieht das anders aus: sie haben stichhaltige Argumente.“

Palettierung von Sekundärverpackungen mit Haftklebstreifen. © Foto: Robatech/Swissmill
Palettierung von Sekundärverpackungen mit Haftklebstreifen.

Teilwicklung nur für Bahntransporte


Seit Anfang 2020 tragen zwei AX-Sprühköpfe jeweils zwei Klebstoff­kringel direkt auf die Oberseite der Getreideflocken-Sammelverpackun­gen auf. Die Kartons der letzten Lage werden nicht besprüht. Dafür sorgt die integrierte Palettierfunktion in der Steuerungselektronik des Con­cept-Schmelzgeräts. Sie kommu­niziert direkt mit der Steuerung des Palettierroboters. „Die Palettensta­bilisierung war schnell installiert und einsatzbereit“, erzählt Waldvogel. Die Zu­sammenarbeit zwischen dem Steuerungsexperten und Robatech habe sehr gut geklappt.

Doch nicht alles lief von Anfang an wie geschmiert. Eine Kundin reklamier­te bei einigen Lieferungen einge­stürzte Kartons in der unteren Pa­lettenlage. Was war passiert? Laut Robatech ist bekannt, dass selbst beim Einsatz von Schrumpffolie Beschädigun­gen aufgrund starker Bewegungen möglich sind. Die Kartondicke spiele hier eine wichtige Rolle in der Lastvertei­lung, besonders, wenn Paletten beim Transport größeren Scherkräften ausgesetzt seien. „Wir haben jedoch rasch eine gute Lösung gefunden“, so Waldvogel. „Für Palet­ten, die mit der Bahn transportiert werden, umwickeln wir nach dem Heißleimauftrag die Palette mit Fo­lie, jedoch nur zur Hälfte.“ Dies reiche aus, um eine gleichmäßige Lastver­teilung zu bewirken und Kartonein­brüche zu vermeiden.

Neben der Einsparung an Kunststofffo­lie von 75 Prozent ergab sich laut Swissmill ein weiterer positiver Effekt, den besonders das Betriebs­personal schätze. Früher holten die Linienführer die Palette an der Ver­packungslinie ab, brachten sie zur Wickelstation, gingen zurück zur Verpackungslinie und holten die fer­tig gewickelte Palette später wieder ab. Bei 25 bis 30 Paletten am Tag be­deutete das viel Leerweg. „Mit Antis­lip Gluing hat sich der tägliche Halb­marathon der Linienführer auf eine Sprintstrecke verkürzt, resümiert Waldvogel: „Das sind mindes­tens 1,5 Stunden mehr Zeit pro Tag für Kernaufgaben.“ Für Swissmill hat sich die vollautomatische Paletten­stabilisierung damit gelohnt. Die Inves­tition sei nicht groß, ergänzt der Hafermühlenleiter, und habe sich schon nach einigen Monaten amortisiert.

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