Hugo Beck Maschinenbau
„Moderne Verpackungen minimieren Ressourcenvergeudung"

22.03.2022 Der Geschäftsführer der Hugo Beck Maschinenbau GmbH & Co. KG in Dettingen/Erms, Timo Kollmann, berichtet im VDMA-Interview von konkreten Schritten des Unternehmens hin zur Kreislaufwirtschaft.

Timo Kollmann wurde 2021 zum Geschäftsführer ernannt.
© Foto: Hugo Beck
Timo Kollmann wurde 2021 zum Geschäftsführer ernannt.

In der Interviewreihe „Circular Competence“ befragt der VDMA Fachverband Druck- und Papiertechnik seine Mitgliedsunternehmen zu ihren Plänen, Lösungen und Herausforderungen auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft. Was kann die Branche dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck von Verpackungen und anderen Druckerzeugnissen zu minimieren?

Nutzen Sie in Ihrer eigenen Produktion Kreislauf- und Müllvermeidungskonzepte?

„Über die heute obligatorische sortenreine Entsorgung von Produktionsabfällen und Betriebsstoffen hinaus erzeugen wir mit einer eigenen Photovoltaikanlage Strom für unsere Produktion, Montage und das Verwaltungsgebäude. Teils speisen wir ihn auch ins Stromnetz ein. Zudem haben wir in Ladeplätze für Elektrofahrzeuge investiert und haben ein sehr gut angenommenes Leasingangebot für E-Bikes. Gut ein Drittel unserer Beschäftigten kommt nun per Rad zur Arbeit. Die elektrische Unterstützung ist ihnen in unserer bergigen Region willkommen. In unserer Produktion und Montage setzen wir von der Zerspanung bis zur Lackierung auf einen hochmodernen energieeffizienten Maschinenpark. Gerade in der Lackierung geht es nicht nur um die Energieeinsparung, sondern wir haben dort auch Reinigungsanlagen mit Lösemittelrückgewinnung, um die Prozesse so umweltverträglich wie möglich zu gestalten.“

Welche Lösungen für die Circular Economy bieten Sie Ihren Kunden an?

„Das beginnt bei den Antrieben der Verpackungsmaschinen, die wir bauen. Hier setzen wir konsequent auf Servomotoren, die beim Bremsen Energie zurückgewinnen und ins System zurückspeisen. Mit der modernen Antriebstechnologie sind wir aber vor allem in der Lage, die Verpackungs-prozesse selbst zu optimieren. So sparen unsere Kunden im großem Stil Verbrauchsmaterialien ein. Das gilt sowohl für ihre Folien als auch für Papierverpackungen. Ein gutes Beispiel ist die Salatgurke. Nachdem Discounter auf das Einschweißen in Folie verzichtet haben, mussten sie infolge von Transportschäden und frühzeitigem Verderben bis zu 40 Prozent entsorgen. Wir haben Lösungen entwickelt, um mit viel dünneren Folien zu arbeiten. Statt 40 bis 60 Mikrometer (µm) sind sie nun unter 10 µm dünn und bestehen aus recyclingfähigem Monomaterial. Mit derselben Menge Kunststoff werden vier bis sechsmal mehr Gurken verpackt und der unnötigen Energie- und Ressourcenvergeudung durch die Verluste ist ein Ende gesetzt. Unsere Maschinen können nicht nur dünneres Material verarbeiten, sondern die Folien durch optimierten Zuschnitt auch besser ausnutzen. Und obendrein können unsere Kunden damit Folien mit hohem Recyclat-Anteil nutzen. Unter anderem haben wir sehr gute Erfahrungswerte mit Folien aus bis zu 80 Prozent Recyclat. Hier spielt die technische Auslegung eine entscheidende Rolle: Wer in billige Antriebstechnik und unausgereifte Bahnführung investiert, zahlt am Ende durch den Mehrverbrauch an Folie, Papier und Energie drauf – und belastet damit die Umwelt. Der Aufpreis für moderne Technologie amortisiert sind meist schon in den ersten zwei Jahren.“

Wie wirkt sich das Thema auf Ihre Forschung und Entwicklung und Ihre Kooperationen mit Kunden und Materiallieferanten aus?

„Wir arbeiten enger zusammen und hinterfragen gemeinsam, welches Material die Anforderungen für die jeweilige Anwendung mit dem geringsten energetischen und ökologischen Fußabdruck erfüllt. Aktuell setzen viele Kunden auf Papier. Wir arbeiten daran, dessen Einsatzspektrum zu erweitern. So entwickeln wir in einem geförderten Forschungsprojekt mit einer Hochschule biobasierte Beschichtungen aus Abfällen der Weinerzeugung, durch die Papier wasserabweisend wird, aber recyclingfähig bleibt. Unser Part ist die Ent-wicklung der Verarbeitungsprozesse für diese Papiere. Doch für den Einsatz gibt es unter anderem regulatorische Grenzen. So darf etwa Tiefkühlpizza nicht einfach im Karton verpackt sein: Die obligatorische Folie beugt Konta-minationen durch ausgasende Chemikalien vor. Lebensmittel- oder auch Arzneimittelsicherheit bleiben der Maßstab, wenn wir neue Ansätze entwickeln. In anderen Bereichen halte auch ich manche Verpackung für verzichtbar. Wir sollten im engeren Zusammenspiel von Materialentwicklung, Maschinenbau und Anwendern alle Möglichkeiten nutzen, um den ökologischen Footprint von Verpackungen zu minimieren. Schlüssel dazu sind reduzierter Materialeinsatz und recyclingfreundliche Monomaterialien. Parallel gilt es, funktionierende Entsorgungs- und Recyclingsysteme in aller Welt aufzubauen.“

Steigt die Nachfrage nach Ihrer Circular Competence weltweit – oder ist das eher ein regional begrenztes Phänomen?

„Erfreulicherweise ist das mittlerweile ein globaler Trend. Wobei die Ausrichtung auch von den regionalen Gegebenheiten abhängt. Wo keine Bäume wachsen, setzen unsere Kunden eher auf Kunststoffe als auf Papier. In waldreichen Regionen ist es umgekehrt. Aber generell steigt das Umweltbewusstsein und beeinflusst immer stärker, in welche Maschinen unsere Kunden investieren.“

Umweltschutz ist oft regulatorisch getrieben. Sind die Rahmenbedingungen für den Einstieg in die Circular Economy richtig gesetzt?

„Wir haben auch vor der Kunststoffdebatte intensiv daran gearbeitet, Verpackungen so umweltverträglich wie möglich zu gestalten. Denn oft sind sie unverzichtbar. Weltweit gehen jedes Jahr etwa ein Drittel aller Nahrungsmittel entlang ihrer Wertschöpfungskette, d.h. von der Ernte bis zum Konsumenten, verloren. Es gehen nicht nur Nahrungsmittel verloren, sondern auch die für Anbau, Ernte, Verarbeitung, Transport und Lagerung eingesetzten Ressourcen. Ein Schlüssel, um diese Ressourcenvergeudung zu minimieren, sind Verpackungen. In Pharma-, Medizin- und anderen Bereichen mit hohen Hygieneanforderungen werden Produkte weiterhin verpackt bleiben. Es kommt also darauf an, mit kühlem Kopf auf wissenschaftlicher Basis jene Lösungen zu suchen, mit denen die jeweiligen Verpackungsanforderungen mit dem geringsten ökologischen Footprint umsetzbar sind. Es ist nicht so, dass Papier immer die ökologischere Lösung ist als Kunststoff. Die Gewichte verschieben sich mit dem steigenden Recyclinganteil in Richtung der Kunststoffe. Denn in Verpackungspapieren und -karton wird immer ein gewisser Anteil an frischen Langfasern nötig sein. Hugo Beck ist sowohl mit Folien- als auch mit Papierverpackungstechnik erfolgreich. Ich bin also nicht parteiisch, sondern wünsche mir einfach regulatorische Weichenstellungen, denen gut abgewogene und fachlich fundierte Entscheidungsprozesse vorangehen. Nur so wird es uns gelingen, die Umwelt wirksam zu entlasten. Zeit für reine Symbolpolitik haben wir nicht mehr.“





 

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