Stimmen von der Messe
Fachpack 2021: Halbe Auslastung, voller Erfolg

30.09.2021 Bedenken, ob sich die Fachpack dieses Jahr lohnen würde, hatten einige Aussteller und Besucher im Vorfeld der Messe angemeldet. Die Sorge scheint sich zerschlagen zu haben: In den Messehallen tummelten sich zahlreich Besucher, die Stände waren voll, die Stimmung äußerst positiv.

Während der Fachpack führte packREPORT-Redakteur Matthias Laux viele interessante Gespräche mit der Branche, u.a. auch mit Kollege Martin Hirschmann aus der Redaktion C2.
© Foto: Matthias Laux
Während der Fachpack führte packREPORT-Redakteur Matthias Laux viele interessante Gespräche mit der Branche, u.a. auch mit Kollege Martin Hirschmann aus der Redaktion C2.


788 Aussteller aus 33 Ländern zeigten vom 28. bis 30. September in sieben Messehallen neueste Lösungen und Produkte – alles rund um das Leitthema „umweltgerechtes Verpacken“. „Wir sind sehr überrascht über den Zustrom hier. Der Besuch ist exzellent“, bestätigt Friedrich Humer von Schur Flexibles. „Die Fachpack 2021 war für uns eine optimale Kommunikationsplattform und insgesamt ein voller Erfolg“, resümiert auch Valeska Haux, Vice President Strategic Marketing bei Südpack. Das Unternehmen hatte mit der innovativen und nachhaltigen Folienverpackungsruck-Technologie SPQ (Sustainable Print Quality) im Juli nicht nur den Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Wirtschaftlichkeit gewonnen, sondern wurde am 28. September im Rahmen der Preisverleihung des Deutschen Verpackungspreises während der Fachpack zusätzlich in Gold geehrt.



14 weitere Preisträger erhielten eine Auszeichnung in Gold durch das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi) für wegweisende Innovationen rund um die Verpackung. Ausgezeichnet wurde beispielsweise auch ein flexibles Verpackungssystem von Kern für Versandschachteln, das anhand der Packgut‐Geometrie das Verpackungsvolumen bestimmt, aus einem Vorrat verschieden großer Wellpappzuschnitten den geeigneten auswählt, schneidet, perforiert, individuell vorrillt sowie den Zuschnitt aufrichtet, füllt und verschießt. Daneben siegte auch die Mirabelle Group in Partnerschaft mit Lanzatech und Migros, die ein Verfahren zur Umwandlung von CO2 in Ethanol eingereicht hatten, das wiederum die Basis für viele nachhaltige, kreislauffähige Kunststoffe bildet. Flaschen für den Konsumgüterbereich wurden bereits produziert. Alle Preisträger des Deutschen Verpackungspreises finden sich unter verpackung.org.

Umweltgerechtes Verpacken so weit das Auge reicht

Das Leitthema der diesjährigen Fachpack lautete „umweltgerechtes Verpacken“ und dies war auch an den Ständen der Aussteller zu spüren – so gut wie keine Innovation, die sich nicht mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen würde. Über nachhaltige Verpackungen sprach unser Redakteur Matthias Laux beispielsweise mit Thomas Kahl, Project Manager bei Mondi Flexible Packaging. Entscheidend für den Fachmann: der Ressourceneinsatz. „Es kommt darauf an, ob man mit dem Produkt, der Verpackung am Ende des Lebens Kreisläufe schließen kann. Das ist sowohl bei Papier als auch bei Kunststoff gegeben“, sagte Kahl. Bei Papier sei dies aktuell besser gegeben als bei Kunststoff, doch mithilfe von Monomaterial-Lösungen sollten auch hier Kreisläufe geschlossen werden. Monomaterial lautete auch das Stichwort bei Ströbel zum Thema Aromaschutz: Das Unternehmen war mit der vollständig recycelbaren Verpackung Mono Line nach Nürnberg gekommen. „Sie ist die umweltfreundliche Alternative von all unseren Verpackungen“, sagte Marcus Mayr aus der Projekt- & Prozessentwicklung bei Ströbel. Aluminium sei beim Aromaschutz für Ströbel kein Thema mehr. Die Lösung: Einstoff-Verpackungen mit Aromabarriere für beispielsweise Kaffee mit Ventil, die sich im gelben Sack entsorgen lassen.

Friedrich Humer, Chief Sales Officer von Schur Flexibles, hatte unter anderem die Folien Crystal PE im Gepäck, seit Übernahme der Thermoplast aus Italien mit im Portfolio von Schur Flexibles. „Wir sehen Mono-direction-oriented Polyethylen, unser Crytal, als das Material für die Zukunft im Druckträgerbereich“, so Humer. Damit wolle das Unternehmen Monopolymer-Lösungen im Bereich Kreislaufwirtschaft bedienen. Das Produkt ist bereits im Einsatz. „Wir gehen aber auch in den Papierbereich, wo wir es für sinnvoll erachten“, so Humer. Es gebe für jedes Produkt die beste Lösung und bei Schur Flexibles sei man nicht der Meinung „Plastik ist tot, gehen wir Richtung Papier.“ Im Gegenteil: „Wir sind nach wie vor der Überzeugung, dass flexible Verpackungen der Packstoff für die Zukunft sind, aber es gibt spezielle Lösungen, wo wir Papier anwenden: Zum Beispiel Dana Cover-Seal Paper, eine vorgestanzte Papierplatine, die auf einem PE-Becher siegelt.

Im Bereich E-Commerce sei ein wichtiger Treiber der Nachhaltigkeit die Volumenreduzierung, wie es Joachim Heckler, Geschäftsführer von Drei V, auf den Punkt brachte. Von der Wickelverpackung, die sich auf die Größe des Produkts anpasst bis zur Folien- beziehungsweise Papier-Fixier-Verpackung, bei der man durch die Fixierung komplett auf Füllmaterial verzichten kann – hier lasse sich das Volumen der Verpackung verkleinern. Obendrein punkte Wellpappe als recyclingfähiges Material und bestehe bei Drei V zu 80 Prozent aus recyceltem Material.

Ein nachhaltiges Produktionsverfahren für Verpackungen aus Maisgrieß hat das Unternehmen Plant Pack in Kooperation mit der Universität Göttingen entwickelt und auf die Messe gebracht. „Plant Pack verwendet nur rein organisches Material und ist beispielsweise eine Alternative zu Styropor“, sagt Stefan Schult, Sprecher der Geschäftsführung von Plant Pack. Verwendet würden Abfallprodukte aus der Maisproduktion, die für Lebensmittel nicht mehr eingesetzt werden könnten. Die aus gepufftem Maisgrieß entstandenen alternativen Materialien lassen sich am Ende laut Schult über den Kompost oder die Biotonne entsorgen.
Alle Gespräche sind auch auf dem packREPORT-Youtube-Kanal zu finden.

Fachpack gibt Leitthema für 2022 bekannt

Und wie geht es weiter? Das neue Leitthema der Fachpack 2022 ist raus: Es wird „Transition in Packaging“ sein. „Das nächste Leitthema der Fachpack 2022 wird sich mit der Transition im Bereich Packaging beschäftigen: Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, E-Commerce, Digitalisierung“, erklärte Heike Slotta, Executive Director Exhibitions bei der NürnbergMesse. Gesetzliche Vorgaben und ein verändertes Einkaufsverhalten der Konsument:innen hätten große Auswirkung. Dies wolle man mit dem Leitthema Transition in Packaging beleuchten.

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