Rekordpreise für flexible Materialien
Keine Atempause

20.06.2022 Die Kosten für Kunststoffe, Aluminium und Papier erreichten im ersten Quartal 2022 ein neues Rekordniveau und setzten damit den starken Preisanstieg im Bereich flexibler Verpackungen fort.

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Der anhaltende Druck durch steigende Energiekosten sowie andere externe Faktoren bedeuten nach Ansicht von Flexible Packaging Europe (FPE), dass die drastischen Steigerungen des letzten Halbjahres 2021 nun übertroffen wurden. Insbesondere die Kosten für 20-Mikron-BOPP-Folie stiegen von Januar bis März 2022 um 45 % und haben sich damit seit dem ersten Quartal 2021 verdoppelt. Dünne Aluminium-Convertingfolie ist in denselben drei Monaten ebenfalls um 67 % gestiegen und liegt nun 75 % über dem Stand von Ende 2020. Im gleichen Zeitraum stieg der Preis für 12-Mikron-PET um 47 % und liegt nun 50 % höher als vor einem Jahr, während 15-Mikron-BOPA-Folie um 33 % zulegte und damit in 15 Monaten um 44 % stieg.

Weit über dem Preisniveau von 2020

Die Preise für LDPE und HDPE liegen immer noch deutlich über dem Preisniveau von Ende 2020, nämlich 75 % bzw. 54 % darüber. Die Preise für LDPE und HDPE liegen immer noch deutlich über dem Preisniveau von Ende 2020, nämlich 75 % bzw. 50 % höher. Alle Zahlen wurden von Wood Mackenzie und ICIS zusammengestellt.

David Buckby, Senior Analyst bei Wood Mackenzie, kommentierte die Zahlen wie folgt: „Im ersten Quartal stiegen die Substratpreise in allen Bereichen weiter stark an, was in vielen Fällen vor allem auf Energiezuschläge zurückzuführen war. Die begrenzte Verfügbarkeit von Materialien hat die Preise ebenfalls in die Höhe getrieben, was durch die anhaltenden globalen Logistikprobleme noch verstärkt wurde. Die hohen Kosten und die Unvorhersehbarkeit der Offshore-Beschaffung bedeuteten, dass die europäischen Hersteller im Allgemeinen ausgelastet waren, wobei einige voll ausgebucht waren und keine neuen Aufträge annahmen.“

„Die Lieferzeiten für Aluminiumfolie betrugen im ersten Quartal bis zu fünf Monate im Vergleich zu zwei Monaten zuvor. Bei Papier betrugen sie oft zwei bis drei Monate, im Vergleich zu vier bis sechs Wochen. Das Ausmaß der Preiserhöhungen hing von Anbieter zu Anbieter stark vom Umfang früherer Erhöhungen ab – die Zeitpunkte sind unterschiedlich. Einige Erzeuger, die im vierten Quartal erhebliche Energiezuschläge und Preiserhöhungen durchgesetzt hatten, setzten im ersten Quartal nur moderate Erhöhungen oder sogar Prolongationen durch“, so Buckby. Der Einmarsch Russlands in der Ukraine habe die ohnehin schon stark getrübten Aussichten noch weiter verunsichert.

Anhaltend starke Nachfrage

Die FPE sieht eine anhaltend starke Nachfrage nach allen flexiblen Materialien, da die Wachstumsindizes für die Märkte, die ihre Mitglieder bedienen, alle positiv bleiben. Allerdings hat sich das Wachstumstempo allgemein verlangsamt, was den Druck von den bereits angespannten Versorgungsengpässen bei Rohstoffen und Zusatzprodukten wie Klebstoffen und Druckfarben nehmen könnte. Die Preiserhöhungen in der Logistik und bei den Versorgungsunternehmen hatten und haben weiterhin große Auswirkungen auf die Verarbeitungskosten der Converter von flexiblen Verpackungen. Nach einer kurzen Pause steigen die Ölpreise jetzt wieder an, so dass eine Atempause von den anhaltenden Preiserhöhungen bei flexiblen Materialien nicht möglich ist.

Guido Aufdemkamp, Geschäftsführer von FPE, ist der Meinung, dass es unter den derzeitigen Umständen schwierig ist, die Richtung des Marktes vorherzusagen. „Ein Wachstum der Nachfrage nach flexiblen Verpackungen in Europa ist fast sicher. Zwar könnten sich die Preiserhöhungen auf die Nachfrage auswirken, doch ist dies unwahrscheinlich, da nicht flexible Verpackungsanwendungen mit höheren absoluten Steigerungen pro Packung konfrontiert sind, da mehr Material verwendet wird. Nimmt man die anhaltende Unterbrechung der Lieferkette und wichtige Energiefragen hinzu, sind die Aussichten ungewiss. Der Konflikt in der Ukraine und seine wirtschaftlichen Folgen in ganz Europa waren für uns weder vorhersehbar noch absehbar. Die Hersteller flexibler Verpackungen haben sich jedoch in der Vergangenheit als widerstandsfähig erwiesen, zuletzt in der Pandemie, so dass wir zuversichtlich sind, dass der Sektor weiterhin in der Lage sein wird, die Nachfrage nach seinen Produkten zu befriedigen.“

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