Personal
Fachkräftemangel im Maschinen- und Anlagenbau verschärft sich wieder

14.06.2021 Die Mehrheit der Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus plant, wieder Personal aufzubauen. Insbesondere das Angebot für Ausbildung und duales Studium soll laut VDMA ausgeweitet werden. Doch es drohen Personalengpässe.

Eine Mehrheit der Unternehmen plant, bis Ende des Jahres Personal aufzustocken. Doch 43 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen werden.
© Foto: Imago/Panthermedia
Eine Mehrheit der Unternehmen plant, bis Ende des Jahres Personal aufzustocken. Doch 43 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen werden.

 

Im Maschinen- und Anlagenbau gewinnt der konjunkturelle Aufschwung wieder an Fahrt. Gleichzeitig rücken jedoch Fachkräfteengpässe in den Fokus der Unternehmen. Laut einer aktuellen Umfrage des VDMA unter rund 570 Personalverantwortlichen in Mitgliedsfirmen sieht die Mehrheit der Befragten aktuell bei allen Beschäftigtengruppen Engpässe – mit Ausnahme bei den Hilfskräften.

Dies trifft insbesondere auf Akademiker und Fachkräfte zu. Hier sehen aktuell 78 Prozent der Befragten leichte bis starke Engpässe; bei den Fachkräften sind es sogar 82 Prozent. In den kommenden sechs bis zwölf Monaten sei mit einer weiteren Verschärfung der Lage zu rechnen, so der VDMA: Über 40 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass künftig weniger Fachkräfte und Akademiker zur Verfügung stehen werden. Auch im Bereich der Spezialisten wie Meistern und Technikern gehen 34 Prozent von weniger verfügbaren Arbeitskräften aus. Lediglich etwa jeder zehnte Befragte erwartet hingegen, dass in den genannten Gruppen mehr Arbeitskräfte verfügbar sein werden.

„Zur Lösung der großen Aufgaben unserer Zeit – die Digitalisierung und die Entwicklung klimafreundlicher Technologien – benötigen die Unternehmen viele gut ausgebildete Menschen,“ betont Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA. Der Maschinenbau werde auch weiterhin attraktive Arbeitsplätze bieten. Viele Mitarbeiter gingen jedoch in Rente und müssten ersetzt werden. „Der Personalengpass darf sich nicht zur Fortschrittsbremse entwickeln,“ warnt Rauen.

Dabei rechnen drei von vier Befragten (77 Prozent) bereits bis Ende dieses Jahrs mit einem Beschäftigtenaufbau im eigenen Unternehmen. Von diesen Unternehmen gehen 64 Prozent von einer moderaten Personalaufstockung von bis zu fünf Prozent aus. Die Beschäftigtengruppen, bei denen bereits heute Engpässe herrschen, stehen dabei im Fokus: Im Bereich der Fachkräfte planen 60 Prozent eine geringe bis deutliche Personalaufstockung, bei den Akademikern sind es 54 Prozent.

Deutlicher Ausbau des Angebots für Nachwuchskräfte

Zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses setzten die Maschinenbauunternehmen auch in der Corona-Pandemie auf Ausbildung und duales Studium. Dies zeigen laut VDMA zwei vergangene Mitgliederbefragungen von Mai und Dezember 2020. Nun planten die Personalverantwortlichen der Unternehmen, die sich in diesen Bereichen engagieren, mit einem Ausbau des Angebots von dualen Studienplätzen in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik sowie von gewerblich-technischen Ausbildungsplätzen. 30 Prozent der Personalverantwortlichen wollen laut der Umfrage künftig mehr duale Studienplätze im technischen Bereich anbieten, vor einem halben Jahr waren dies 19 Prozent. 21 Prozent der Befragten plant mit mehr technisch-gewerblichen Ausbildungsplätzen; im Dezember 2020 waren dies noch neun Prozent.

Auch im Bereich der Praktika für Nachwuchskräfte zeigt sich eine deutliche Entspannung der Lage im Vergleich zu Dezember 2020. Aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen waren Praktika für Schüler sowie für Studierende nur schwer durchführbar. Nun sollen aber wieder mehr Praktikumsplätze angeboten werden. Während vor einem halben Jahr nur einer von zwanzig Personalverantwortlichen von einer Zunahme der Praktikumsplätze ausging, erwartet dies nun jeder fünfte.

Für Hochschulabsolventen hat sich die Lage weiter verbessert: Während die Mehrheit (65 Prozent) der befragten Unternehmen davon ausgeht, dass die Angebotssituation stabil bleibt, gehen 16 Prozent von einer Zunahme der Stellen aus. Vor einem halben Jahr waren dies nur elf Prozent. Damals gingen noch 30 Prozent der Befragten davon aus, dass das Stellenangebot abnimmt.

Auszubildende händeringend gesucht

Aktuell haben Unternehmen laut VDMA Schwierigkeiten, Kontakt zu potenziellen Bewerbern aufzunehmen und Interesse für angebotene Stellen zu wecken. Insgesamt geben 44 Prozent der Befragten an, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung aufgrund von Kontaktbeschränkungen zu haben. Dies hat unter anderem gravierende Auswirkungen auf die Zahl der Bewerber für Ausbildungsplätze: 55 Prozent der Befragten geben an, aufgrund der Corona-Krise weniger Bewerbungen erhalten zu haben.

„Für Bewerber ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Maschinen- und Anlagenbau weiterhin sehr gut“, sagt Jörg Friedrich, Leiter VDMA Bildung. Gleichzeitig werde es für die VDMA-Mitglieder deutlich schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu rekrutieren. Dies zeigten auch die neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Diese hatte für den Mai gemeldet, dass es in den maschinenbaurelevanten Berufen noch über 37.800 unbesetzte Ausbildungsstellen gibt.

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