Kunststofferzeuger blicken nach vorne
Vorsichtiger Optimismus bei Plastics Europe Deutschland

06.05.2021 Der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland hat bei seinem jährlichen Wirtschaftspressegespräch die jüngsten Erwartungen der Branche bestätigt: Die Kunststoffproduktion in Deutschland ging im Jahr 2020 – in Anbetracht der Pandemie – um 1,6 Prozent zurück.

Dr. Michael Zobel, Vorstandsvorsitzender Plastics Europe Deutschland
© Foto: Plastics Europe
Dr. Michael Zobel, Vorstandsvorsitzender Plastics Europe Deutschland

Um auch weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, will die Kunststoffbranche zum Treiber von nachhaltiger Produktion und Kreislaufwirtschaft werden, so das generelle Fazit der Veranstaltung.

Laut Plastics Europe Deutschland Hauptgeschäftsführer Ingemar Bühler gebe es demnach gute Gründe, optimistisch auf die Zeit nach der Pandemie zu schauen, allerdings dürfe man nicht allein auf eine wiedererstarkende Wirtschaft setzen. So forderte Bühler beim virtuellen Austausch mit den Journalisten, „global zu einem Vorreiter für effizienteres, ressourcenschonenderes Wirtschaften zu werden. Innovative Recyclingtechnologien, Produktion mit nachwachsenden Rohstoffen und besser recycelbare Produkte sorgen für mehr Umwelt- und Klimaschutz und sichern gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit unserer Branche“.

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Dr. Michael Zobel, Vorstandsvorsitzender Plastics Europe Deutschland spannte den Bogen ins Hier und Jetzt und erläuterte die aktuellen wirtschaftlichen Kennzahlen: Der Umsatz der Branche ging 2020 aufgrund des Preisdrucks während der Pandemie im Vergleich zum Vorjahr um 8,7 Prozent zurück, die Exporte sanken leicht um 0,8 Prozent und die Importe verringerten sich deutlich um über 7 Prozent.

Die verschlechterte Versorgungslage am deutschen Markt, die gerade zu beobachten ist, zeichnete sich also bereits 2020 ab. Derzeit führe sie laut Dr. Zobel zu einer erhöhten Zahl von Force Majeure Meldungen, diese lägen im deutlich zweistelligen Bereich: „Deutschland ist bei einer Vollauslastung der Kapazitäten ohnehin auf Importe angewiesen. Erschwerend kamen zuletzt die Auswirkungen der Pandemie wie verzögerte Wartungen oder wiederholte Produktionsstopps hinzu. Zudem bleiben Importe aus den USA oder China aus, da in beiden Ländern die Nachfrage das Angebot übersteigt“. Ein Ende der Engpässe sei daher vorerst noch nicht zu erwarten, so der Vorsitzende.

Hohe Nachfrage nach Kunststoffen für Lebensmittelverpackungen

Eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern habe ergeben, dass die Nachfrage nach Kunststoffen in Primärform zurzeit über alle Abnehmerindustrien hinweg sehr hoch ist. Das treffe besonders hoch auf solche Kunststoffe zu, die für persönliche Schutzausrüstungen gegen COVID-19 verwendet würden; außerdem auf Lebensmittelverpackungen, Automobilkomponenten und E&E Komponenten. Demzufolge sei die Kapazitätsauslastung der Unternehmen auch stark bzw. sehr stark ausgelastet. Dr. Zobel: „Erschwerend kommt hinzu, dass zum Stand April 2021 nur gut 80 Prozent der Kapazitäten tatsächlich auch am Markt verfügbar waren und ausgeschöpft werden konnten“. Als Gründe nannte er verzögerte Wartungszyklen aufgrund der Corona-Hygienemaßnahmen, fehlende Ersatzteile, Force Majeure und auch wiederholte Produktionsstopps aufgrund der Quarantäne von Belegschaften verschärften die Probleme.

Insgesamt bewertete Dr. Zobel die Perspektiven aber positiv und sah „gute Gründe für Optimismus. Die Impfkampagne in Deutschland schreitet voran, der asiatische Markt ist vergleichsweise robust und das trifft auf die Wirtschaft in den USA ebenfalls zu“.

Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer Plastics Europe Deutschland © Foto: Plastics Europe
Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer Plastics Europe Deutschland

Perspektiven positiv

Ingemar Bühler schloss das Gespräch mit einigen Worten zu wichtigen Weichenstellungen für die Kunststoffbranche ab. Die Kunststofferzeuger seien künftig auf mehr Rückenwind aus Politik und Gesellschaft angewiesen: „Bezahlbare Energie, Offenheit für Innovationen und fortschrittliche Technologien sowie zügigere und rechtssichere Genehmigungen für die neuen Anlagen der Kreislaufwirtschaft – all das braucht es, damit wir im globalen Wettbewerb um die Zukunft der Industrie bestehen“, so Bühler. Dann werde die Kunststoffbranche „weltweit führend bei nachhaltigen und innovativen Produkten und Prozessen sein – und einen wichtigen Beitrag für Wohlstand, Lebensqualität und Arbeitsplätze leisten“.

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