Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie warnt
Lieferketten zum Zerreißen gespannt

11.10.2021 Die Zulieferindustrie steht unter starkem Druck. Der Rohstoff- und Halbleitermangel führe bereits zu signifikanten Produktionsausfällen in vielen Abnehmerbranchen.

Die deutschen Zulieferer schlagen Alarm: Der Rohstoff- und Halbleitermangel setzt der gesamten Industrie zu.
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Die deutschen Zulieferer schlagen Alarm: Der Rohstoff- und Halbleitermangel setzt der gesamten Industrie zu.

Nach dem Coronaschock und den schlagartigen Auftragseinbrüchen im ersten Quartal 2020 stehen nach kurzer Erholung mancherorts wieder die Bänder still. Für die vielen Zulieferbetriebe in Deutschland spitzt sich die Situation jetzt zu, warnt die Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie.

Verbindlich bestellte Lieferungen würden kurzfristig, zum Teil mit einem Tag Vorlauf, storniert, LKWs müssten wieder umkehren. Die Auslieferungsläger der Zulieferer laufen voll, es entstehen enorme Mehrkosten für Logistik und Lagerung. Gleichzeitig verweigerten Abnehmer, wie z.B. Automobilhersteller, die Abnahme der bestellten Ware und wehren berechtigte Zahlungsansprüche ihrer Lieferanten mit dem Hinweis auf den Chipmangel ab. Den Lieferanten werde die notwendige Liquidität und die Planungsgrundlagen entzogen.

Stabile und gegenseitig wertschätzende Beziehungen wären indes aktuell besonders wichtig. Die Zulieferer stünden ihrerseits unter nie dagewesenem Druck – bedingt durch die erheblichen Verwerfungen der weltweiten Lieferketten, in denen vergleichsweise kleine Störungen immer wieder enorme und langanhaltende Auswirkungen haben: Sie selbst müssten auf schwierigen Märkten einkaufen. Viele Rohmaterialpreise befinden sich auf historischen Höchstständen. Zum Teil sind die erforderlichen Mengen schlicht nicht verfügbar. Und gleichzeitig ziehen die Energiepreise stark an. Dadurch wird die Liquidität der Zulieferer zusätzlich belastet. Für viele mittelständische Unternehmen könnte dies das Aus bedeuten.

Christian Vietmeyer, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie: „Ein wichtiges Asset schwindet, nämlich das Vertrauen in die Verlässlichkeit von Kunden und deren Abrufankündigungen. So kann es nicht weitergehen. Wer auch morgen noch starke Wertschöpfungsketten will, darf jetzt Risiken nicht einseitig abwälzen und Verträge ignorieren. Wir brauchen sofort eine transparente Kommunikation, mehr Ehrlichkeit und einen fairen Umgang miteinander in den Lieferketten.“

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