Verbrauchertäuschung als Vorwurf
BUND ärgert sich über Bio-Kunststoffe

08.06.2022 Sogenanntes Bio-Plastik täuscht Verbraucher. Darauf weist erneut der BUND in einer Mitteilung hin. Es habe keinen ökologischen Mehrwert und sollte insbesondere im Verpackungsbereich vermieden werden.

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Zu diesem Ergebnis kommt der Arbeitskreis Abfall und Rohstoffe des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in seinem neu veröffentlichten Papier zu “Bio”-Kunststoffen. Anders als es das Bio-Label nahelegt, habe Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen nichts mit Bio-Lebensmitteln zu tun. Und es hätte auch keine bessere Ökobilanz als herkömmliche Kunststoffe.

'Bio' bedeutet, dass diese Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt würden oder, dass sie theoretisch kompostierbar seien. Dass 'Bio'-Kunststoffe in der Realität aber zu langsam verrotten, das meiste nicht recycelt sondern verbrannt würde und die Rohstoffe in Monokulturen angebaut werden, verschwiege die Industrie. „Das Label führt also absolut in die Irre", erklärt Janine Korduan, BUND-Expertin für Kreislaufwirtschaft. „Viele Bio-Kunststoff-Produkte enthalten Schadstoffe und sind aus toxikologischer Sicht nicht besser als herkömmliche Kunststoffe.“

Die schlechte Umweltbilanz von "Bio"-Kunststoffen habe nach Bund-Informationen verschiedene Gründe: Weil Biokunststoffe in der Regel für Einwegprodukte eingesetzt wird, landeten diese schnell im Müll. Dabei kommen die Rohstoffe zu seiner Herstellung überwiegend aus der industriellen Landwirtschaft und verursachten einen hohen Dünger- und Pestizideinsatz sowie Wasserverbrauch. Das alles trage zum Artensterben bei. Wenn „Bio“-Kunststoffe in die Umwelt gelangten, verrotten diese nicht oder nur schlecht. Mit ihm gelangten jede Menge schädliche Chemikalien in die Umwelt. Nur etwa ein Viertel der Produkte aus einer aktuellen Studie enthielten keine toxischen Stoffe. In industriellen Kompostierungsanlagen würden Bio-Kunststoffe aufwändig aussortiert und verbrannt, weil diese zu langsam verrotten. Viele Entsorger wollten deshalb keine "Bio"-Tüten und -Produkte in den Biotonnen haben.

„Für die Umwelt bringt 'Bio'-Plastik gar nichts: Die Herstellung verbraucht viele Ressourcen und bei der Zersetzung entstehen keine Pflanzennährstoffe. Das ist kein Recycling, sondern Ressourcenverschwendung“, so Korduan. Ökologisch sinnvoller wäre es aus Sicht des BUND, weniger Einweg-Verpackungen zu produzieren und konsequent auf Mehrweg zu setzen – in allen Bereichen: Getränke, Lebensmittel, Online-Handel und Business-to-Business. Jährlich würden über drei Millionen Tonnen Kunststoff-Verpackungen in Deutschland produziert.

„Mehrweg muss selbstverständlich werden und für Verbraucher:innen immer die günstigste Lösung sein“, so die BUND-Expertin. Die ab Januar 2023 kommende Mehrweg-Angebotspflicht würde dafür nicht ausreichen. Daher fordert der BUND eine zusätzliche bundesweite Einwegabgabe von mindestens 50 Cent pro Verpackung und 20 Cent pro Einmal-Besteck. Das Beispiel Tübingen hätte gezeigt, dass eine solche Abgabe zu weniger Müll im öffentlichen Raum und mehr Mehrweg-Angeboten führt.

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