Kunststoffverpackungen im Fokus
Ode an die PET-Schale

13.10.2021 Der Gang durch die Supermarktregale offenbart: Viele frische Lebensmittel sind nach wie vor in Kunststoffschalen verpackt, meist in PET. Warum eigentlich? Und überhaupt, wie sieht es mit der Kreislauffähigkeit aus?

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Verbraucher:innen stehen Kunststoffverpackungen eher kritisch gegenüber. Das wissen wir mittlerweise ziemlich gut. Andererseits scheinen Convenience, Sicherheit und Hygiene eine starke Rolle zu spielen. Mit der Folge, Verbraucher:innen greifen bei Obst, Gemüse oder Fisch und Fleisch trotzdem gerne zu. Auch zu Schalen und Trays. Dem Einzelhandel zur Freude. Denn die größtenteils aus PET bestehenden Schalen bieten viele Vorteile.

PET-Schalen sind aus Expertensicht wie gemacht für die Verpackung von Lebensmitteln. Ihre hohe Transparenz gibt freien Blick auf die Qualität und das Aussehen der begehrten Waren. Und die meist sehr gute Sauerstoffbarriere sorgt dafür, dass empfindliche Produkte wie Fleisch oder Fisch geschützt werden, ohne zusätzliche Verbunde einzusetzen. Das hilft der Kreislaufwirtschaft – und es werden auch viel weniger Lebensmittel verschwendet.

Doch wie sieht es mit der Kreislauffähigkeit wirklich aus?

Fragt man bei der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. nach, müssen die PET-Schalen in puncto Recycling noch aufholen. Und genau hierfür setzt sich der IK Arbeitskreis PET-Schalen mit Hochdruck ein.

„Das Material ist eigentlich ideal für einen Kreislauf geeignet, da es sich im Gegensatz zu anderen Kunststoffen beinahe unbegrenzt oft wiederaufbereiten lässt. Die PET-Flasche macht es vor. Hier handelt es sich jedoch um einen gesonderten Kreislauf, was zum einen dazu führt, dass das Material in einem sehr sauberen Zustand vorliegt und zum anderen die Sortier-, Wasch-, und Aufbereitungsprozesse für die Flaschen ausgelegt wurden. Bei den PET-Schalen ist es leider nicht so einfach“, sagt Sebastian Kremer von Silverplastics und Vorsitzender des Arbeitskreises.

Doch was sind PET-Schalen eigentlich? Grundsätzlich lassen sie sich in so genannte Monolayer-Schalen und Multilayer-Schalen unterscheiden. PET-Monolayer-Schalen kommen für Obst, Gemüse und Fleisch zum Einsatz und sind aus reinem PET gefertigt.

Anders die Multilayer-, also Mehrschicht-PET-Schalen, in die etwa Wurst und Käse gepackt werden. Sie bestehen aus einer stabilen Schale und einer flexiblen Deckelfolie. Damit die darin verpackten Lebensmittel noch länger haltbar sind, kommen neben PET noch weitere Polymere zum Einsatz: EVOH etwa bildet eine sichere Barriere gegen Sauerstoff und Polyethylen – kurz PE – schützt vor Wasserdampf und bildet eine Siegelschicht. Der Marktanteil der Multilayer liegt bei 60 Prozent.

Wie kann das Recycling funktionieren?

In Deutschland sammeln und sortieren die Dualen Systeme PET-Schalen. Sie werden in folgende Gruppen sortiert: Zum einen in Misch-PET mit jeweils unterschiedlichen Mischungsverhältnissen von transparenten PET-Flaschen und anderen formstabilen Artikeln aus PET, zum Beispiel eben Schalen. Die Misch-PET Fraktion wird im Anschluss meist nachsortiert, damit der Anteil an Flaschen weiter erhöht werden kann. Dabei fallen die PET-Schalen aber vorwiegend als Ausschussware an.

Die zweite Gruppe besteht hauptsächlich aus PET-Schalen – sie bilden einen Mindestanteil von 75 Prozent in dieser Fraktion. PET-Schalen werden bereits jetzt in geringen Mengen recycelt. Aus ihnen entstehen aber keine Schalen mehr, sondern beispielsweise Fasern für die Textilindustrie.

Zudem gibt es Anwendungen wie WC-Stein-Halter, die aus PET-Schalen hergestellt werden. „Für den Lebensmittelkontakt gibt es derzeit leider noch keine Anwendungen, die mir bekannt sind. Das ist jedoch einer der Kernpunkte, an denen der Arbeitskreis derzeit arbeitet“, so Kremer.

Damit es mit dem Recycling der PET-Schalen vorangeht, müssen alle Akteure der Wertschöpfungskette die Ärmel hochkrempeln: Die Verarbeiter sollten mit Fremdstoffen in und an der Schale sparsam umgehen, damit das Material möglichst gut zu recyceln ist. Die Recycling-Unternehmen müssen die Schalen gezielt aussortieren und beim Waschen und Aufbereiten des Materials PET-Schalen von vornherein mitdenken – und an dieser Stelle auch investieren.

Auch die Inverkehrbringer sind gefragt. Sie müssen weitere Komponenten bereitstellen, die optimalerweise ebenfalls aus PET bestehen. Nicht zuletzt liegt es auch in den Händen des Handels, PET weiterhin zu fördern.

Denn nur, wenn genug Material im Umlauf ist, wird wirtschaftliches Recycling möglich. Mit Blick auf Europa, wo deutlich größere Mengen an PET im Umlauf sind als in Deutschland, lohnt es sich für einen geschlossenen Recyclingkreislauf ebenfalls, verstärkt auf PET zu setzen.

Von Schale zu Schale

Ziel des Arbeitskreises PET-Schalen ist es daher, weiterhin am Thema „Tray 2 Tray-Recycling“ zu arbeiten. Denn besonders im Duett mit Lebensmitteln legen die klaren Schalen einen herausragenden Auftritt in Sachen Hygiene- und Schutzfunktion hin.

Um das Schale-zu-Schale-Recycling weiterzuentwickeln, hat der Arbeitskreis zwei erfolgreiche Großversuche durchgeführt. Die Ergebnisse untermauern, dass PET-Schalen in den Dualen Systemen grundsätzlich recyclingfähig sind. Nur verhindern gesetzliche Vorgaben, dass sie in ihrem nächsten Leben wieder als Verpackungen für Lebensmittel punkten können.

Ein weiteres Ergebnis: Rezyklate aus PET-Multilayer-Anwendungen können ebenfalls in einer Schale für den Non-Food Bereich wiederverwertet werden. Bei den Versuchen wurde auch die Kontamination der Rezyklate und der daraus wieder hergestellten Thermoformfolien bzw. Schalen angesehen. Die Ergebnisse sind positiv: Es ist davon auszugehen, dass dieses Rezyklat auch wieder für Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden könnte. Das Förderprojekt „Circutray“ wird diese Werte statistisch in den Blick nehmen.

Recycling-Anteil muss wachsen

Ziel ist es, dass PET-Schalen-Rezyklate im Lebensmittelbereich in Zukunft bald PET-Flaschen-Rezyklate aus dem Pfandsystem in der Herstellung von neuen Schalen nach und nach ersetzen können – und somit das PET-Recycling insgesamt weiter stärken. Schon jetzt gibt es PET-Rezyklate, bei denen PET-Schalen einen kleinen Teil des Materials beigesteuert haben.

Diese Menge muss in Zukunft größer werden. Damit dies gelingt, engagieren sich alle IK Mitgliedsunternehmen im Bereich PET-Schalen verstärkt darin, PET-Schalen-Rezyklate wieder in neuen Produkten einzusetzen.

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