EuPC zur SUP-Richtlinie und Verschmutzung der Weltmeere
Branchenübergreifende Kooperationen sind der Schlüssel

26.03.2021 Ein Ziel der Single-Use-Plastic-Richtlinie (SUP) liegt in der Reduzierung der Vermüllung unserer Weltmeere. Dieser Punkt wird von der Richtlinie selbst als eine Schlüsselmaßnahme zur Erreichung des UN-Ziels für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goal 14) hervorgehoben.

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Daher ist es für den europäischen Verband der Kunststoffverarbeiter von großer Bedeutung, den primären Zweck der Richtlinie bei der Entfaltung ihres Anwendungsbereichs im Auge zu behalten.

Die Kunststoffindustrie sei momentan sehr aktiv, die auf EU-Ebene festgelegten Umweltstandards zu erreichen. Das Ziel ist der Übergang zu einer vollständigen Kreislaufwirtschaft. Aber das gehe nur mit einer echten Kooperation mit anderen Markteilnehmern, einschließlich der Papierbranche, so der EuPC.

In den vergangenen Wochen wurden mehrere Positionen in Bezug auf die Arten von Gegenständen vorgebracht, die in den Anwendungsbereich der Einweg-Kunststoffrichtlinie aufgenommen werden sollten. Doch die Papierindustrie meldete ihre Bedenken an, indem sie den Ausschluss von polymerbeschichteten Papierprodukten forderte. Die Menge an enthaltenen Polymerfraktionen sei schließlich äußerst gering – eine Aufnahme in die Richtlinie daher nicht gerechtfertigt.

In diesem Zusammenhang weist der EuPC aber darauf hin, dass weder die Richtlinie über Einwegkunststoffe noch ihre Durchführungsrechtsakte eine Obergrenze in Bezug auf die Menge an Kunststoff festlegen, die in einem Produkt enthalten sein kann.

Kein Schwellenwert

Der einfache Grund dafür ist, dass kein spezifischer Schwellenwert festgelegt wurde. Und das liegt daran, dass die Europäische Kommission bei der Ausarbeitung der Richtlinie eher eine qualitative als eine quantitative Bewertung in Bezug auf die Arten von Produkten vorgenommen hat, die in den Anwendungsbereich der Richtlinie fallen.

Dieser Ansatz brachte den EU-Gesetzgeber zu dem Schluss, dass es nicht relevant sei, wie viel Kunststoff in einem einzelnen Produkt enthalten ist, sondern vielmehr, welche Funktion die polymere Komponente in der Gesamtfunktion des Gegenstands erfüllt.

Kein Raum für Zweifel

Die Position des EU-Gesetzgebers lässt nach Ansicht des EuPC keinen Raum für Zweifel in Bezug auf die Einwegprodukte aus Papier, auf die eine Polymer-Beschichtung oder der Einschluss von Kunststoffen in der Masse des Papierfaserbreis aufgebracht oder eingebracht wird, um z. B. eine Beständigkeit gegen Wasser oder Fette zu gewährleisten.

Im Hinblick auf das Littering-Verhalten der Verbraucher würden vielmehr Einwegprodukte aus Papier, die eine polymere Substanz enthalten, als umweltfreundlichere Artikel wahrgenommen, und diese Fehleinschätzung nehme mit der Abnahme des Kunststoffanteils im Produkt zu.

Aus diesem Grund sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass Produkte aus Papier/Pappe in der Umwelt entsorgt werden, da sich die Verbraucher im Allgemeinen der Konsequenzen eines unsachgemäßen Wegwerfverhaltens für Produkte, die als 100 % Papier wahrgenommen werden, weniger bewusst sind, während die Mehrheit der papierbasierten Einwegprodukte eine Kunststoffbarriere trägt.

Littering betrifft alle Materialien

Abgesehen davon, dass die Einweg-Kunststoffrichtlinie ein nützliches Mittel sei, um ein hohes Maß an Umweltschutz zu erreichen, sollte die gesamte Industrie, quer durch alle Sektoren, die Richtlinie als Motor für die Modernisierung und als Ansporn für die Forschung nach wirklich umweltfreundlichen Ersatzstoffen interpretieren, die in der Lage sind, sowohl ein hohes Maß an Umweltschutz als auch hohe Standards für die Leistung der Produkte zu garantieren.

Dieser Prozess sollte unterschiedslos alle Segmente der Industrie einbeziehen, um eine einheitliche Anpassung an den EU-Rechtsrahmen zu ermöglichen, ohne Produkte auszuschließen, deren Hauptbestandteil nicht Kunststoff ist, in denen aber Polymere, auch wenn sie in geringerer Menge vorhanden sind, zum jetzigen Zeitpunkt nicht durch andere Materialien ersetzt werden können, die vergleichbar hohe Leistungsstandards garantieren.

Der Kampf gegen die Verschmutzung der Weltmeere sollte also das Hauptanliegen der gesamten Branche sein, unabhängig vom Einsatzgebiet.


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