Packaging 360° Summit
Mützen für die Tassen

13.09.2021 Der Packaging 360° Summit 2021 von Lebensmittel Zeitung und packREPORT ist Geschichte. Wie unser Redakteur Matthias Laux die hybride Präsenzveranstaltung erlebte, lesen Sie hier.

Mit ausreichend Abstand: das lauschende Auditorium.
© Foto: packaging-360.com
Mit ausreichend Abstand: das lauschende Auditorium.

Da saß ich nun. Mal wieder unter Leuten. Im Hemd und Anzug. Zum ersten Mal seit, ja, seit wann eigentlich? Ich kann mich kaum noch erinnern, wann ich zuletzt in persona – und nicht daheim vor dem Monitor – einen Kongress besucht hatte. Und dann noch in einem großen Hotel. In der großen Stadt. Hach, wie aufregend! Und doch vertraut. Nun, zu sagen, auf unserem Verpackungssummit Packaging 360°, der Anfang September in Frankfurt stattfand, war es wie immer, das würde nicht stimmen.

Anders war es schon.

Lassen Sie mich erklären.

Sicher: Die eingeladenen Speaker:innen waren allesamt top vorbereitet. Keine Spur von Corona-Rost. Frisch und agil – die einen mehr, die anderen weniger – lauschte das Auditorium, stellte Fragen, freute sich auf die Kaffeepausen. Doch halt, da ging es schon los: Die gefüllten Kaffeebecher aus Porzellan, die einem von dem behandschuhten Hotelpersonal (sehr zuvorkommend!) gereicht wurden, waren jeweils von einem kleinen Stück Pappe abgedeckt, wie eine Mütze über die Tassen mit schwarzem Gold gestülpt – alles coronakonform.

Die Pandemie schien ein Megathema noch weiter befeuert zu haben – jenes der Nachhaltigkeit. Ich kann mich im Nachhinein, im Abstand von wenigen Tagen, an kaum einen Beitrag erinnern, in welchem die Vertreter:innen großer Markenartikler und bedeutender Handelsketten nicht über das große N-Wort gesprochen haben. Nachhaltig, nachhaltig, nachhaltig – oftmals verwirrt starrte ich auf mein Smartphone.

Ich habe mir seit dem Volontariat angewöhnt, aufgeschnappte Wortfetzen und Aussagen sofort in mein Mobiltelefon zu tippen. Man weiß ja nie. Wollen Sie mal einen Blick auf eine kleine Auswahl vom Verpackungssummit 2021 werfen?

- “Verpackung ist eines der relevantesten Nachhaltigkeitsthemen: 72 Prozent der Kunden geben an, dass die Verpackung einen Einfluss auf ihre Kaufentscheidung habe, da das Packaging der erste Kontaktpunkt des Kunden mit einem Produkt ist.“

- “40 Prozent der Kund:innen verbinden vor allem das Vermeiden von Verpackungsmüll mit Nachhaltigkeit.“

- “In Deutschland ist die Infrastruktur für Sammlung und Sortierung von Verpackungsabfällen sehr gut ausgebaut; international dagegen weniger gut.“

Noch lange nachgedacht habe ich über den Beitrag von Ev Bangemann, Managing Partner Consumer Products & Retail bei Ernst & Young (Titel: „Veränderungen im Konsumverhalten – Auf diese Kund:innen muss sich der Handel einstellen“). Frau Bangemann stellte drei konkrete Gebote für Unternehmen vor, um „Nachhaltigkeit in der gesamten Firma zu verankern und die Verbraucher in ihrem nachhaltigen Handeln zu unterstützen“. Auf die ersten beiden Punkten kommen Sie selbst, versprochen, aber Nummer 3 fand ich spannend:

- “Fokus auf erschwingliche Nachhaltigkeit: Bringen Sie Preis und Nachhaltigkeit in Ihrer Produktpalette ins Gleichgeweicht.“ Und weiter: „Die Bereitschaft der Verbraucher, für nachhaltige Produkte einen Aufpreis zu zahlen, ist in den verschiedenen Kundensegmenten unterschiedlich.“

Aha, nun waren wir am Ende also doch wieder beim lieben Geld. Manchen Themen kann selbst auch eine grassierende Pandemie einfach nichts anhaben. Hach, wie aufregend! Und doch vertraut.


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