Trotz Lockdown-Ende
Erholung bleibt unter Vor-Corona-Niveau

14.07.2021 Der Lockdown im März/April 2020 sowie der ab November 2020 geltende Teil-Lockdown haben der Getränkebranche stark zugesetzt.

Ein beliebtes Produkt im Getränkefachgroßhandel: Coca-Cola.
© Foto: IMAGO / Norbert Schmidt
Ein beliebtes Produkt im Getränkefachgroßhandel: Coca-Cola.

Der Teil-Lockdown wurde am 23. April 2021 durch die Regelungen der Bundesnotbremse ersetzt, die bis Ende Juni 2021 galt. Die Notbremse gibt einheitliche Corona-Regelungen in Abhängigkeit der Inzidenz vor. Das führte ab Mai 2021 zu ersten regional flächendeckenden Öffnungen der Gastronomie.

Wie hoch die Auswirkungen für den Getränkefachgroßhandel sind, zeigen Auswertungen der GEDAT Getränkedaten GmbH, Hamburg.  Basis der Erhebung ist die Anzahl der monatlich belieferten Betriebe im Außer-Haus-Markt durch den Getränkefachgroßhandel. Die Vergleichswerte beziehen sich auf den Juni 2019 mit einem Index von 100. Die Zahlen von GEDAT zeigen einen deutlichen Anstieg im Mai 2021 von fast 20 Indexpunkten gegenüber dem Vormonat April, der bei 27,4 lag. Trotz dieser Steigerung bleibt das Vor-Corona-Niveau noch um knapp 44 Indexpunkte unterschritten. Die Erholung darf auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine quantitative Steigerung der Anzahl der Lieferungen nicht gleichzeitig für eine gleichstarke Erholung des Umsatzes des Getränkefachgroßhandels spricht. Aus der Branche ist zu hören, dass die ersten Bestellungen der Gastronomie im Mai wesentlich kleinteiliger ausgefallen sind. Die Belieferung lief verhalten an und musste durch mehrere Fahrten mit kleinen Stoppgrößen erfolgen.  Das verursachte erstmal einen höheren Aufwand. „Die Lager im Außer-Haus-Markt waren schlicht leer, alles musste bestellt werden“, so heißt es.

„Anzahl der belieferten Betriebe sinkt dramatisch“

Es ist zu erkennen, dass in der Vor-Corona-Zeit neben den gewöhnlichen saisonalen Schwankungen die Anzahl der monatlichen Lieferungen auf relativ konstantem Niveau bleibt. So gibt es auch 2019 das im Jahresvergleich typische hohe Niveau im Sommer und einen leichten Rückgang zum Winter. Mit Beginn des ersten Lockdowns am 19. März 2020 sinkt das Niveau auf einen Schlag drastisch. Es ist ein Rückgang von rund 80 % im April 2020 festzustellen. Die anschließende Erholung tritt nach Ende des ersten Lockdowns ab Mai 2020 ein und findet ihren Höhepunkt im September des Jahres 2020. Dabei bleibt sie aber unter dem Ursprungsniveau der Vergleichsmonate des Vorjahres 2019.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich mit Beginn des zweiten Teil-Lockdowns im November 2020 ab. Wieder sinkt die Anzahl der durch den Getränkefachgroßhandel belieferten Betriebe im Außer-Haus-Markt dramatisch. Diesmal auf einen Tiefststand von 19,3 Punkten im Januar 2021 und damit 65,4 Punkte unter den Oktober 2020, dem letzten vollständig geöffneten Monat vor dem Lockdown.

„Betriebe mit Fokus auf den Getränkeverkauf zählen zu den größten Verlierern“

Ein Blick auf die Betriebe nach Geschäftstyp zeigt über die Zeit unterschiedliche Verläufe. So ist die Anzahl der Lieferungen im ersten Lockdown ähnlich stark - im Bereich Beherbergung um rund 85 % und bei Betrieben mit Fokus auf den Getränkeverkauf um fast 90 % - eingebrochen. Die Speisegastronomie kommt ein wenig besser davon, dort ist es ein Rückgang um rund 75 %. Die anschließende Erholung im Sommer 2020 fällt bei den Betriebsformen recht ähnlich aus. Während der Mai 2020 noch etwas zurückhaltend ist, steigt die Anzahl der belieferten Betriebe über den Sommer wieder auf ein vergleichbares, wenn auch reduziertes, Niveau von vor dem Lockdown.

Der zweite Lockdown ab November 2020 führte erneut zu starken Abstürzen und ist mit sechs Monaten sehr viel länger. Dort zählen die Betriebe mit Fokus auf den Getränkeverkauf zu den größten Verlierern. Sie sinken mit einem Index von 9,2 im Januar 2021 sogar noch unter das Niveau des ersten Lockdowns. Nicht ganz so hoch sind die Verluste bei den Beherbergungsbetrieben. Dort sinkt der Index von 82,3 im Oktober 2020 dann im Januar 2021 auf einen Tiefststand von 19,3, was einem Verlust von 63 Indexpunkten entspricht. Am besten kommen Betriebe mit Ausrichtung auf den Verkauf von Speisen weg, sie sinken im Januar 2021 auf einen Tiefstwert von 26,5. Damit verzeichnen sie einen Verlust von 59 Punkten zum Oktober 2020, dort lag der Index bei 85,5.


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