HPV: „Lohnforderung von Verdi ist realitätsfe...
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„Lohnforderung von Verdi ist realitätsfern“

Der Hauptverband der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie (HPV) startet am 25. Januar 2023 in Berlin in die diesjährige Tarifrunde. Der Verhandlungsführer des HPV, Jürgen Peschel, erwartet herausfordernde Verhandlungen.

Die Lohnforderung der Gewerkschaft Verdi in Höhe von 10,5 Prozent (Laufzeit: 12 Monate) trifft auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld; aktuell bewegt sich die Branche in einer Rezession, heißt es seitens des HPV. Gleichwohl plant Peschel den Kurs der letzten Jahre fortzusetzen: das Wohl von Unternehmen und Beschäftigten gleichermaßen im Blick zu haben. Dies bedeute besonders, die finanziellen Spielräume der Unternehmen in den Fokus zu nehmen.

„Die Lohnforderung der Gewerkschaft von 10,5 Prozent kann nur aus einem Impuls heraus entstanden sein, der den Blick auf das Thema Inflation einengt und diese Momentaufnahme als Dauerzustand fortschreibt“, sagte der Verhandlungsführer des HPV. „Eine solche Herangehensweise ist aus zwei Gründen sehr fragwürdig: Erstens hat der Staat mit seinen bislang drei Entlastungspaketen die außerordentlichen Belastungen mit vielfältigen Instrumenten gedämpft. Zweitens deuten alle nationalen und internationalen Prognosen darauf hin, dass sich die Teuerung wieder deutlich reduziert.“ So prognostiziert beispielsweise die Deutsche Bundesbank bei der Inflationsrate im nächsten und übernächsten Jahr nur noch eine Höhe von 4 bzw. 2,75 Prozent.

Papierverarbeitende Industrie befindet sich im Rezessions-Modus

Noch gravierender ist allerdings die aktuelle wirtschaftliche Situation in der Papierverarbeitenden Industrie: Nach einem starken Einbruch, bedingt durch den Corona-Lockdown im Frühjahr 2020, stieg das Auftragsvolumen – gemessen am Volumen, nicht aber am Wert – zwar um 9,2 Prozent an. Die Erholung hielt jedoch nur bis Mitte 2021 an. Seit Anfang 2022 gingen die Auftragseingänge zurück, seit dem Sommer 2022 sogar massiv. Dies deutet auf eine ausgeprägte und anhaltende Branchenrezession hin. Bereits vor der Corona-Krise waren die finanziellen Spielräume bei vielen Unternehmen stark eingeengt und wurden durch die Krise verstärkt. Diese Situation hat sich durch hohe Rohstoffpreise, explodierende Energiekosten und das Wegbrechen großer Absatzmärke in Osteuropa nochmals verschärft.

Vor diesem Hintergrund strebt Peschel Planungssicherheit für die Unternehmen an. Diese soll durch einen schnellen Abschluss erreicht werden, der vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zügig hilft, allerdings ohne gleichzeitig die Unternehmen vor eine nicht finanzierbare Aufgabe zu stellen. „Seit 2012 sind die Löhne und Gehälter in unserer Branche um 26 Prozent gestiegen, davon ist real ein ordentliches Plus im Geldbeutel verblieben. Auch wenn die zurzeit hohe Inflation die Menschen belastet, können die Belegschaften auf mittlere Sicht weiterhin von den Entgelterhöhungen in der Branche profitieren – beispielsweise durch die letzte Entgelterhöhung im Mai 2022.

„Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Forderung der Gewerkschaft Verdi von 10,5 Prozent nicht nur realitätsfern. Sie wäre in dieser Form das Konjunkturprogramm für einen umfangreichen Abbau von Arbeitsplätzen“, sagte der HPV-Verhandlungsführer.




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