Collin Weber: „Nach 25 Jahren fällt es natürl...
Collin Weber

„Nach 25 Jahren fällt es natürlich nicht leicht, loszulassen“

Anlässlich der interpack zieht Collin Weber exklusiv beim packREPORT Bilanz: Was ihm bei der Wahl der Nachfolge wichtig war, wie sich die Aufgaben und Berufsbilder in der Verpackungsbranche in all den Jahren verändert haben – und was aus seiner Sicht zu dem „insgesamt schlechten Image der Verpackung in der Öffentlichkeit“ geführt hat.

Seit Ende der 90er Jahre ist die Collin Weber Personalberatung GmbH mit Sitz in Karlsruhe auf die Besetzung von Fach- und Führungspositionen in den Bereichen Packstoffe und Packmittel, Prozess- und Verpackungstechnik und des produzierenden Gewerbes spezialisiert. Mit „People for Packaging“ hat Weber zudem eine seit Jahrzehnten etablierte und renommierte Marke im Markt geschaffen.

Nun wurde vor wenigen Wochen publik, dass die BGH-Consulting GmbH die Collin Weber Personalberatung GmbH übernommen hat. „Mit der Übernahme“, so hieß es, „legt Weber sein Lebenswerk nun in die erfahrenen Hände“ des Starnberger Unternehmens.

Der packREPORT wollte es, wie immer, genauer wissen

Herr Weber, wir müssen es natürlich einmal ansprechen: Sie haben vor kurzem Ihr Lebenswerk, die branchenweit sehr bekannte Collin Weber Personalberatung GmbH, in die Hände der BGH-Consulting GmbH gelegt. Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt, diese Entscheidung gefallen?

Collin Weber: „Nach 25 Jahren fällt es natürlich nicht leicht, loszulassen. Aber loslassen heißt ja nicht fallen lassen. Bei der Wahl der Nachfolge war es mir wichtig, einen professionellen Partner zu finden, der sowohl über Branchenkompetenz verfügt als auch Erfahrungen in der Personalberatung mitbringt. Mit der BGH Consulting, die ebenfalls über zwei Jahrzehnte in diesem Geschäft zu Hause ist, habe ich zudem eine größere Organisation gefunden, in der sehr viele Synergien genutzt werden können. In der Person Sven Braun, der das Team in Karlsruhe weiter führen wird, sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung gegeben. Auch ich werde noch einige Zeit diesen Prozess begleiten. Meine vielen persönlichen Kontakte werde ich auch weiterhin pflegen und somit der Branche verbunden bleiben.“

Seit Ende der 90er Jahre sind Sie tätig bezüglich der Besetzung von Fach- und Führungspositionen in der Verpackungsindustrie. Ein Resümee, bitte: Was hat sich seitdem in diesem Bereich getan? Welche Eigenschaften waren damals besonders gefragt, welche sind es heute?

Collin Weber: „In der Verpackungswirtschaft hat es in den letzten Jahren immer wieder neue Herausforderungen gegeben, die zu Veränderungen geführt haben. Dieser Prozess hat sich durch das Thema Nachhaltigkeit beschleunigt. Viele Unternehmen haben hier Nachholbedarf und müssen komplexe Anforderungen noch schneller lösen. Es gibt kaum ein Unternehmen, welches sich des Themas Verpackung entziehen kann. Das sind nicht nur Lieferanten von Materialien und Verpackungstechnik, sondern verstärkt die ‚Inverkehrbringer‘. Die Wahl der Verpackung ist ganz an den Anfang der Produktentwicklung gerückt. Am Thema Kreislaufwirtschaft kommt niemand mehr vorbei. Hierdurch haben sich auch die Berufsbilder und Aufgaben in den Unternehmen verändert. Dazu braucht es Menschen mit speziellen Qualifikationen. Diese zu finden und zu gewinnen braucht es mehr, als nur Stellenanzeigen zu veröffentlichen.“

Lassen Sie uns noch einen Blick auf die Verpackungsbranche als Ganzes werfen. Was hat Sie in all den Jahren vielleicht gestört, wo sehen Sie Nachholbedarf? Und wo würden Sie sagen: „Das hat die Verpackungsbranche als Ganzes super hinbekommen!“?

Collin Weber: „Die Verpackungsbranche als Ganzes gibt es ja so nicht. Zwei große Bereiche sind die Lieferanten von Verpackungsmaterialien sowie die Prozess- und Verpackungstechnik. Den besten Gesamteindruck erhält man bei einem Besuch von Fachmessen, wie beispielsweise zur Interpack mit fast 3.000 Ausstellern und erwarteten 170.000 Besuchern. Die meisten Unternehmen reagieren insgesamt gut auf die Herausforderungen und haben alles im Griff. Aber hier passt das Zitat des ehemaligen Rennfahrers Mario Andretti: ‚Wenn du glaubst, alles im Griff zu haben, bist du zu langsam.‘ Nachholbedarf sehe ich in der Öffentlichkeitsarbeit, damit nicht nur Fachleute den Nutzen und die Vorteile von Verpackungen erkennen. Lidl macht mit der Kampagne Kreislaufflasche etwas vor. Der teils sehr kurzsichtig geführte Wettbewerb der Materialhersteller hat mit zu dem insgesamt schlechten Image der Verpackung in der Öffentlichkeit geführt. Hierzu könnte ein Gesamtverband der Verpackungswirtschaft beitragen, wie es bereits Dieter Berndt vor vielen Jahren gefordert hat.“

 

 








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