PACKAGING360° 1/2022

Smart Packaging auf Wachstumskurs Sie sind intelligent und kommunikativ: Smarte Verpackungen verändern den Handel und die Logistik. Kampfansage der Eigenmarken Mit edlen Materialien und Top-Designs konkurrieren Handelsmarken erfolgreich mit bekannten Brands. Ausgabe 01/ 2022

Kennzeichnung mit Tinte, Laser und Etiketten Smarte Kennzeichnungslösungen für die Lebensmittelindustrie Produkt- und Verpackungskennzeichnung hat einen entscheidenden Einfluss auf die Kaufentscheidung am PoS. In der Lebensmittelindustrie kann daher intelligente Kennzeichnungstechnik die Pflicht zur Kür machen. Jetzt Nahrungsmittel-Special ansehen Sehen Sie im Bluhm TV-Special, wie die Nahrungsmittelbranche von smarten Beschriftungs- und Etikettiersystemen profitieren kann. bluhmsysteme.com/food-folge

Gemeinsam für das Gute Unternehmen und Umweltorganisationen ziehen zunehmend an einem Strang, um mehr Nachhaltig- keit in der Verpackungsbranche zu erzielen. Wer hätte das noch vor kurzem gedacht: „Kunststoff wird händeringend gesucht!“ Eine Schlagzeile, die auch zeigt, wie dramatisch sich die Welt in den vergangenen Monaten durch Pandemie, Rohstoffknappheit und Krieg gewandelt hat. Die Diskussion dreht sich inzwischen nicht mehr um gute oder schlechte Verpackungsmaterialien, sondern fast nur noch darum, was wie schnell verfügbar ist. Trotz allem begleitet uns das Thema Nachhaltigkeit aber auch weiterhin. Nicht zuletzt deshalb, weil die großen Markenhersteller an ihren ambitionierten Zielen festhalten und sich auch daran messen lassen wollen. Die Ideen sind vielversprechend, wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Ausgabe von Packaging360° lesen können. Da gibt es zum Beispiel neue Rücknahmesysteme für Verpackungen oder alternative Verpackungsmaterialien, die ins heiße Nudelwasser geworfen werden können (Seite 30). Doch trotz aller Bemühungen und Innovationen wird der Verpackungsindustrie häufig vorgeworfen, Greenwashing zu betreiben. Der Gegenwind kommt meist von Nichtregierungsorganisationen und Um- weltverbänden, die dabei aber selbst oft ein doppeltes Spiel betreiben. Einerseits üben sie harsche Kritik, andererseits kooperieren sie immer häufiger mit der Industrie. Auch hier scheint sich also die Grenze zwischen Gut und Böse langsam aufzulösen. Die Konsumenten sehen diese Diskussion ohnehin ziemlich gelassen. Solange es dem Ziel der Nachhaltigkeit dient, ist für sie meist alles in Ordnung (Seite 10). Neben dem Trend zur Nachhaltigkeit gibt es aber auch noch weitere gesellschaftliche Trends, die sich unmittelbar auf die Verpackungsbranche auswirken. Etwa die Genderdiskussion, die mitunter skurrile Packaging-Lösungen hervorbringt (Seite 60). Oder den Trend zu einer „Silver Society“, der den Wider- streit zwischen altersgerechten und kindersicheren Ver- packungen neu belebt (Seite 64). Und schließlich die Digitalisierung, die mit zahlreichen Smart-Packaging-­ Lösungen längst Einzug in die Regale der Einzelhändler gefunden hat (Seite 22). Hier zeigt sich einmal mehr, dass es kaum ein span- nenderes und vielseitigeres Thema als Packaging gibt. Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre. Peter Schneider Chefredakteur Packaging360° Impressum Packaging360° Das unabhängige Verpackungsmagazin Ausgabe 01/2022 www.packaging-360.com Verlag: Deutscher Fachverlag GmbH Mainzer Landstraße 251, 60326 Frankfurt am Main (069) 75 95-01, www.dfv.de Geschäftsführung: Peter Esser (Sprecher), Sönke Reimers (Sprecher), Thomas Berner, Markus Gotta Aufsichtsrat: Andreas Lorch, Catrin Lorch, Edith Baumann-Lorch, Peter Ruß Gesamtverlagsleitung: Torsten Kutschke Verlagsleitung: Dirk Lehmann (069) 7595-1291, dirk.lehmann@dfv.de Chefredaktion: Peter Schneider (069) 7595-3051, peter.schneider@dfv.de Redaktion: Anna Ntemiris Autoren: Wolfgang Borgfeld, Karen Gellrich, Franziska Jandl Lektorat: Leila Haschtmann Anzeigenverkauf: Martina Klusak (069) 7595-1228, martina.klusak@dfv.de Grafik: Rainer Stenzel Produktion: Printmedien-Services dfv Druck: Westdeutsche Verlags- und Druckerei GmbH Kurhessenstraße 4 – 6, 64546 Mörfelden Mit Übergabe des Manuskripts durch den Verfasser an die Redaktion gehen alle Verlagsrechte auf Packaging360° über. Nutzungsrechte: Die vorliegende Fachzeitschrift wird in gedruckter und digitaler Form vertrieben und ist aus Datenbanken abrufbar. Eine Verwertung der urheberrecht- lich geschützten Artikel und Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigung, Verbreitung, Digitalisierung, Speicherung in Datenbanksystemen oder Inter- und Intranet, ist unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheber- gesetz nichts anderes ergibt. Sollten Sie Artikel aus dieser Zeitschrift nachdrucken, in Ihr Internet- oder Intranet- angebot übernehmen oder per E-Mail versenden wollen, können Sie die rforderlichen Rechte bei der Deutschen Fachverlag GmbH erwerben. Ihre Anfrage können Sie an content-syndication@dfv.de richten. Telefonische Aus- kunft erhalten Sie unter (069) 7595-2042. Für die Über- nahme von Artikeln in Ihren internen elektronischen Pressespiegel erhalten Sie die erforderlichen Rechte unter presse-monitor.de oder telefonisch unter (030) 284930 bei der PMG Presse-Monitor GmbH. Cover: Lea Toews / iStock 3 Editorial

Titelthema 10 —Greenwashing Grün, aber bitte ungefärbt! Ist der Greenwashing-Verdacht nur ein Mythos oder eine ernste Gefahr? Während Unternehmen aus der Verpackungsbranche und Konsumgüterindustrie zunehmend Kooperationen mit Umweltverbänden ein- gehen, will die Europäische Union durch neue Gesetze mehr Transparenz für Verbraucher erreichen. 18 —Greenwashing Interview Begriffe wie Bioplastik können Timothy Glaz auf die Palme bringen. Der Leiter Corporate Affairs beim Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz spricht im Interview über Greenwashing und Entwicklungen im Kunststoffrecycling. 3 — Editorial 3 — Impressum 6 —Kurz & knapp Inspiration 20 —News 22 — Intelligente Verpackungen Die Zeit ist reif für Smart Packaging Es gibt Verpackungen, die mit ihren potenziellen Käufern oder Nutzern situationsabhängig kommunizieren, die Auskunft geben, ob sie sachgemäß behandelt wurden oder wie sie zu benutzen sind. Noch sind derartige Anwen- dungen rar gesät. Doch es tut sich was. 30 — Lebensmittelverpackung Die Verpackung ist die Zutat Sind essbare Verpackungen ein Zukunftsmodell oder ein Marketinggag und damit brotlose Kunst? Fakt ist: Auch große Unternehmen setzen auf nachhaltige Materialien bei Lebensmittelverpackungen und experimentieren mit neuen Zutaten. 34 —Verpackungsdesign Wegweisende Verpackungsdesigns Die European Brand & Packaging Design Association (epda) hat zusammen mit der britischen Unternehmensberatung Insider Trends die inspirierendsten Verpackungsideen des Jahres 2021 aufgespürt. 22 4 Inhalt

Innovation 38 —News 40 — Eigenmarken Vom Billigheimer zum Trendsetter Eigenmarken machen durch ein ansprechendes Verpackungsdesign, ein gutes Preis-Leistungs- Verhältnis und eine hochwertige Qualität den Markenprodukten das Leben zunehmend schwer – und das schon lange nicht mehr nur im Preiseinstiegssegment. 44 —Marktentwicklung „Materialkompetenz wird entscheidender für den Wettbewerb“ Im Interview spricht Christoph Kopp, Leiter der Studie „Die europäische Verpackungsindustrie 2025“ der Unternehmensberatung Horváth, über die Herausforderungen für die Verpackungsunternehmen. 46 —Marktentwicklung 5 Megatrends im Packaging Es gibt fünf Megatetrends im Packaging. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Horváth AG beleuchtet Trends und Perspektiven der Verpackungsbranche in Europa. 48 — Upcycling Wie Müll zum Wertstoff wird Upcycling ist eines der Ziele der Kreislaufwirtschaft. Es gibt unterschiedliche Ansätze auf dem Weg dorthin. Ob Konsumgüterbranche, Handel oder Verpackungshersteller – das Bewusstsein für die Wertstoffe im Müll wächst. Image 52 —News 54 — PepsiCo Neue Strategie für mehr Nachhaltigkeit Mehr als eine Milliarde Produkte von PepsiCo werden täglich weltweit konsumiert, die meisten mit Verpackungen aus Kunststoff. Der zweit- größter Lebensmittelkonzern der Welt sieht sich daher in der Verantwortung, die Verpackungsabfälle erheblich zu reduzieren. 58 — PepsiCo „Effektive Strukturen für Recycling aufbauen“ Torben Nielsen, CEO von PepsiCo Deutschland, Österreich, Schweiz (DACH), bezieht im Interview Stellung zu einer Kreislaufwirtschaft für Verpackungen, zur Ausweitung des Pfandsystems und zur Bereitschaft der Verbraucher, für nachhaltige Produkte mehr zu zahlen. 60 —Gender Shift Für Prinzessinnen und Piraten wird es eng im Regal Das Zukunftsinstitut veröffentlicht seine zwölf Megatrends zur Transformation unserer Welt – und allen voran auf der Liste steht der Gender Shift. Das ist nicht nur für Diversity-Aktivisten wichtig, sondern für jedes Unternehmen, das relevant bleiben will. 64 — Silver Society Das Leben der Anderen Global altern Gesellschaften rasant. In Deutschland finden Senioren jedoch wenig barrierefreie Pro- dukte im Regal. Markenartikelhersteller steigen wegen der Kosten und dem Zwang zur Nachhaltigkeit nur langsam auf gebrauchsfreundlichere Verpackungen um. 54 5 Inhalt

Allensbach-Studie: So digital ist die Verpackungsindustrie Alle wollen die Digitalisierung voranbringen. Doch welche Schritte sind die Unternehmen in der Verpackungsindustrie bereits gegangen? Eine Allensbach-Studie im Auftrag der Unternehmensberatung TTE-Strategy und in Zusammenarbeit mit Packaging 360° hat dies erforscht. Die Mehrheit der Unternehmen in der Verpackungsindustrie (59 Prozent) hält sich bei der Digitalisierung für mindestens „ganz gut aufgestellt“. Doch gleichzeitig erklärt weniger als die Hälfte der Befragten, dass sie schon Maßnahmen umgesetzt habe. Nur eine Minderheit, 34 Prozent, der Befragten ist bisher einer Digitalisierungsstrategie gefolgt. Das ist ein Ergebnis einer aktuellen und repräsentativen Studie in der Verpackungsindustrie in Deutschland, Österreich und der Schweiz des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung TTE Strategy und in Zusammenarbeit mit Packaging 360°. Konkret kam bei der Frage nach bereits umgesetzten Digitalisierungsmaßnahmen heraus: 46 Prozent haben sich mit Lieferanten vernetzt, 36 Pro- zent datengetriebene Prozessoptimierung eingeführt, 32 Prozent setzen digitale Werkzeuge zur Minimierung von Stillständen ein. Die Zufriedenheit mit den Ergebnissen schwankt. Einzelmaßnahmen statt Strategie Auf den beiden letzten von 15 Plätzen zur Umsetzung von Digitalmaßnahmen liegen digitale Werkzeuge, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) Verkaufspotenziale einschätzen sowie ein smartes Beschwerde- und Reklamationsmanagement. Nur jeweils fünf Prozent der befragten Unternehmen haben angegeben, das eine oder das andere eingeführt zu haben. Ebenfalls nur selten umgesetzt: KI zur Optimierung von Transport- und Lieferketten (6 Prozent), sogenannte ‚Digitale Zwillinge‘ (12 Prozent), vollautomatisierte Lager (19 Prozent) und Prozessautomatisierung (Robotic Process Automation, 21 Prozent). „Es lassen sich drei Trends in den Allensbach-Zahlen erkennen“, sagt Lars Linnekogel, Gründer und Managing Director von TTE Strategy. „Erstens: alle befragten Unternehmen haben sich dem Thema Digitalisierung angenommen, aber keine Selbsteinschätzung der Digitalisierung im Unternehmen Die bisher umgesetzten Digitalisierungsmaßnahmen werden bewertet als ... Hinken etwas hinterher ... weniger großer Erfgol ... eher kein Erfolg ... unentschieden ... sehr großer Erfolg ... großer Erfolg Gehören zu den führenden Unternehmen Sind ganz gut aufgestellt 48% 41% 11% 64% 20% 11% 4% 6 Kurz & knapp

Die Digitalisierungsmaßnahmen im eigenen Unternehmen sind ... Der Stand der Digitalisierung im eigenen Unternehmen Technologie wird bisher von einer erkennbaren Mehrheit eingesetzt. Zweitens: die Unternehmen haben mehr Maßnahmen umgesetzt, um Kosten zu senken, als um Umsatz zu steigern. Und drittens: die Zufriedenheit hinsichtlich der umgesetzten Maßnahmen schwankt, auch wenn mehrheitlich eine grundsätzlich zufriedene Tendenz ablesbar ist.“ 38 Prozent der befragten Unternehmen, die digitale Werkzeuge zur Minimierung von Stillständen eingeführt haben, sind mit diesen unzufrieden. Jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) äußert Unzufriedenheit mit der Umsetzung von datengetriebener Prozessoptimierung (Process Mining) sowie der Vernetzung mit Lieferanten, 23 Prozent sind mit ihrem digitalen Kundenportal nicht zufrieden. Eine besonders hohe Zufriedenheit verzeichnen eingeführte vollautomatisierte Lager (73 Prozent „sehr zufrieden“) und 3D-Drucker (69 Prozent). Zeitpläne nicht eingehalten Während die Unternehmen bei allen untersuchten Einzelmaßnahmen mehrheitlich mindestens eher zufrieden sind, ist aber abseits der benannten Lager und 3D-Drucker stets nur eine Minderheit ‚sehr‘ zufrieden (durchschnittlich: 22,5 Prozent ohne die gerade benannten Maßnahmen). Mögliche Gründe für diese eher nüchternen Bewertungen liefern die Unternehmen in der Allensbach-Befragung gleich mit: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) gaben an, dass die Zeitpläne für die Einführung der Maßnahmen nicht eingehalten werden konnten. Bei 37 Prozent wurden die zuvor prognostizierten Kosten überschritten. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) arbeitet nur auf der Ebene von Einzelmaßnahmen an der Digitalisierung. Darum haben sich die Unternehmen vor allem von IT-Experten unterstützten lassen (78 Prozent), nur eine kleine Minderheit von 14 Prozent hat auch strategische Expertise herangezogen. Im Auftrag von TTE Strategy hat das Institut für Demoskopie Allensbach 81 Unternehmen aus der Verpackungsindustrie in Deutschland (60), Österreich (9) und der Schweiz (12) auf oberer Führungsebene hinsichtlich der Digitalisierung des eigenen Unternehmens befragt. Ein Viertel der Unternehmen setzt mehr als 100 Millionen Euro im Jahr um, zehn Prozent mehr als 500 Millionen Euro. Ein Schwerpunkt der Studie liegt auf konkreten Aussagen zur faktischen Umsetzung von Maßnahmen im eigenen Unternehmen – und unterscheidet sich dadurch von zahlreichen anderen Sektor-Studien auf Basis von Selbsteinschätzungen. TTE Strategy ist eine international tätige, unabhängige Unternehmensberatung für Strategie und Transformation. Seit der Gründung im Jahr 2015 berät TTE Strategy Unternehmen in den Bereichen Strategie, Operations, Commercial Excellence und digitale Transformation. Es gibt eine umfassende Strategie Sind gerade dabei, eine umfassende Strategie zu entwickeln ... sowohl eine Reaktion als auch proaktive Initiative ... Reaktionen auf Notwendigkeiten von außen ... vor allem proaktive Initiative Setzen eher auf einzelne Maßnahmen Keine Angabe 48% 53% 34% 12% 14% 11% 7 Kurz & knapp

4,3 Millionen Tonnen Kunststoff- verpackungen wurden 2020 in Deutschland produziert. Der größte Anteil davon sind mit 1,7 Millionen Tonnen Verpackungsfolien. Quelle: Statistisches Bundesamt, Industrievereinigung Kunststoffverpackungen Quelle: Statista, 2022 Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat nach Angaben der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) auch weitreichende Auswirkungen auf die Hersteller von Kunststoffverpackungen in Deutschland. Die sprunghaft angestiegenen Erdgaspreise und die hoch volatilen Strompreise verteuerten unmittelbar die Herstellung von Verpackungen und Folien aus Kunststoff, erklärt der IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann. Zudem haben laut Engelmann bereits einige Rohstoffher- steller drastische Preiserhöhungen für wichtige Rohstoffe wie Polyamid angekündigt, die zum Beispiel für Lebensmittelverpackungen unersetzbar sind. „Viele mittelständische Unternehmen der Branche sehen sich in ihrer Existenz bedroht“, sagt Engelmann unter Verweis auf eine aktuelle Mitgliederumfrage. Dabei schätzen knapp 80 Prozent der Verpackungshersteller die aktuelle Ertragslage als schlecht ein. „Wenn sich die Produktion aufgrund der hohen Energie- und Rohstoffkosten nicht mehr lohnt und Maschinen abgeschaltet werden, drohen wichtige Lieferketten zu zerreißen“, warnt Engelmann und weist auf die Bedeutung von Kunststoffverpackungen für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten hin. Viele Hersteller von Kunststoffverpackungen sehen sich in ihrer Existenz bedroht 16.598 7.556 30.000 10.000 20.000 2011 16.428 2012 16.446 2013 16.340 2014 17.156 2015 17.286 2016 18.089 2017 19.121 2018 18.168 2019 17.492 2020 19.770 9.816 8.764 8.912 8.728 8.126 7.735 7.620 7.564 7.612 7.637 2021 Inland Ausland In- und Auslandsumsatz der Verpackungsindustrie in Deutschland 2011 bis 2021, in Millionen Euro Bilder: tassel78, Zerbor / Adobe Stock Gesamtumsatz 8 Kurz & knapp

Aber klar. Immer mehr Verbraucher wünschen sich nachhaltige Verpackungen. Die innovativen Papierlösungen von NexFlex sind die umweltschonende Packaging-Alternative. 100% recyclebar, 100% im Trend. Und extrem vielseitig einsetzbar. Mehr auf www.nexgenpaper.com „Ich würde Plastik- verpackungen gern den Riegel vorschieben. Kriegt ihr das hin?“

Bild: ZaZa studio / Adobe Stock GRÜN, ABER BITTE UNGEFÄRBT Ist der Greenwashing-Verdacht nur ein Mythos oder eine ernste Gefahr? Während Unternehmen aus der Verpackungsbranche und Konsumgüterindustrie zunehmend Kooperationen mit Umweltverbänden eingehen, will die Europäische Union durch neue Gesetze mehr Transparenz für Verbraucher erreichen. Autorin: Anna Ntemiris 10 Titelthema Greenwashing

den Begriff Greenwashing für irreführendes und unbelegtes Marketing. Mehr als 40 Jahre später wird der Begriff in Europa politisch: Vage Produktangaben wie „grün“ und „umweltfreundlich“ sollen in der EU jetzt verboten werden, wenn sie nicht nachgewiesen sind. Das ist Teil eines Vorschlags der EU-Kommission von Ende März, der Verbraucherrechte stärken und Handtücher in den Zimmern wiederzuver- wenden, meinte der Umweltschützer Jay Westerfeld, dass dies nach einer guten Idee klinge, aber von umweltschädlichen Geschäftspraktiken der Hotels ablenke. Er prägte Greenwashing verhindern soll. Er sieht auch vor, dass Verbraucherinnen und Verbraucher darüber informiert werden müssen, wenn die Haltbarkeit eines Produkts begrenzt ist, etwa weil die Software eines Geräts die Plastic ist nicht gleich Plastik. Als der Kanadier David Katz, Gründer und CEO der Plastic Bank, in Düsseldorf mit den beiden Nachhaltigkeitschefinnen von Henkel und Metro auf Englisch über den Wert von „Plastic“ diskutiert, erfährt er erstaunt, dass sein Unternehmen zwar auch in der deutschen Übersetzung „Plastic Bank“ heißt, aber ansonsten das Wort „Kunststoff “ verwendet wird. Plastik hat inzwischen eine negative Konnotation, erklären ihm Medienleute. Greenwashing wiederum ist ein englisches Wort und wird nicht ins Deutsche übersetzt. Wenn Produkte oder Projekte als umwelt- freundlich oder nachhaltig dargestellt werden, obwohl sie es so nicht sind, spricht man von Greenwashing. Der Begriff stammt aus den 1980er- Jahren. Als US-Hotelketten dafür warben, die dukten missbraucht wird“, erklärt das für Justiz zuständige Mitglied der Europäischen Kommission, Didier Reynders. Die Gesetzgebungsvorschläge zur Stärkung der Verbraucher mit verlässlicheren Funktionalität zu einem bestimmten Zeit- punkt einschränkt. NEUE REGELN AUS BRÜSSEL „Wenn wir unseren Konsum nicht endlich nachhaltiger gestalten, werden wir die Ziele unseres europäischen Grünen Deals nicht erreichen. Die meisten Verbraucher- innen und Verbraucher wollen ihren Teil dazu beitragen, jedoch müssen wir leider eine Zunahme von Greenwashing und frühzeitiger Obsoleszenz feststellen. Um als echte Akteure des ökologischen Wandels zu agieren, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher ein Recht auf Information haben, um nachhaltige Entschei- dungen treffen zu können. Sie müssen zudem vor unlauteren Geschäftsprak- tiken geschützt werden, mit denen ihr Interesse an umweltfreundlichen Pro- „ Wenn wir unseren Konsum nicht endlich nachhaltiger gestalten, werden wir die Ziele unseres europäischen Grünen Deals nicht erreichen. “ Didier Reynders, EU-Kommissar für Justiz → Fehlende Angaben über Eigenschaften, die die Lebensdauer gezielt beschränken (Obsoleszenz), beispielsweise Software, die die Funktionalität der Ware nach einem Zeitraum mindert. → Vage Aussagen über die Umwelteigenschaften wie „umweltfreundlich“, „öko“ oder „grün“, die fälschlicherweise den Eindruck einer ausgezeichneten Umweltleistung erwecken. → Umweltaussagen über das gesamte Produkt, wenn diese tatsächlich nur Teile des Produkts betreffen. → Die Kennzeichnung mit einem Nachhaltigkeitssiegel, das weder auf einem Prüfverfahren durch Dritte basiert noch von Behörden stammt. → Fehlende Angaben darüber, dass das Produkt eine eingeschränkte Funktionsweise hat, wenn andere Ersatzteile oder Zubehör als vom Originalhersteller verwendet werden. EU-Kommmission will Verbot von Greenwashing und folgenden unlauteren Geschäftspraktiken: 11 Titelthema Greenwashing

WWF Deutschland und PepsiCo Deutschland sind nun Kooperations- partner. Ihr gemeinsames Ziel sind 100 Prozent recycelte Kunststoffverpackungen. Bild: PepsiCo / WWF Informationen über die Nachhaltigkeit von Produkten und einem besseren Schutz vor Etikettenschwindel sind Teil der Initiativen der Kommission. Weitere Initiativen sind die „Green Consumption Pledge“ zur Beschleunigung eines nachhaltigen Wirt- schaftsaufschwungs, die EU-Kommissar Reynders im Januar 2021 ins Leben gerufen hat. Darüber hinaus sollen Unternehmen verpflichtet werden, Angaben zum ökolo- gischen Fußabdruck ihrer Produkte und Dienstleistungen anhand standardisierter Quantifizierungsmethoden zu belegen. Die Vorschläge der Kommission werden nun im Rat und im Europäischen Parlament erörtert. Sobald die Mitgliedstaaten diese Vorschläge annehmen und in nationales Recht umsetzen, haben Verbraucherinnen und Verbraucher bei Verstößen Anspruch auf Rechtsbehelfe, darunter mittels kollektiver Rechtsschutzverfahren im Rahmen der Richt- linie über Verbandsklagen. Gegen Greenwashing wollen sich aber nicht nur Verbraucherschutzorganisationen und Politiker wehren, sondern auch Unternehmen aus allen Branchen. Reinhard Schneider, Geschäftsführer und Inhaber des Reinigungsmittelherstellers Werner & Mertz und Preisträger des Deutschen Umweltpreises, prangert seit einigen Jahren den Einsatz von falsch deklariertem Rezyklat in Verpackungen an und warnt vor Greenwashing. PROBLEM: GEFÄLSCHTE REZYKLATE Ein europaweites Problem betrifft die Verpackungsbranche: Statt vermehrt Altplas- tik aus dem Gelben Sack zu nutzen, nimmt der Import von billigem „Rezyklat“ aus Asien immer weiter zu – ohne Überprüfung, ob es sich dabei tatsächlich um recyceltes Mate- rial handelt. „Die Gefahr, dass Verbraucher irregeführt werden, ist hier sehr groß. Es ist wie bei der Geldwäsche, die Herkunft des PET ist nicht transparent. Sie lässt sich im Handumdrehen verschleiern“, so Schneider. Werner & Mertz setzt sich seit 2012 im Rahmen der „Rezyklat-Initiative“ mit Kooperationspartnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette für hochwertiges mechanisches Recycling aus der Quelle Gelber Sack ein und zeigt, dass es, technologisch gesehen, möglich ist, gleichwertige Verpackungen aus sogenanntem Post-Consumer- Rezyclat herzustellen: Seit 2014 bestehen „ Es ist wie bei der Geldwäsche, die Herkunft des PET ist nicht transparent. Sie lässt sich im Handumdrehen verschleiern. “ Reinhard Schneider, Geschäftsführer und Inhaber von Werner & Mertz 12 Titelthema Greenwashing

es sich um umweltfreundliche Materialien handele, so Glaz. Dabei könnten solche Materialien nicht kompostiert werden, sondern würden verbrannt. „Solange es nicht aus klar nachhaltigen Quellen kommt, ist Bio- plastik nichts.“ Den vielerorts neu entstehenden Abfüllstationen für beispielsweise Waschmittel erteilt Glaz ebenfalls eine Absage. Was auf den ersten Blick als „hippe“ und umweltfreundliche Lösung erscheine, sei für die Frosch-Produkte keine Alternative. Denn um Verpackungen von Reinigungsmitteln von Werner & Mertz nachzufüllen, müssten mehr Konservierungsmittel zuge- setzt werden als üblich und das Reinigungsverfahren sei aufwändiger. Das sei nicht im Sinne des Unternehmens, das solche Stoffe so wenig wie möglich einsetze. Außerdem müsste man gegebenenfalls schwerere Verpackungen, etwa Kanister, einsetzen, statt wie bisher leichte Verpackungen. Nun setzt der Mainzer Reinigungsmittelhersteller auf den größten Design- Relaunch in der Geschichte seiner Marke Frosch, die 1986 mit einem puristischen Design startete. 2001 folgte eine große Erneuerung im Verpackungsbereich. Das komplette Sortiment wurde auf PET- Flaschen umgestellt. 2022 kommt der Neuauftritt, um den Konsumenten am Regal „ihre Einzigartigkeit als NachhaltigkeitsPionier auf einen Blick deutlich zu machen“, heißt es. Von Greenwashing könne sich das Unternehmen deutlich abgrenzen, betont es. Da, „wo glaubwürdige Umweltvorteile in Verbindung gebracht werden die PET-Flaschen der bekannten Marke Frosch aus 100 Prozent PCR, davon mittlerweile 50 Prozent aus der Quelle Gelber Sack. Die restlichen 50 Prozent stammen aus der europäischen Getränkeflaschensammlung („Bottle-to-Bottle“-Ansatz). NACHHALTIGKEIT SICHTBAR MACHEN Timothy Glaz, Leiter Corporate Affairs bei Werner & Mertz, kritisiert, dass sich Unternehmen mit Marketingkampagnen ein nachhaltiges Image geben, ohne aktiv nachhaltige Produkte anzubieten. „Wir machen das nicht mit“, so Glaz und die Verbraucher würden Irreführungen böse quittieren. „Greenwashing zerstört Vertrauen. Die Verbraucher werden uns steinigen.“ Ebenso suggerierten Begriffe wie „Bioplastik“, dass Titelthema Greenwashing

Bilder: soft_light / Adobe Stock; plasticbank In verarmten Küstenregionen sammeln Menschen Kunststoffabfälle. können mit positiven Gefühlen der Lebensfreude und der Vielfalt im Sinne des soge- nannten Hedonismus, entsteht die von uns angestrebte Mehrheitsfähigkeit nachhaltiger Marken“, sagt Schneider. ZUSAMMENARBEIT MIT NGOS Nachhaltigkeit spielt für alle Konsumgüteranbieter eine entscheidende Rolle beim Marketing und beim Verpackungsdesign. Auffällige, opulente, glänzende Verpackungen finden sich nun seltener im Regal. Eine zunehmende Bedeutung haben Zusatzinformationen an Kunden, die die nachhaltigen Schritte der Unternehmen deutlich machen. Baumpflanzungen sind ein Beispiel oder die Zusammenarbeit mit NGOs. PepsiCo gab beispielsweise jetzt die Zusammenarbeit mit WWF bekannt. In Zu- kunft ist geplant, dass der WWF PepsiCo Deutschland GmbH beratend weitere Strate- gien zur Steigerung der Mehrwegquote, nachhaltiges Packaging Material und zur Recyclingfähigkeit von Verpackungen auf- zeigt. Im Rahmen seiner Nachhaltigkeits- strategie Pep Positive rief das Unternehmen kürzlich zu einem kritischen gesellschaft- lichen Diskurs auf und startete einen Plakat- wettbewerb, dessen Gewinner im Sommer gekürt werden sollen. Der Konsumgüterriese Henkel und der Großhändler Metro gehören zu den Unternehmen, die mit Plastic Bank, einem so genannten Sozialunternehmen, kooperieren. Gemeinsames Ziel ist, die Kreislaufwirt- schaft voranzutreiben und zugleich verarmten Menschen in Küstenregionen zu helfen. Henkel war 2017 das erste globale Konsumgüterunternehmen in Deutschland, das eine Kooperation mit Plastic Bank begann. Im Jahr 2020 wurden 560 Tonnen Social Plastic bei Henkel verarbeitet – zum Beispiel in den Pril-Spülmittelflaschen oder in Shampooflaschen der Linie Nature Box. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Unternehmen, die Social Plastic in ihren Pro- dukten verwenden, Aldi Süd und Aldi Nord zum Beispiel. Die Metro arbeitet in ihrer Metro Plastic Initiative mit Plastic Bank und ausgewählten globalen Lieferanten wie Henkel zusammen. Metro ist das weltweit erste Großhandelsunternehmen, das eine mehrjährige Kooperation mit Plastic Bank gestartet hat. Plastic Bank baut Recycling-Ökosysteme in Ländern wie Haiti auf, in denen es noch keine ausreichende Infrastruktur für die Ab- fallentsorgung gibt. Die Sammler erhalten eine Vergütung für die von ihnen gesammel- ten Materialien, die dazu beiträgt, die Grund- bedürfnisse ihrer Familien zu decken – etwa durch die Finanzierung des Schulbesuchs. Der gesammelte Kunststoff wird als so genanntes Social Plastic aufbereitet und kann als Teil einer geschlossenen Lieferkette wieder in Verpackungen integriert werden. „ES GIBT NICHT DIE EINE LÖSUNG“ „Wir können als einzelnes Unternehmen keine Kreislaufwirtschaft etablieren“, erklärt Ulrike Sapiro, neue Nachhaltigkeitschefin bei Henkel. Um nachhaltigere Produkte auf den Markt zu bringen, brauche man qualitativ 14 Titelthema Greenwashing

Kann Kunststoff sozial sein? Ja, sagt David Katz, der 2013 in Kanada die Plastic Bank mitgründete hat. Das Prinzip dieses Unternehmens: in verarmten Küstenregionen sammeln Menschen Kunststoffmüll, bringen ihn zu einer Sammelstelle und werden dafür mit Guthaben bezahlt. Der Kunststoff wird sortiert und kann anschließend der Recycling-Wertschöpfungskette zugeführt werden. „Kunststoff ist nicht das Problem“ David Katz, Gründer und CEO des Sozialunternehmens Plastic Bank, spricht im Interview über den Wert von Kunststoff. Jeder Einzelne sollte sein eigenes Verhalten überprüfen, denn die Verbraucher und nicht die Hersteller seien es, die Kunststoff achtlos wegwerfen. Warum nennen Sie Ihr Unternehmen eine Bank? Der Wert ist der Kunststoff. Stellen Sie sich vor, sie finden ein Feld voller Diamanten, können diese aber nirgendwo zu einer Bank bringen, um sie umzutauschen. Dann nutzen ihnen keine Diamanten. Wir wollen Kunststoff einen Wert geben. Wir nutzen digitale Bezahlsysteme. Beschreiben Sie kurz, was die Plastic Bank macht. Die Plastic Bank richtet Recycling-Ökosysteme in Ländern ein, die über keine ausreichende Entsorgungsinfrastruktur verfügen und in denen Umweltverschmutzung und Armut weit verbreitet sind. Wir richten Sammelstellen ein und beschäftigen Menschen dieser Regionen, um diese Ökosysteme zu verwalten. Die Bewohner können Kunststoffabfall aus ihrer Umgebung sammeln und es zu ihrer örtlichen Plastic-Bank-Filiale bringen, wo sie es gegen Geld, frische Lebensmittel, sauberes Wasser, Mobiltelefon- dienste, Speiseöl oder sogar Schulgeld für ihre Kinder eintauschen können. Die Sammler erhalten zusätzlich zum Marktwert des Kunststoffs eine Prämie für soziales Plastik, die ihnen ein stabiles, existenzsicherndes Einkommen sichert. In Deutschland gibt es grundsätzliche Kritik an der Verwendung von Kunststoff oder viele, die Verpackungen an sich ablehnen. Andere behaupten, dass Unternehmen wie Coca–Cola nur Greenwashing betreiben, dass der Anteil an Ocean Plastik immer noch gering sei. Was sagen Sie dazu? Jeder von uns sollte bei sich selbst anfangen, bevor er anderen vorschreibt, was sie machen sollen. Es wird schnell laut Kritik geübt, aber jetzt geht es darum, zu handeln. Natürlich können die großen Unternehmen noch mehr tun, um nachhaltiger zu sein. Aber fangen wir doch damit an, zu sagen, was wir tun können. Jeder Anteil an Social Plastic ist besser als gar keiner. Es sind nicht die Konzerne das Problem, sondern wir. Daher stehen wir jetzt da, wo wir sind. Würde jede Flasche 5 Euro oder Dollar kosten, würde sie niemand mehr wegwerfen. Es ist nicht der Kunststoff das Problem oder Coca-Cola, sondern wir, die wir die Verpackung wegwerfen. Ich bin der Käufer, der- jenige, der die Verpackung wegwirft. Wir haben nicht schlechte Verpackungen, sondern einen schlechten Umgang mit Ver- packungen. Ich kann entscheiden, ob ich Leitungswasser trinke, abgepacktes Wasser kaufe oder wiederverwertbare Behälter verwende. Sie haben 2013 als Start-up begonnen, sind inzwischen ein Global Player. Haben die Menschen ihr Verhalten geändert? Ich bin sehr optimistisch, die jüngere Generation achtet mehr auf die Umwelt. Die Klima-Bewegungen zeigen die Veränderungen. Ich kann die Probleme aber nicht alleine lösen, ich bin Teil der Lösung und Teil eines neuen Wegs, zu denken. Wir müssen Virgin Plastic stoppen, das Ziel sollte es sein, nur noch recyceltes Material zu nutzen. Aus rein humanitären Gründen. 15 Titelthema Greenwashing

Bild: Marek Mnich / Adobe Stock gutes Material, das sich recyceln lasse und dies müsse man fördern. Ähnlich äußert sich auch ihre Kollegin Veronika Pountcheva von Metro. „Wir können allein nicht die Welt retten, aber einen Beitrag dazu leisten.“ Man könne die Kunden dazu motivieren, darauf zu achten, welche Produkte sie auswählen, welchen Kunststoff sie bevorzugen. Pountcheva betont, dass Verpackungen zum Schutz und Transport von Waren wichtig seien. „Es gibt nicht die eine Lösung“, sagt sie. In manchen Fällen könne sich Glas als das geeignetere Verpackungsmaterial anbieten, in anderen Kunststoff. Entscheidend sei, dass es recycelbar sei. „Design for Recycling ist wichtig und wird wichtiger.“ STRENGE VORGABEN Jedes Kunststoffmaterial lasse sich recyceln. Man müsse bei Lebensmitteln dann genau schauen, in welche Flasche beispielsweise Mayonnaise oder Salatöl abgefüllt würden – hier seien strenge Vorgaben zu erfüllen. Aber Metro sei bereit, neue Wege im Sinne der Nachhaltigkeit zu gehen, so die Nachhaltigkeitschefin des Unternehmens. mit Non-Profit-Organisationen und NGOs stehen. Mit 29,7 Prozent denkt nur eine Minderheit der Befragten bei Unternehmens- partnerschaften mit gemeinnützigen Organisationen an Greenwashing. Die große „Europa-Tournee“, um weitere Unternehmen für eine Kooperation zu gewinnen. Verbraucher nehmen solche Kooperationen von Konzernen mit NGOs, so eine aktuelle Studie, differenziert wahr. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners untersuchte, wie Konsumenten in Deutschland im Hinblick auf Reputation, Glaubwürdigkeit und Profitzwecke zu Kooperationen von privaten Unternehmen „Besonders die jüngere Generation erkennt an, dass die Motive für Unternehmenspartnerschaften im NGO-Umfeld deutlich vielfältiger sind, beispielsweise gemein- same Innovationen im Fokus stehen. Bei Die Plastic Bank möchte in weiteren Ländern Sammelstellen eröffnen, zum Beispiel in Kamerun oder Thailand. Ende 2021 ging David Katz, CEO und Gründer des Sozialunternehmens mit Hauptsitz in Kanada, auf Mehrheit (mehr als 70 Prozent) steht solchen Kooperationen wohlwollend gegenüber, statt hinter der Zusammenarbeit Profitzwecke zu vermuten. „Der Greenwashing-Generalverdacht ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Tatsächlich betrachtet die Mehrheit das Thema deut- lich differenzierter“, sagt Lisa Jäger, Partnerin bei Simon-Kucher & Partners. „ Der Greenwashing-Generalverdacht ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. “ Lisa Jäger, Partnerin bei Simon-Kucher & Partners. Das Kerngeschäft selbst ist schon umweltschädlich, beispielsweise in der Mineralölindustrie und in Branchen, die unnötig viel Energie verbrauchen. Ein Unternehmen gibt mehr Geld für Werbung als für Umweltschutz aus. Eine Firma betreibt Lobbyarbeit, um Umweltschutz zu umgehen. Es wird mit Selbstverständlichkeiten geworben – etwa, indem bereits bestehende Auflagen oder Gesetze einfach nur eingehalten werden. Ein Beipiel dafür sind Wattestäbchen ohne Plastiksteg. Beim Einkauf helfen zwei Dinge, offensichtliches „Greenwashing“ zu entlarven: genau hinsehen und den gesunden Menschenverstand einschalten. Woher beispielsweise kommen die Kartoffeln, die den „Regional“-Stempel tragen? Verbirgt sich hinter dem grünen Baum auf der Verpackung wirklich Recycling-Toilettenpapier? Was sagen Signalwörter wie „natürlich“, „bio“ oder „vegan“ tatsächlich über ein Produkt aus? Entlarvend kann auch die Verpackung sein: Ist die Pappschachtel weitaus größer als das eigentliche Produkt und eventuell sogar noch zusätzlich in Kunststoff verpackt. Greenpeace: So erkennen Verbraucher Greenwashing 16 Titelthema Greenwashing

die Konsumenten in der Pflicht. Anders als Social-Plastic-Gründer David Katz (siehe Interview auf Seite 15), der beim Thema Verpackungsabfall auf die Verantwortung des Einzelnen verweist, erklärt Greenpeace, die Konzerne seien das Problem, die den Müll herstellen. So sei der weltweit agierende Konsumgüterkonzern Nestlé mitverant- wortlich für die Verpackungsabfälle in den Ozeanen. NESTLÉ GIBT SICH SELBSTKRITISCH Der Schweizer Lebensmittelgigant geht selbstkritisch mit diesen weitreichenden Vorwürfen um: „Plastik ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Und wir wissen, Nestlé ist Teil davon.“ Nestlé Deutschland will aber auch eine Lösung aufzeigen und verspricht: „Bis 2025 landet keine Nestlé- Verpackung mehr in der Umwelt – daran arbeiten wir.“ Der Konzern setzt dabei auf drei Säulen, um dieses Versprechen bis 2025 einzuhalten: Reduce, Reuse und Refill sowie Recycle. Smarties sei zum Beispiel die erste Süßwarenmarke, die rund um den Globus komplett auf Papierverpackungen setze und auch auf die Deckel aus Kunststoff verzichte. Ein weiteres Beispiel: seit Jahres- beginn 2022 gibt es das Nestlé-Wasser der Marke Vittel deutschlandweit nur noch in Flaschen aus hundert Prozent recyceltem PET. Und mit dem tschechischen Start-upUnternehmen MIWA teste der Lebens- mittelkonzern Nestlé derzeit wiederauffüll- bare Verpackungen. der Auswahl von Partnern gehen NGOs daher inzwischen immer professioneller vor, setzen auf systematische Screenings und sind somit auch in einer viel besseren Ver- handlungsposition.“ AKTUELLE VERBRAUCHERSTUDIE So glaubt nur rund jeder Fünfte der Befragten unter 35 Jahren (17,2 Prozent), dass gemeinnützige Organisationen ihren Ruf und ihre Glaubwürdigkeit riskieren, wenn sie eine Unternehmenspartnerschaft eingehen. Die Ergebnisse basieren auf einer repräsen- tativen Onlineumfrage von Simon-Kucher& Partners im Februar 2022 unter 1.067 Teil- nehmern in Deutschland. Organisationen und Lobbyverbände wie Greenpeace sehen die Konzerne und nicht Titelthema Greenwashing

Timothy Glaz ist seit 2014 Leiter Corporate Affairs bei der Werner & Mertz GmbH in Mainz. Zuvor war er Leiter Nachhaltigkeit beim Grünen Punkt und Key Account Director bei Nestlé. Von 1996 bis 2008 war Glaz Mitglied der Geschäftsführung beim Markenverband und von 1989 bis 1996 Abteilungsleiter Umweltpolitik beim Handelsver- band Deutschland (HDE). Greenwashing zerstört Vertrauen, sagen Sie. Wo verläuft die Grenze zwischen Greenwashing und Nachhaltigkeitsaktionen? Die Grenzen dazu sind fließend. Wenn nachhaltige Aktionen dem Produktversprechen gerecht werden, dann ist das okay. Ich nehme aber mit Kopfschütteln oder Verwunderung manche Aktivitäten wahr, die als nachhaltig bezeichnet werden. So manches „Versprechen“ verursacht mehr CO2 , als es, wie suggeriert wird, einspart. Bioplastik wird nach wie vor als positives Material wahrgenommen, obwohl es meistens aus Monokulturen wie beispielsweise Zuckerrohr hergestellt wird, das in Brasilien unter menschenunwürdigen Bedingungen angebaut wird. Sie kritisieren so manche Kampagne. Was halten Sie von Aufforstungsaktionen der Konsumgüterbranche oder auch der Initiative Social Plastic? Wir sind kein globaler Konzern, sondern ein mittelständisches Familienunternehmen in Deutschland. Daher schließen wir uns nur Aktionen an, die wir auch überprüfen können und für transparent halten. Wenn ich ein Produkt in Verkehr bringe, muss ich auch sicherstellen, dass das, was mein Kooperationspartner vermittelt, auch eingehalten wird. Woher kommt das Altplastik genau, was zum Beispiel in Entwicklungsländern eingesammelt wird? Das Konzept von Social Plastic ist gut, aber wie kann ich die Quellen überprüfen? Ich kann das nicht überprüfen. Daher haben wir uns bisher nicht daran angeschlossen. Werner & Mertz beteiligt sich auch nicht an Kompensationsaktivitäten, die nicht überprüfbar sind, sondern wir kümmern uns stattdessen um die Optimierung unserer eigenen CO2-Bilanz im Rahmen unserer Verantwortung der von uns gesteuerten Prozesse. Wir beteiligen uns zusätzlich an Renaturierungsmaßnahmen, die CO2 binden, wir weisen dies aber nicht als Kompensation aus. „Es geht oft um Marketing, nicht um Nachhaltigkeit“ Begriffe wie Bioplastik können Timothy Glaz auf die Palme bringen. Der Leiter Corporate Affairs bei Werner & Mertz spricht im Interview über Greenwashing und Entwicklungen im Kunststoffrecycling. Autorin: Anna Ntemiris Bild: Werner & Mertz 18 Titelthema Greenwashing

Welche Nachhaltigkeitstrends sind nur Trends, aber keine wirklichen Strategien in der Verpackungsbranche? Das schon erwähnte Bioplastik ist ein Trend. Doch wenn solche Materialien eingesetzt werden, die zwar theoretisch kompostiert werden können, aber de facto in der Verbrennungsanlage landen, ist das Greenwashing. Auch Nachfüllstationen in Geschäften für Reinigungs- oder Waschmittel sind für uns keine nachhaltige Lösung. Denn dann müssten wir unsere Rezeptur ändern, den Biozid-Anteil erhöhen, damit in der Nachfüllstation eine Bakterien- bildung vermieden wird. Eine Veränderung der Rezeptur würde unserer Zusage der biologischen Abbaubarkeit widersprechen. Auch gibt es funktionale Schwächen an solchen Nachfüllsta- tionen: Zapfhähne und der Boden müssen intensiv gereinigt werden, mögliche Nachfüllkanister sind schwer und werden bislang nicht dem Kreislaufsystem zugeführt. Obwohl diese gut zu recyceln wären und man diese ins Pfandsystem einbauen könnte. Wir setzen auf voll recyclingfähige Standbodenbeutel, um Plastik einzusparen. Welche Entwicklungen zur Unterstützung des Kunststoffrecyclings werden noch kommen? Wir werden in diesem Jahr die Umstellung unserer Verschlüsse abschließen. Wir werden keine eingefärbten Kappen, sondern nur noch transparente Kappen verwenden. Eingefärbte Verschlüsse sind zwar am Point of Sale ein gutes Wiedererkennungsmerkmal und für Marketingzwecke wichtig, aber nicht hochwertig zu recyceln. Der früher grüne und gut sichtbare Verschluss wird verschwinden. Ich verstehe zögerliche Manager, die kein Risiko eingehen wollen. Aber wir haben ganz klar die Strategie, dass uns hochwertig zu recycelnde Verpackungen wichtiger sind. Man muss bis ins Detail gehen, wenn man „grün“ sein und nicht nur den Eindruck erwecken will. Das Ganzheitliche ist dem Unternehmen Werner & Mertz wichtig. Die Preise für Rezyklate steigen. Rezyklate sind vielerorts Mangelware. Das betrifft Werner & Mertz nicht? Wir haben unsere Rezyklat-Initiative sehr früh begonnen und können daher auf langjährige Beziehungen aufbauen, die im Rahmen der Kooperation entstanden sind. Andere Hersteller hingegen haben sehr lange gewartet, bis sie Rezyklate eingesetzt haben. Wir hingegen haben die Aufbereitung des Altplastiks qualitativ und technologisch so weit entwickelt, dass wir heute auf bestehende Verfahren und Abläufe aufbauen können. Das führt unter anderem zu stabilen Lieferbeziehungen und zu einem gemeinsamen Qualitätsverständnis. Wir haben ein funktionierendes Konzept und die Konsumgüterwirtschaft hätte schon viel weiter sein können. Konkret hätte man bei Druckfarben und Verschlüssen schon viel eher recy- clingfreundliche Lösungen entwickeln können. Auch dass wir noch so viele Probleme mit dem Recycling von Folienverpackungen haben, liegt daran, dass das Thema nicht systematisch angegangen wurde. Mehr als 50 Prozent der haushaltsnah ein- gesammelten Verpackungen sind Folienverpackungen, ein nicht gelöstes Problem. Zentral ist die Entwicklung von Sortier- und Aufbereitungstechnologien. Es bedarf erheblicher Investitionen, unter anderem zur Farbsortierung, dem Waschen und dem Extrudieren. Was sagen Sie zu einer sogenannten Kunststoffsteuer? Das wäre letztendlich ja keine Steuer, sondern eine EU-Abgabe, die umgelegt wird. Wenn sie differenziert kommt, sind wir dafür. Was meinen Sie konkret? Wenn eine solche Abgabe für Kunststoffverpackungen aus Virgin Plastic gelten würde und Rezyklate ausgenommen würden, hätte sie eine Lenkungswirkung. Wir reden hier über spürbare Markteingriffe, die nicht unerheblich sind. Aber letztendlich muss der Gesetzgeber aktiv werden, wenn der Markt aus sich heraus keine nachhaltigen Lösungen entwickelt. Denn leider handeln viele Unternehmen noch nicht freiwillig weitsichtig genug. Ich habe diesbezüglich eine repräsentative Umfrage gelesen, nach der rund die Hälfte der befragten deutschen Vorstände angibt, Nachhaltigkeitsmaßnahmen lediglich als Marketing- oder PR anzusehen. Lediglich 15 Prozent der Vorstände setzen für zusätzliche Wertschöpfung auf Nachhaltigkeit. Bei diesem Ergebnis werde ich sehr emotional, es ist unfassbar. Was erwartet die Verpackungsbranche in Zukunft? Nachhaltige Verpackungen setzen voraus, dass man ehrliche Botschaften an Verbraucher sendet. Das bedingt ganzheitliche Lösungen statt Nischenlösungen. Ganzheitlich heißt unter anderem klimaschützende Technologien einzusetzen. Dem- gegenüber wird es immer mehr Verpackungen geben, die noch aufwendiger und komplexer werden und damit weniger recyclingfreundlich. Werner & Mertz konzentriert sich stattdessen darauf, seine bestehenden Verpackungen nachhaltig zu optimieren: Künftig werden bei uns beispielsweise die Recyclingfähigkeit und der Rezyklateinsatz bei Verpackungsbestandteilen wie Pumpzerstäubern oder Verschlüssen angegangen. Gelebte Verantwortung bedeutet für manche Unternehmen einen kulturellen Wechsel. Mittelständische Unternehmen können sich auf die Transformation besser und schneller einstellen als globale Konzerne. Wenn ich eine nachhaltige Aktion besprechen möchte, dann gehe ich zum Unternehmenschef Reinhard Schneider und muss nicht lange warten. Ein mittelständisches Unternehmen überlebt, weil es sich auf veränderte Marktbedingungen flexibler einstellen kann. 19 Titelthema Greenwashing

26% 15% 21% 9% 6% 9% 44% 53% 42% 46% 44% 32% 24% 26% 31% 39% 35% 46% 1% 1% 2% 2% 9% 5% 5% 5% 4% 4% 6% 8% Verpackungen, bei denen man über das Smartphone virtuelle Zusatzinformationen abrufen kann große Rolle weniger große Rolle kaum eine bzw. keine Rolle weiß nicht Verpackungen, die während des Transports melden, wenn die Sicherheit des Produkts in Gefahr ist Digitale Verpackungen, die anzeigen, ob Lebensmittel noch genießbar sind Verpackungen, die mit anderen Geräten kommunizieren können Digitale Produktionslabels, mit denen man Kunden regional unterschiedlich ansprechen kann Verpackungen, die mittels Sensoren und Displays digital mit Verbrauchern kommunizieren können Smart Packaging Welche Entwicklungen und Trends werden Ihrer Meinung nach in Zukunft für die Verpackungsindustrie eine große Rolle spielen? sehr große Rolle Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 10648 Nestlé Health Science hat farbige Löffel durch transparente Löffel ersetzt. Der Grund dafür: Polypropylen (PP) ohne Farbpigmente lässt sich besser sortieren und hochwertiger recyceln. Denn farbige Löffel werden in Sortieranlagen meist nicht oder nur schwer als wiederverwertbarer Kunststoff erkannt und dadurch der thermischen Verwertung zugeführt. Durch den Einsatz transparenter PPLöffel wird die Sortier- und Recyclingfähigkeit erhöht. „Bei nur einer Dose kann das menschliche Auge relativ leicht erkennen, ob ein Löffel beigefügt wurde. Bei einer Abfüllgeschwin- digkeit von 80 Dosen pro Minute ist dies nicht mehr fehlerfrei möglich. Zur Einhaltung unserer Qualitätsstandards ist aber eine Einzelprüfung zwingend gefordert“, erklärt Marcus Kauf, Ingenieur für Automatisierungstechnik im Nestlé Werk Osthofen. Gemeinsam mit der Firma SICK, einem der weltweit führenden Hersteller von intelligenter Sensorik, wurde eine neue automatisierte Prozesskontrolle entwickelt. Während bei den farbigen Löffeln eine Kamera über die Anzahl von Farbpixeln auf die Präsenz eines Löffels schließen konnte, benötigen transparente Löffel für eine prozesssichere Erkennung eine neue Kameratechnik, die an künstliche Intelligenz gekoppelt ist. „Die Kameratechnik wurde mit eingespeicherten Beispielbildern angelernt, die das Endprodukt mit Löffeln und unterschiedlichen Positionen in der Verpackung zeigen“, erläutert Klaus Keitel, strategischer Account Manager bei SICK. Die Kamera lernt mit jedem neuen Bild von jedem neuen Produkt dazu. Im Werk Ost- hofen werden jeden Tag bis zu 45.000 Löffel zugepackt. Eine neue Technologie ist im Nestlé Health Science Werk in Osthofen im Einsatz: Eine Kamera, die an künstliche Intelligenz gekoppelt ist, prüft, ob in verschiedenen Produkten ein Löffel zur Portionierung beiliegt oder nicht. Nestlé nutzt künstliche Intelligenz 20 Inspiration News

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DIE ZEIT IST REIF FÜR SMART PACKAGING Autor: Wolfgang Borgfeld Es gibt Verpackungen, die mit ihren potenziellen Käufern oder Nutzern situationsabhängig kommunizieren, die Auskunft geben, ob sie sachgemäß behandelt wurden oder wie sie zu benutzen sind. Noch sind derartige Anwendungen rar gesät. Doch es tut sich was. 22 Inspiration Intelligente Verpackungen

Bereits im Jahr 2003 promovierte Judith Kreyenschmidt über das Thema Zeit-Temperatur-Indikatoren zur Überwachung der Kühlkette. „Ich habe seitdem immer wieder gedacht, jetzt kommt der große Durchbruch“, sagt Judith Kreyenschmidt, die seitdem in vielen Projekten zum Thema involviert war und als Professorin am Institut für Frischproduktlogistik der Hochschule Geisenheim die Umsetzungsmöglichkeiten erforscht. Es gebe zwar gute Technologien, doch lange sei die Trans- parenz in den Lieferketten und hier vor allem eine ketten- übergreifende Überwachung nicht erwünscht gewesen. Es sei nicht zuletzt der Einzelhandel gewesen, der Temperatur-Zeit- Indikatoren teilweise vehement abgelehnt habe. „Befürchtungen seitens des Handels waren insbesondere, dass die Kunden beim Einkauf im Supermarkt die Ware sortieren und den Indi- kator mit der Farbe wählen, die die längste Haltbarkeit verspricht.“ Ein anderer Aspekt sei gewesen, dass die präzise Definition von Schwachstellen in der Lieferkette die Möglichkeit reduziert habe, auf den Produzenten Druck auszuüben. Die Einstellung zu derartigen Lösungen schien sich vor einigen Jahren zu wandeln. Vor der Pandemie habe Intelligent Packaging im Trend gelegen, sei während der Pandemie aber durch das veränderte Konsumverhalten in den Hintergrund gedrängt worden, hat Daniel Zapfl, Geschäftsführer von LEAD Innovation Management in Wien, beobachtet. „Wir merken, dass sich das jetzt langsam wieder ändert. Wir beob- achten, dass Unternehmen wieder verstärkt an intelligenten und nachhaltigen Lösungen arbeiten.“ So prüfe die Österreichische Post beispielsweise gerade im Rahmen eines Pilotprojektes die Nutzung wiederverwendbarer Verpackungen. Die Herausforderung dabei sei, valide Aussagen zu Einsatzzyklen, Schwund und Rücksendungen treffen zu können. So werde eine plattformbasierte niedrigschwellige Lösung von Tracking und Tracing angestrebt. anzubieten. Eine Möglichkeit sei der Einsatz von Augmented Reality, die vor allem bei der jüngeren Zielgruppe gut ankomme. Ein Beispiel bietet die Süßwarenmarke Smarties. Ab April werde eine neue Sonderedition der Marke in den Regalen stehen, die mit einer AR-App verknüpft ist; bei der technischen Umsetzung wurde Nestlé von einer Agentur aus Großbritannien unterstützt. Die „Smarties Dinosaur Edition“ ist bereits die dritte, limitierte Smarties-Produktvariante in Folge, die die bunten Schokolinsen mit der digitalen Welt verknüpft. Die Smarties Riesenrolle, MinisBeutel und Standbodenbeutel tragen auf der Verpackungsvorderseite einen QR-Code. Über diesen Code ist die AR-App abrufbar. Die App zeigt interaktiv Wissenswertes über die Welt der Dinosaurier und wird in verschiedenen europäischen Märkten verfügbar sein. Augmented Reality (AR) bietet die Möglichkeit, Verpackungen als neues Kommunikationstool zu nutzen. Als Kärntnermilch im August 2020 Barista-Milch auf den Markt brachte, setzte die Molkerei auf die aufmerksamkeitsteigernde Wirkung von AR. Wer mit der Getbaff-App den Tetrapak einscannte, konnte ein Video zur Barista-Milch sehen. Über einen Button gelangten die Kunden zur Webseite mit dem Gewinnspiel. Auch Nestlé setzt darauf, seine Verpackungen mit der digitalen Welt zu verknüpfen, um Kon- sumenten weitere, produktrelevante Inhalte Larger than Life: Augmented Reality Bilder: dekzer007 / Adobe Stock; Kärntnermilch; Nestlé 23 Inspiration Intelligente Verpackungen

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