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9. Dezember 2011

Marktübersicht Hersteller von Walzen

Breite Palette, hohe Spezialisierung

In der modernen Verpackungsmittelherstellung gehören Walzen zu den Maschinenelementen, die höchste Anforderungen erfüllen und Extrembelastungen standhalten müssen. Auf diese Markterfordernisse haben sich viele Hersteller mit einem breiten Produktportfolio eingestellt. Die ganze Bandbreite an innovativen Produkten und Komponenten im Vorfeld der Münchner Fachmesse ICE Europe zeigt die aktuelle PackMittel-Marktübersicht.

Nach dem deutlich spürbaren Einbruch des Krisenjahrs 2009 erleben die Hersteller in der Walzentechnik mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung seit der Jahresmitte 2010 eine unerwartet schnelle Rückkehr auf den Wachstumspfad. Allerdings war der Konjunktureinbruch bei einigen Kundensegmenten, zu denen auch der Verpackungsbereich zählt, weniger ausgeprägt, als in sehr volatilen Marktsegmenten. Daher spielte für den Geschäftsverlauf der vergangenen drei Jahre neben vielen anderen Faktoren auch das Kundenportfolio eine erhebliche Rolle. Inzwischen kämpfen die Hersteller zunehmend mit Risiken auf der Beschaffungsseite. So haben sich die Rohstoffkosten, etwa bei Beschichtungen, rasant erhöht. "Die Kostenentwicklungen bei Gummierungen waren in den letzten anderthalb Jahren überhaupt nicht mehr planbar", sagt Jürgen Ziegler, Geschäftsführer ESWE-Flex. Allerdings ist den meisten Anbietern auch klar, dass die starke Nachfrage nicht den Normalfall darstellt. Nicht nur die aktuellen Eintrübungen am Konjunkturhimmel dämpfen jede Euphorie. Auch der harte Wettbewerb macht sich bemerkbar. Der Preisdruck hat seit dem Einbruch kaum nachgelassen. Der Markt ist hart umkämpft, zahlreiche Hersteller ringen um Margen und Marktanteile. Zudem wird mittelfristig ein stärkerer Auftritt ausländischer Anbieter auf dem deutschen Markt erwartet, nicht zuletzt aus Fernost. Die immer noch zahlreichen Anbieter von Walzentechnologie haben auf den seit Jahren zunehmenden Preis- und Wettbewerbsdruck mit sehr unterschiedlichen Strategien reagiert. So weiteten größere Hersteller wie Böttcher, Kraiburg, Sauer oder Westland ihre ohnehin breite Produktpalette noch weiter aus und sind über frühere Domänen in Bereichen wie Papier, Folie oder Holz hinaus in vielen Märkten aktiv. Hier spielte auch der Strukturwandel im Grafischen Bereich eine starke Rolle. Zwar haben diese Unternehmen immer noch ihre Domänen bei grafischen Walzen, orientieren sich aber gleichzeitig immer stärker hin zur technischen Walze. Heute können sie ihren Kunden für nahezu jede Anwendung eine konkrete Lösung anbieten.

Außerdem besteht seit einigen Jahren ein ausgeprägter Trend bei mittelgroßen Herstellern wie Hähl oder Inometa, den Markt in Kooperationen, Gruppen oder Vertretungen teilweise auch über Landesgrenzen hinaus zu bedienen. So sind diese Unternehmen in der Lage, die auch im Walzengeschäft spürbare Internationalisierung des Geschäfts strategisch aufzugreifen und die eigene Marktposition zu behaupten oder sogar auszubauen.

Daneben existiert am Markt nach wie vor eine Vielzahl kleinerer und kleinster Unternehmen, die zum Teil auch in langjähriger Tradition, inhabergeführt in einem über Jahrzehnte gewachsenen, häufig eher regionalen, Netzwerk, operieren. Mitunter verzichten diese Unternehmen auf ein Produktprogramm und arbeiten direkt im Kundenauftrag. Im Vordergrund steht hier immer der Anspruch, dem Kunden sehr flexibel ein maßgeschneidertes Angebot offerieren zu können, bevorzugt als " Rund-Um-Sorglos-Paket", das neben eigenen, auf die speziellen Kundenbedürfnisse zugeschnittenen Produkten, auch teilveredelte Produkte, zugekaufte Komponenten sowie intensive Kommunikations- und Serviceleistungen umfasst.

Dabei hat das Handelsgeschäft im Walzenmarkt eine langjährige Tradition. Anbieter, die aus diesem Bereich kommen, sehen auch heute noch ihre Stärken auf dieser Seite. Allerdings ist die Vermarktung zugekaufter Teile oder Produkte nicht nur bei Spezialisten, sondern über weite Bereiche dieser Branche eine gerne geübte Praxis.

Diese schon teilweise seit Jahren anhaltende Marktentwicklung und Wettbewerbssituation, aber auch die erhöhten Anforderungen durch steigende Maschinengeschwindigkeiten und breitere Warenbahnen haben der Walzentechnologie zu einer hohen Innovationsdynamik verholfen und etwa in Gestalt von CFK (Faserverbundwerkstoff) schon vor vielen Jahren zu neuen Lösungen geführt, die als Alternative zu herkömmlichen Walzen aus Stahl und Aluminium auf den Markt kamen. Daher kann Axel Schwarze, Vertriebsleiter Inometa, über die jüngste Entdeckung von CFK für den Leichtbau in der Automobilindustrie nur schmunzeln: "Für uns ist das ein alter Hut". Denn Unternehmen wie Inometa oder Hähl sind bereits seit Jahrzehnten im CFK-Bereich aktiv. So investierte Hähl im Jahr 2009 in neue hochmoderne Fertigungseinrichtungen für die Verarbeitung von CFK im Filament Winding Verfahren sowie in eigene Beschichtungsanlagen. Die Anwender profitieren von der hohen Steifigkeit von CFK-Walzen mit ihrer stark verringerten Durchbiegung. Zudem spart das geringe Gewicht der CFK-Walzen Antriebsenergie.

Das Filament Winding führt zu einer ausgezeichneten Homogenität des CFK-Rohrs, die das Rotationsverhalten zusätzlich optimiert. Enge Form- und Lagetoleranzen gewährleisten für alle Prozesse die optimale Laufruhe.

Allerdings erweist sich die Herstellung von Oberflächenbeschichtungen auf CFK-Walzen als wesentlich komplexer im Vergleich zu metallischen Werkstoffen. Anbieter wie Inometa bieten daher ein breites Portfolio, das neben Elastomeren Beschichtungen auch solche aus Kunststoff, thermische Beschichtungen aus Hartmetall oder Keramik sowie metallische Legierungen umfasst.

Eine weitere Alternative zu Stahlwalzen sind schon seit einigen Jahren Hochleistungswalzen aus Kupfer, wie sie etwa Hähl anbietet. Ein wesentlicher Vorteil ist hier die stark verbesserte Wärmeleitfähigkeit der Walzen. Gute Einsatzmöglichkeiten mit hohen Anlagegeschwindigkeiten bieten sich etwa in Laminieranlagen zur Herstellung von Vormaterial für Lebensmittelverpackungen.

Verbesserte Wärmeleitfähigkeit

Auch wenn grafische Walzen heute in allen Druckprozessen, vom Bogen- oder Rollenoffset, über den Tiefdruck bis zum Flexodruck, zu finden sind, so gilt es für die Anbieter, mitunter auch in direkter Zusammenarbeit mit den Anlagenbetreibern, für jeden Herstellungsprozess die richtige Lösung zu finden, von der prozessoptimierten Walze bis zum passenden Bezugsstoff.

Bezugsstoffe gibt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen aus Gummi oder Kunststoff. Der optimale Walzenbezug erfüllt alle wichtigen Kriterien, wie Geometrie, Oberflächenbeschaffenheit und Compoundierung.

Thermisch aufgespritzte Funktionsoberflächen aus Hartmetall oder Keramik mit definierten Oberflächenstrukturen bzw. -rautiefen helfen, aufgestaute Luft abzuleiten. Darüber hinaus unterstützen integrierte Polymerpartikel die Transporteigenschaften der Oberfläche.

Eine interessante Entwicklung hat bereits vor einigen Jahren Ahauser Gummiwalzen auf den Markt gebracht: Das Unternehmen konnte sich ein Verfahren patentieren lassen, mit dem eine stabile und dauerhafte Verbindung eines Gummibelages mit einer Teflon-Beschichtung gelang. Die Vorteile dieser Teflon-Walzen liegen in der hohen Anti-Adhäsivität und in der Beständigkeit gegen hohe Temperaturen oder aggressive Chemikalien. Der rasante Fortschritt in der Drucktechnik hat auch die Ansprüche an Druckchemikalien, Farben und Walzen wachsen lassen. In den letzten Jahren spielten neue Kriterien wie Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit auch in den Prozessen der Verpackungsmittelhersteller eine immer stärkere Rolle. So wurde etwa die Verwendung von Alkohol als Zusatz zum Feuchtwasser häufiger in Frage gestellt. Daraus ergaben sich auch neue Anforderungen an die entsprechenden Feuchttauch- bzw. Feuchtdosierwalzen.

Feuchtwalzen ohne Quellungen

Daher hat etwa Böttcher die Entwicklungstätigkeit im Bogenoffset auf diesen Bereich konzentriert. Dabei ging es neben Verbesserungen der physikalisch dynamischen Eigenschaften im alkoholfreien bzw. -freien Druck, vor allem um Anpassungen der chemischen Resistenz von Feuchtwalzen. Bis dato konnten moderne Farbsysteme und Feuchtwasserzusätze mit ihrer chemischen Zusammensetzung an den herkömmlichen Feuchtwalzen Quellungen hervorrufen.

Das Kölner Unternehmen hat daher mit " ProAqualis" eine Walze mit einer speziell abgestimmten Gummierung entwickelt, auf die zusätzlich eine hochelastische Funktionsschicht aufgebracht wird, die die Gummimatrix sowohl vor chemischen Einflüssen von Feuchtwasserzusätzen und Druckfarben schützt, als auch mit einer besonderen Oberflächenstruktur für einen optimalen Feuchtwassertransport sorgt.

Die anhaltende Diskussion um den durchgängigen Einsatz migrationsarmer Materialien hat auch einen erheblichen Einfluss auf die Oberflächenbeschichtung der Walzen. Spezielle Oberflächenbeschichtungen sollen daher praktisch jeden Stoffaustausch zwischen Farb- und Feuchtwalzen und den Druckfarben und anderen Chemikalien, mit denen sie in Berührung kommen, unterbinden. So wird zuverlässig verhindert, dass Bestandteile der Gummimischungen über die Farben und das Feuchtmittel ins Endprodukt gelangen. So hat Böttcher unter dem Markennamen "Vita" für alle Druckverfahren Produkte entwickelt, die von unabhängigen wissenschaftlichen Instituten auf Ihre Unbedenklichkeit beim Lebensmittelverpackungsdruck geprüft und zertifiziert wurden. In Verbindung mit der "Golden Pearl"-Beschichtung für Reiberwalzen werden zudem Wasch- und damit Rüstzeiten beim Auftragswechsel deutlich verkürzt, die Produktivität des Druckprozesses nachhaltig gesteigert.

Mögen die Produktprogramme der Hersteller auch kaum einen Kundenwunsch unerfüllt lassen, so arbeiten viele doch zielgerichtet an weiteren Angeboten. Generell, so sieht es Axel Schwarze, gehe der Trend in Richtung Funktionswalze, also Walzen, die einzelne oder mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen können. Auch um dem eigenen Anspruch der "Speerspitze in der Walzentechnologie", so der Vertriebsleiter bei Inometa, gerecht zu werden, arbeitet das Unternehmen an adaptiven Systemen, die intelligent reagieren. Dies betrifft etwa die Biegelinie. Inometa hat dazu eine ALDS-Walze entwickelt, mit der die Biegelinie im Betrieb verstellt werden kann. Ziel ist, die Faltenbildung und Lufteinschlüsse beim Aufwickeln von Folien zu verhindern. In mittelfristiger Perspektive arbeitet das Herforder Unternehmen auch an der adaptronischen Schwingungsminderung. Doch nicht nur ein attraktives Produktportfolio und die ständige Bereitschaft, den Kunden neue Ideen und Lösungen präsentieren zu können, entscheiden heute über den Markterfolg. Auch ein kundenorientierter After-Sales-Service gehört dazu. Denn mit der breiten Produktpalette und der zunehmenden Komplexität der Walzentechnologie nimmt auch der Erklärungsbedarf stetig zu. Die gesamte Bandbreite des Produktspektrums rund um die Walze ist inzwischen kaum noch zu überschauen. Um die Transparenz zu verbessern, haben uns zahlreiche Hersteller ihre Informationen für die aktuelle PackMittel-Marktübersicht zur Verfügung gestellt.

Von Axel de Schmidt, freier Journalist, München

Hier können Sie die Marktübersicht der PackReport-Redaktion downloaden.


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